Fußball
Unrühmliches Ende

Michel Platini ist mit seinem Einspruch vor dem Sportgerichtshof CAS gescheitert. Als Uefa-Präsident tritt er zurück, als Fifa-Chef kann er 2019 nicht kandidieren. Die Funktionärs-Karriere des früheren Weltklasse-Fußballers nimmt ein unrühmliches Ende.

Zürich/Lausanne. Nach der langfristigen Verbannung durch das höchste Sportgericht ist das Funktionärs-Lebenswerk von Michel Platini endgültig zerstört. Mit seinem unausweichlichen Rücktritt machte der bis zuletzt verzweifelt um Macht und Glaubwürdigkeit kämpfende Franzose am Montag den Weg für den dringend benötigen Neuanfang an der Spitze der Europäischen Fußball-Union frei.

Die seit Monaten de facto führungslose Uefa muss sich nun einen neuen Chef suchen. Für den 18. Mai hat Europas Kontinentalverband eine Sondersitzung seines Exekutivkomitees anberaumt, um über das Prozedere einer nun anstehenden Präsidenten-Wahl zu beratschlagen. Einen Übergangs-Chef ernannte die Uefa vorerst aber nicht.

Weg für Neuanfang frei


Der Deutsche Fußball-Bund nannte Platinis Rücktritt die "logische Konsequenz" aus dem Urteil. "Der DFB begrüßt diesen Schritt auch deshalb, weil Michel Platini somit den Weg für einen notwendigen Neuanfang bei der Uefa frei macht", sagte DFB-Chef Reinhard Grindel.

Für Platini endet mit dem unmissverständlichen Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS nicht nur seine mehr als achtjährige Amtszeit als Uefa-Chef. Der CAS reduzierte zwar die vom Fußball-Weltverband verhängte Sperre um zwei auf vier Jahre, doch die Hoffnungen Platinis auf einen Freispruch erfüllten sich nicht. Im Gegenteil. In ihrer Urteilsbegründung wählten die drei CAS-Richter eindeutige Worte in der Bewertung der Vorgänge aus dem Jahr 2011.

Platini war vom Weltverband ebenso wie der ehemalige Fifa-Chef Joseph Blatter für sechs Jahre gesperrt worden. Zwei Millionen Schweizer Franken hatte Platini im Jahr 2011 von Blatter bekommen. Laut des Funktionärsduos war die Zahlung ein verspätetes Gehalt für Platinis Dienste um die Jahrtausendwende. Verbucht wurde die Summe in den Fifa-Büchern aber nicht. "Die Kammer ist nicht überzeugt von der Rechtmäßigkeit der Zahlung", hieß es in der Mitteilung.

Zudem soll Platini von der Verlängerung eines Altersvorsorge-Plans profitiert haben, "zu der er nicht berechtigt war". Die Kammer halte eine lange Sperre "im Lichte der Spitzenfunktion von Herrn Platini, der Abwesenheit jeglicher Reue und des Einflusses dieser Sache auf den Ruf der Fifa" für gerechtfertigt.

Am Tiefpunkt


Die Dauer der Sperre von vier Jahren macht auch eine Kandidatur Platinis als Fifa-Präsident im Mai 2019 unmöglich. 32 Jahre nach dem EM-Titel als genialer Spielmacher der französischen Nationalmannschaft ist Machtmensch Platini am Tiefpunkt angekommen und kann nun auch die Europameisterschaft in seiner Heimat bestenfalls als geduldeter Gast besuchen.

"Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, halte sie aber für eine gravierende Ungerechtigkeit", erklärte Platini. Zugleich kündigte der oft unbeirrbare bis sture Franzose an, vor Schweizer Zivilgerichten gegen das Urteil vorgehen zu wollen. "Wie mit den nationalen Verbänden der Uefa vereinbart, trete ich vom Amt des Uefa-Präsidenten zurück, um nun vor den Schweizer Gerichten den Kampf um Gerechtigkeit voranzutreiben", teilte Platini mit und schloss seine Erklärung mit der Formulierung: "Das Leben hat für mich immer schöne Überraschungen bereit gehalten, nun kann ich diese erleben."

Für Platini hätte sich nur bei einer Gesamtdauer von maximal einem Jahr die theoretische Chance auf eine Rückkehr in den Chefsessel der Uefa ergeben. Da die Fristen für eine Kür vor dem EM-Anpfiff sehr knapp sind, scheint die Wahl eines Nachfolgers im September wahrscheinlich. Als Kandidat gilt der Niederländer Michael van Praag.
Weitere Beiträge zu den Themen: Fußball (1549)Michel Platini (9)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.