Fußball
"Wir haben's verbockt"

Das war wohl nichts: Österreich muss wieder einmal nach der Vorrunde abreisen. David Alaba (rechts) wird von seinem Vater George getröstet. Bild: dpa

Von einem Geheimfavoriten ist die Rede gewesen - jetzt fährt Österreichs Nationalmannschaft schon nach der EM-Vorrunde nach Hause. Immerhin: In der bitteren Enttäuschung zeigt das Team Größe.

Paris. Bödvarsson! Traustason! Zu den vielen Mythen, Legenden und bitteren Enttäuschungen in der Geschichte des österreichischen Fußballs sind jetzt noch einmal zwei neue Namen hinzugekommen, an die man sich noch lange mit Schaudern erinnern wird. Mindestens das Achtelfinale, gerne auch mehr: Mit solchen Erwartungen ist ein Team voller Bundesliga-Stars zu dieser EM geschickt und damit wohl auch überfrachtet worden. Nach dem 1:2 gegen Island geht es wieder einmal schon nach der Vorrunde nach Hause. Ohne einen Sieg und auch nur ein einziges überzeugendes Spiel. "Wir haben's verbockt", sagte der Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker von RB Leipzig. "Da können wir nicht von Pech reden, damit müssen wir jetzt leben." Und wie sich das anfühlt? "Beschissen!" Nach einer weitgehend schlaflosen Nacht stellten sich Mannschaftskapitän Christian Fuchs und Trainer Marcel Koller am Donnerstag nochmals den Pressevertretern im EM-Quartier in Mallemort.

Bei Temperaturen von knapp 35 Grad blickte Fuchs müde vom Podium herunter, als er forderte: "Man darf nicht alles negativ sehen. Wir müssen das aufarbeiten, aber möglichst schnell auch abhaken und in der WM-Qualifikation wieder angreifen."Von den "EM-Versagern" schrieb die "Kronen"-Zeitung gleich nach dem Abpfiff am Mittwochabend. Neu ist, wie sachlich alle Protagonisten mit diesem K.o. umgehen. In der großen Enttäuschung zeigte der österreichische Fußball jene Größe, die man ihm so gern abspricht.

Mit einem Tag Abstand analysierte Koller: "Wenn man drei Spiele hat und nur eine Halbzeit so spielt, wie man spielen kann, reicht das einfach nicht. Es haben sich viele Kleinigkeiten summiert, auch mentale Dinge. Vielleicht war die Erwartungshaltung auch zu hoch." Bleibt die große Frage nach dem "Warum". Warum ein talentiertes Team mit Spielern von Bayern München oder Leicester City auf einmal schlechter spielt als Ungarn oder Island? Und warum der beste von ihnen (David Alaba) bei dieser EM so außer Form war?

Man kann es so sehen wie Alaba, der darauf verwies: Er selbst wird am Freitag erst 24. Alessandro Schöpf von Schalke 04, dem der Ausgleich zum 1:1 gelang, sogar erst 22. Also sagte Alaba: "Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Das war nur ein Kapitel. Jetzt wollen wir gleich das nächste aufschlagen."

Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Das war nur ein Kapitel. Jetzt wollen wir gleich das nächste aufschlagen.David Alaba
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