Fußball
Wolfgang "Otto" Kleff wird 70

Der ehemalige Gladbacher Torwart Wolfgang Kleff mit einem seiner größten Erfolge: 1975 gewann er mit der Borussia den UEFA-Pokal. Bild: dpa

Mönchengladbach. Wolfgang Kleff war fester Bestandteil der Mönchengladbacher Fohlenelf, die in den 1970er Jahren fünf Meistertitel gewann. Am Mittwoch feiert der Kultkeeper, der schwere Zeiten hinter sich hat, seinen 70. Geburtstag. Auch wenn die Haare nur noch spärlich sprießen, bleibt Wolfgang Kleff nicht lange unerkannt, wenn er im Borussia-Park auftaucht. "Ich habe immer noch viele Fans", sagt der ehemalige Torwart der Borussia. Kleff feierte mit dem Verein unvergessene Erfolge. Vor seinem 70. Geburtstag am Mittwoch dreht er die Uhr gedanklich zurück: "Das war eine großartige Zeit. Ich bin dankbar, dass ich Teil der Fohlenelf sein durfte."

Dass Kleff, der wegen seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit dem ostfriesischen Komiker Waalkes nur "Otto" gerufen wird, diesen Geburtstag noch erleben darf, ist gar nicht so selbstverständlich. Kleff hat einen Schlaganfall überstanden und sich von einer langwierigen Herzmuskelentzündung erholt. "In meiner Brust steckt jetzt ein Mini-Defibrillator", sagt Kleff.

Aktiv Sport treiben ist daher schon seit längerer Zeit tabu. So musste Kleff inzwischen die Feriencamps mit Kindern ebenso aufgeben wie seine Fußballschule: "Stress und jede intensive Belastung sind für mich lebensgefährlich. Spazieren gehen und die Seele baumeln lassen, das geht."

Kleff erlebte am Gladbacher Bökelberg die Blütezeit. Fünfmal wurde er deutscher Meister, gewann den DFB-Pokal und den Uefa-Cup. Er war in 433 Bundesligapartien dabei, spielte 321 Mal für Gladbach. Dass er in der deutschen Nationalmannschaft nur sechsmal zum Einsatz kam, erklärt der einstige Klassekeeper auf seine Weise: "Sepp Maier hatte enorm lange Arme, wie ein Orang-Utan. Doch Spaß beiseite. Er war ein Klasse-Torhüter und hatte mit seinen tollen Paraden maßgeblichen Anteil am WM-Sieg gegen die Niederlande 1974. Der bessere Fußballspieler war aber ich."

Als die Gladbach-Ära vorbei war, wechselte er noch neunmal den Arbeitgeber. Das Wort Karriereende verbannte er aus seinem Vokabular. Selbst in höherem Alter konnte er es nicht lassen. Mit 61 half er dem Landesligisten 1. FC Rheinbach aus der Klemme. 35 Minuten lang hielt der Torwart-Oldie durch, dann musste er beim Stand von 1:0 mit einem Bluterguss im Oberschenkel ausgewechselt werden.

Kleff lernte auch die Kehrseite des Ruhms kennen. Große Pläne scheiterten, die Berater wechselten. Das Konzept, mit einem Herren-Modegeschäft den Grundstein für den späteren Lebensunterhalt zu legen, floppte ebenso wie die Idee, in eine Blumenfarm in Afrika zu investieren. Heute ist Kleff einer von mehr als 20 Millionen Rentnern. Er lebt in bescheidenen Verhältnissen: "Ich bin zufrieden mit dem, was ich bin und was ich habe. Sicher hätte es für mich finanziell besser laufen können."

Kleff versäumt kein Heimspiel im Borussia-Park. "Der Fußball ist vor allem athletischer geworden, körperbetonter und enorm schnell", antwortet er auf die Frage nach den Unterschieden zu früher. Die Entwicklung seines Stammvereins sieht Kleff sehr positiv: "Das große Ganze stimmt. Wirtschaftlich und sportlich."
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