Gegen umstrittene WM in Katar

Obwohl Theo Zwanziger als damaliger DFB-Präsident im Dezember 2010 Katar mit zum WM-Ausrichter 2022 wählte, fordert das Mitglied im Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes Fifa heute ein Umdenken und die Verlegung in ein anderes Land. Bild: dpa

Das Thema WM in Katar erhitzt weiter die Gemüter. Jetzt hat sich Fifa-Exekutivkomitee-Mitglied Theo Zwanziger überraschend klar gegen die Weltmeisterschaft in dem Wüstenstaat ausgesprochen. Der OK-Chef dagegen verteidigt das umstrittene Turnier in acht Jahren.

Wenige Tage vor der Sitzung des Fifa-Vorstandes hat Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger die Debatte um die umstrittene WM in Katar mit erstaunlichen Aussagen öffentlich befeuert. "Persönlich glaube ich, dass die WM 2022 am Ende nicht in Katar stattfinden wird", sagte Zwanziger, Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes Fifa, der "Sport Bild Plus". Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geht davon aus, dass dem Wüstenstaat die Weltmeisterschaft 2022 wegen der Hitze und des Gesundheitsrisikos für Spieler und Fans entzogen wird. "Die Mediziner sagen - und das habe ich im Protokoll festhalten lassen -, dass sie nicht verantworten können, dass im Sommer unter diesen Bedingungen eine WM stattfindet."

Auch Beckenbauer zweifelt

Auch die Fußball-Legenden Franz Beckenbauer und Johan Cruyff bekräftigten ihre Zweifel. "Klar ist, im Sommer kannst du da nicht spielen", sagte Beckenbauer in einem "Kicker"-Interview. "So wird es kommen müssen. Es geht nicht anders", antwortete Cruyff auf die Frage, ob eine Verlegung in den Winter die Lösung für 2022 sei.

Dass die Weltmeisterschaft in acht Jahren bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius trotz modernster Kühltechnik für die Stadien nicht in den Sommermonaten stattfinden kann, scheint mittlerweile allgemeiner Konsens zu sein. Fraglich ist jedoch, wie die unterschiedlichen Interessenlagen von Winter-Olympia über Reformen des internationalen Fußballkalenders in Einklang gebracht werden können.

Dass nun aber Zwanziger als Mitglied des Fifa-Vorstandes, der im Dezember 2010 damals noch mit Franz Beckenbauer als deutschem Vertreter mit 14:8 Stimmen Katar als WM-Ausrichter 2022 wählte, öffentlich die Titelkämpfe in Katar grundsätzlich infrage stellt, gibt der Dauerdebatte eine neue Qualität und Brisanz.

An diesem Donnerstag und Freitag trifft sich die Exekutive des Weltverbandes in der Fifa-Zentrale in Zürich. Als Tagesordnungspunkte 10.3. und 10.4. stehen der Bericht des Fifa-Generalsekretärs Jérôme Valcke über die Vorbereitung der WM in Katar 2022 und der Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe internationaler Spielkalender 2018 bis 2024 auf dem Programm.

OK-Chef wehrt sich

Der OK-Chef Hassan al-Thawadi verteidigte das umstrittene Turnier in seinem Land. "Ich bin sicher, dass die WM 2022 in Katar stattfindet", sagte der Generalsekretär des WM-Organisationskomitees der Tageszeitung "Die Welt" und betonte: "Nein, ich habe keine Angst." Es gebe "überhaupt keine Basis dafür, die WM zu verlieren".

Ein Turnier im Sommer sei möglich, aber auch eine Verlegung in den Winter okay, erklärte al-Thawadi. Zwanziger dagegen sieht vor allem Gefahr für die Fans. Die WM finde nicht nur in den Stadien statt, die heruntergekühlt werden können. "Der erste lebensbedrohliche Vorfall würde sofort zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen führen. Das würde niemand im Fifa-Exko verantworten wollen", sagte Zwanziger.

Eine Verlegung der WM in ein anderes Land wird auch wegen der Menschenrechtssituation in Katar und des Korruptionsverdachts bei der WM-Vergabe 2022 an das Emirat und 2018 an Russland schon länger diskutiert. Die Ethikkommission wird ein abschließendes Urteil wohl erst im Frühjahr 2015 fällen.
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