Fußball
"Wissen, wie das läuft"

Bei 1860 läuft es mal wieder überhaupt nicht - und sofort scheint der Trainer Runjaic zu wackeln. Er wäre der fünfte Coach in Serie, der im Herbst den Job bei den Sechzigern verliert. Um das zu verhindern, müssten sich die Spieler "verdammt nochmal den Arsch aufreißen".

München. Nach der jüngsten Pleitenserie seines TSV 1860 München referierte Trainer Kosta Runjaic ausführlich über all die Faktoren für den Absturz in der 2. Fußball-Bundesliga. Nur bei der Frage, ob er denn die uneingeschränkte Rückendeckung der Vereinsbosse spüre, wand er sich auf bemerkenswerte Art und Weise.

"Wir wissen, wie das hier läuft. Ich werde mein Bestes geben", antwortete Runjaic am Mittwoch, statt einfach "Ja" zu sagen. Wenn es an der Grünwalder Straße so läuft wie in den vergangenen Jahren, dann sieht es freilich nicht gut aus den Coach. In den jüngsten vier Spielzeiten trennten sich die "Löwen" nämlich jedes Jahr noch vor November vom Trainer.

Im Abstiegskampf


Eigentlich sollte mal wieder alles besser werden an der Grünwalder Straße - und doch kommen die chronisch chaotischen "Löwen" auch in diesem Herbst nicht um Abstiegskampf und Trainerdebatten herum. Nach dem blamablen 1:3 zuletzt gegen Fortuna Düsseldorf droht 1860 bei einer Pleite am Freitag (18.30 Uhr) in Stuttgart gar der Absturz ans Tabellenende. "Vielleicht hat der eine oder andere den Ernst der Lage nicht erkannt", mutmaßte Runjaic in Richtung seiner Spieler. Gegen Düsseldorf versagten die Sechziger und veranlassten Investor Hasan Ismaik via Facebook zur Aufforderung in Richtung Trainerteam, dass "ab sofort nur noch Spieler für 1860 auflaufen, die sich 100 Prozent mit 1860 identifizieren und um ihr Leben laufen".

Runjaic gab den Druck am Mittwoch an seine Spieler weiter. Denn obwohl der Verein von etlichen verletzungsbedingten Ausfällen geplagt ist, seien vor der Reise nach Stuttgart noch genug Profis im Team, "die sich verdammt nochmal den Arsch aufreißen können", sagte der 45-Jährige. Sein Team will er deutlich umbauen: Unter anderem soll Abwehr-Routinier Rodnei in die Startelf rutschen, und das, obwohl dieser eigentlich noch nicht für einen Einsatz vorgesehen war.

Mächtig unter Druck


Runjaic steht mächtig unter Druck, den Abwärtstrend zu stoppen. Sportchef Thomas Eichin wollte sich nach dem Düsseldorf-Spiel nicht zum Trainer äußern. In Medien wird schon über Verhandlungen mit dem früheren Paderborner und Schalker André Breitenreiter spekuliert.

Trainerentlassungen früh in der Saison waren an der Grünwalder Straße zuletzt in Mode gekommen: Weder Torsten Fröhling 2015 noch Ricardo Moniz 2014, Alexander Schmidt 2013 und Reiner Maurer 2012 erlebten in den vergangenen vier Jahren den November als 1860-Coach. "Das hat auch nicht viel gebracht", sagte Sportchef Thomas Eichin dazu. Die Einschätzung könnte für Runjaic am Ende sogar erbauend klingen.
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