Fußball-WM als Adventsmärchen

Wie oft mag Fifa-Boss Joseph Blatter diesen Augenblick am 2. Dezember 2010 bereits verflucht haben? Damals kürte der Fußball-Weltverband Katar zum Ausrichter der WM 2022. Dass die Titelkämpfe im Winter stattfinden werden, ahnte damals noch keiner. Bild: dpa

Sommermärchen ade: Die Fußball-WM 2022 soll im November und Dezember ausgetragen werden. Auf diesen Termin einigte sich die Task Force des Fußball-Weltverbandes. Nicht nur die Fans müssen sich umstellen: Der Ligabetrieb ruht mehr als zwei Monate.

Ein WM-Finale kurz vor Heiligabend, Public Viewing zwischen Glühweinbuden und Weihnachtsbäumen - der Kompromiss über die Verlegung der Katar-WM 2022 in den Winter hat im Fußball keine Jubelstürme ausgelöst. "Es fällt schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein WM-Finale kurz vor Weihnachten stattfinden soll", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, wohlwissend dass der von der Fifa-Task-Force vorgeschlagene WM-Termin von Ende November bis Ende Dezember das kleinste Übel war.

Spielbetrieb ruht

Die großen Verlierer sind die europäischen Clubs und Ligen, schließlich wird der Spielbetrieb mehr als zweieinhalb Monate ruhen müssen. Andreas Rettig forderte als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga von der Fifa konkrete Lösungsvorschläge, Karl-Heinz Rummenigge mahnte als Chef der Europäischen Club-Vereinigung ECA Kompensationszahlungen an. "Den europäischen Clubs und Ligen kann nicht zugemutet werden, allein den Preis für die Verlegung der Fifa-WM in den Winter zu bezahlen", sagte der Bayern-Boss.

Dass die Endrunde in sieben Jahren erstmals in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft zum Winterspektakel wird, ist aufgrund der hohen Temperaturen im Sommer aber unumgänglich. Nach einem sechsmonatigen Konsultationsprozess sei der Termin im November/Dezember der "tragfähigste" gewesen und habe die volle Unterstützung von allen sechs Kontinentalverbänden, teilte die Fifa in einer Stellungnahme nach der Sitzung der Task Force mit.

Im Gespräch ist eine kürzere Austragung vom 26. November bis 23. Dezember, was ein Zugeständnis an die Ligen wäre. Der genaue Termin soll bis zur Entscheidung der Fifa-Exekutive am 19./20. März in Zürich gefunden werden. Gleichwohl ist klar, dass der Ligabetrieb ab Ende Oktober für rund zweieinhalb Monate ruhen wird. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl befürchtet, dass "der WM-Termin mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Spielzeiten massiv beeinflussen wird".

Kein Streit mit IOC

Eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung war jedoch unmöglich. Eine Austragung wie üblich in den Sommermonaten ist aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht praktikabel. Auch wenn die WM-Organisatoren die Temperaturen bei einer Sommer-WM in den Stadien herunterkühlen wollten, wäre die Belastung für Spieler und Fans außerhalb der Arenen groß gewesen. Zuletzt waren auch noch der Januar/Februar 2022 im Gespräch, allerdings würde dieser Termin mit den Olympischen Winterspielen kollidieren. Das IOC-Großereignis soll vom 4. bis 20. Februar 2022 in Almaty oder Peking stattfinden.
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