Fußball
"Wir hatten etwas Angst"

Lille. England? Ist für Jan Kozak "eines der stärksten Teams in Europa". Spanien? Habe sogar "einen eigenen Stil geprägt". Aber Europameister? Das kann aus Sicht des slowakischen Nationaltrainers eigentlich nur ein Team werden: "Die Deutschen sind einfach eine Turniermannschaft", sagte er. "Sie wissen, wann sie richtig aufdrehen müssen. Ich denke, für sie hat die EM erst heute richtig begonnen."

Mit 0:3 (0:2) verlor die Slowakei am Sonntag ihr EM-Achtelfinale gegen Deutschland. Und derart gelobt und sogar hymnisch gepriesen wird selbst der Weltmeister nur selten einmal. "Die Deutschen waren einfach zu stark", meinte Kozak. "Wir haben versucht, uns gegen sie aufzulehnen, aber das haben wir nicht geschafft. Sie haben so viel Qualität. Ich glaube, wir hatten etwas Angst vor ihnen."

Kozak kritisiert Klopp


Kozak, 62, ist ein temperamentvoller Coach. Er mag die deutlichen Worte, das weiß spätestens seit dieser EM auch Jürgen Klopp. Der Trainer des FC Liverpool wurde von Kozak kritisiert, weil er den slowakischen Kapitän Martin Skrtel in der Premier League zuletzt nicht mehr spielen ließ. "Es ist unfair, Martin wegen einer schwachen Leistung auf die Tribüne zu setzen", sagte er. "Klopp hätte mit ihm reden müssen. Aber das wird er noch lernen, Klopp ist ja noch jung."

Abseits dieser Geschichte weiß Kozak vor allem, wovon er redet, wenn er einige der großen Fußball-Nationen miteinander vergleicht. Seine Slowaken haben in der EM-Qualifikation gegen Spanien gewonnen (2:1). Sie haben das Achtelfinale dieses Turniers überhaupt erst erreicht, weil sie den Engländern in der Gruppenphase ein 0:0 abtrotzten. Sie waren nicht immer so hoffnungslos unterlegen wie am Sonntagabend im Stade Pierre Mauroy vor den Toren von Lille, selbst gegen die Deutschen gewannen sie erst im Mai noch ein Testspiel mit 3:1.

Dass das mit Blick auf das zweite, viel entscheidendere Duell bei dieser EM eher von Nachteil war, hatte Kozak bereits vor dem Anpfiff befürchtet. Nach dem Spiel meinte dann auch der starke slowakische Torwart Matus Kozacik: "Vielleicht waren sie nach unserem Sieg in der Vorbereitung einfach besser vorbereitet auf uns. Die Deutschen haben heute Größe und Stärke gezeigt. Wir konnten uns nicht wehren."

Die Überlegenheit des Weltmeisters machte es den Slowaken leicht, ihr Ausscheiden bei dieser EM zu akzeptieren. "Nein, es gibt keine Enttäuschung", sagte Kozak. "Wir haben ein hervorragendes Turnier gespielt." Die K.-o.-Runde überhaupt zu erreichen, war das große Ziel.

Bemerkenswerte Szenen


Und so spielten sich nach dem Abpfiff bemerkenswerte Szenen im Stade Pierre Mauroy ab: Die Fans aus beiden Ländern feierten ihr Team. Auf der slowakischen Seite liefen irgendwann die zwei kleinen Söhne von Mittelfeldstar Marek Hamsik vom SSC Neapel auf das Spielfeld und kickten ein paar Bälle aufs Tor. Jeder, der reinging, wurde in der Fankurve bejubelt. "Es ist schade, dass wir so deutlich verloren haben. Aber wenn ich auf das ganze Turnier zurückschaue, bin ich glücklich mit dem, was wir hier gezeigt haben", sagte Hamsik selbst.

Die Deutschen waren einfach zu stark.Jan Kozak, Nationaltrainer der Slowakei
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