Fußball WM-Qualifikation
Deutschland glanzlos gegen nordirisches Bollwerk

Wo ist die Lücke? Julian Draxler fand sie einmal gegen Nordirlands Corry Evans und erzielte das wichtige 1:0. Bild: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bleibt in toller Herbstform. Gegen das nordirische Bollwerk gibt es für die Weltmeister den dritten ungefährdeten Sieg im dritten Spiel der WM-Qualifikation. Ein Wolfsburger kommt im Nationaldress immer besser in Fahrt und erzielt den wichtigen ersten Treffer.

Hannover. Mario Götze und Julian Draxler flachsten nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen wie freche Bengel. Mats Hummels verschenkte sein Trikot an einen kleinen Jungen. Im Regen von Hannover haben die Fußball-Weltmeister ihre Fans erneut begeistert und den Weg Richtung WM in Russland 2018 souverän fortgesetzt. Mit dem dritten klaren Sieg marschiert die deutsche Nationalmannschaft weiter ungefährdet an der Spitze der WM-Qualifikationsgruppe C.

Ein schneller Tore-Doppelpack von Draxler (13. Minute) und Sami Khedira (17.) sorgte am Dienstag vor 42 132 Zuschauern für ein ungefährdetes 2:0 gegen tapfer kämpfende Nordiren. Joachim Löw stellte mit seinem 94. Sieg als Bundestrainer die Rekordmarke von Sepp Herberger ein und kann sorgenfrei Richtung Jahresabschluss blicken. "Wir haben die Aufgaben erfüllt, dass wir sechs Punkte geholt haben. Die beiden Tore sind schnell gefallen. Es war ein müheloser Sieg", sagte Löw.

Gegen die Nordiren vertraute Löw der Startelf, die am Samstag Tschechien mit 3:0 bezwungen hatte. "Ich denke, dass wir sehr konzentriert gespielt haben und sehr aggressiv gespielt haben", sagte der bestens aufgelegte Khedira. "In der zweiten Halbzeit war etwas die Luft raus, aber es ist ein verdientes Ergebnis."

Löw hatte angekündigt: "Die Mannschaft wird die richtigen Lösungen haben". Und sie hatte sie schnell parat. In der dritten Minute scheitert Mario Götze noch aus kurzer Distanz per Kopfball an Nordirlands Torwart Michael McGovern, der beim deutschen 1:0 im EM-Gruppenspiel im Juni in Paris Glanzparaden in Serie gezeigt hatte. Dass es dann nicht das von Mats Hummels vorausgesagte "Geduldsspiel" wurde, lag an der Effizienz im deutschen Offensivspiel.

Erst traf der Wolfsburger Draxler nach Ablage von Thomas Müller mit einem Flachschuss aus 17 Metern ins untere rechte Eck. Dann nutzte Khedira eine Verlängerung von Hummels per Kopf zum zeitigen 2:0. Es war der erste Treffer des Juventus-Stars seit dem WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien (7:1). Beide Treffer leitete der wie schon gegen Tschechien starke Spielmacher Mesut Özil ein.

Das DFB-Team in der Einzelkritik


Neuer: Auch im dritten Qualifikationsspiel stand die Null. Der Kapitän konnte sich beim Schuss von Magennis auszeichnen (39.).

Kimmich: Ließ dem schnellen Ward bisweilen zu viel Raum. Im Vorwärtsgang agierte der junge Münchner schon gewohnt druckvoll.

Boateng: Dem Abwehrchef unterliefen Stellungsfehler. Ließ Ward entwischen, musste am Strafraum foulen.

Hummels: Der Münchner musste in etliche Duelle mit dem dynamischen Magennis. Gewann sie aber meistens. Beim 2:0 Vorbereiter per Kopf.

Hector: Der Kölner bearbeitete die komplette linke Seite. Ein Distanzschuss ging drüber (10.).

Khedira: Eine reife Leistung. Dynamisch und mit auffällig vielen Abschlüssen. Erstes Tor seit dem WM-Halbfinale gegen Brasilien. Der 29-Jährige behauptet im Mittelfeld seinen Platz neben Kroos.

Kroos: Sehr präsent als Gestalter aus der Tiefe. Der "Königliche" spielte viele kluge Pässe und schoss auch gefährlich (67.).

Müller: Diesmal mehr Vorbereiter, etwa bei Draxlers Tor. Präzise Flanke auf Götzes Kopf (4.). Ein abgeblockter Schussversuch (37.).

Özil: Diesmal führte er nur 45 Minuten als Zehner Regie. Leitete dabei beide Tore ein.

Draxler: Der 23-Jährige wird im Nationaltrikot immer besser. Sehr dynamisch. Belohnte sich mit seinem dritten Länderspieltor (13.).

Götze: Der Dortmunder startete fast mit einem Kopfballtor (4.). Bewegte sich gut auf engstem Raum. Viele Aktionen - ohne Torkrönung.

Gündogan: Der Rückkehrer übernahm nach der Pause Özils Rolle. Schoss gleich gefährlich (49.), vergab aber eine gute Chance zum 3:0 (82.).

Mustafi: Der Verteidiger vom FC Arsenal durfte Boateng ablösen (69.). Erledigte den Job unaufgeregt.

Volland: Der Leverkusener kam spät als linker Verteidiger.

Deutschland - Nordirland 2:0

Deutschland: Neuer (Bayern/30 Jahre/74 Einsätze) - Kimmich (Bayern/21/9), Boateng (Bayern/28/67 - 69. Mustafi (Arsenal/24/15)), Hummels (Bayern/27/53), Hector (Köln/26/24 - 81. Volland (Leverkusen/24/8)) - Khedira (Juventus/29/68), Kroos (Real/26/74) - Müller (Bayern/27/81), Özil (Arsenal/27/83 - 46. Gündogan (ManCity/25/18)), Draxler (Wolfsburg/23/27) - Götze (Dortmund/24/60)

Nordirland: McGovern (Norwich/32/17) - Hodson (Glasgow Rangers/25/17), Hughes (Kerala/36/103), McAuley (West Bromwich/36/67), J. Evans (West Bromwich/28/55), Ferguson (Millwall/25/28) - Davis (Southampton/31/89) - C. Evans (Blackburn/26/37), J. Ward (Burton/30/28 - 60. McGinn (Aberdeen/29/46)), Norwood (Brighton/25/39 - 73. McNair (Sunderland/21/13)) - Magennis (Charlton/26/24 - 76. Lafferty (Norwich/29/56))

Tore: 1:0 (13.) Draxler, 2:0 (17.) Khedira - SR: Paolo Tagliavento (Italien) - Zuschauer: 42 132 (in Hannover)
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