Gegrummel vor Europaspielen

Akrobatik in Baku: Die Aserbaidschaner wollen an jeder Ecke auf die Europaspiele aufmerksam machen. Aber die sind nicht unumstritten. Bild: dpa

Einzig Bakus Kulisse glänzt derzeit: Vor Eröffnung der Europaspiele dominiert die Kritik an Menschenrechten, zudem ist der sportliche Wert der Premiere noch fraglich. Die Organisatoren loben den Gastgeber bereits vor der Eröffnung - als olympiawürdig.

Die Glitzer-Fassade Bakus vermittelt nicht nur den deutschen Athleten olympisches Flair, noch überstrahlt aber die Debatte um Menschenrechtsverletzungen die Europaspiel-Premiere. Hinter der Kulisse mit dem Hochglanz moderner Sportanlagen steht wenige Stunden vor Eröffnung des Events mit 20 Sportarten am Freitag weiter der autoritär geführte Gastgeber im Fokus.

Die Berichte über die Pressefreiheit hätten sich nicht geändert, "wir sind weiterhin besorgt", erklärte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper und berichtete nach seiner Ankunft im Flieger mit Fahnenträger Fabian Hambüchen von "Neugier" auf die ersten Europaspiele. "Ich bin gespannt wie die Spiele laufen. Manchmal hat man den Eindruck, dass der Sport hier gar keine Rolle spielt, aber er spielt eine Rolle. Es ist im Kern ein Sportfest." Dies muss sich an den 17 Wettkampftagen mit der Vergabe von 253 Goldmedaillen beweisen. Bei der Zeremonie im Nationalstadium wird Kremlchef Wladimir Putin sich neben dem europaweit kritisierten aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev präsentieren, die deutsche Spitzenpolitik fehlt hingegen.

Die deutschen Sportler fühlten sich nach ihrer Ankunft angesichts der Größe des Events mit mehr als 6000 Athleten an Sommerspiele erinnert. "Es ist für uns eine ganz neue Erfahrung. Es hat den Style Olympischer Spiele, das Gefühl ist ähnlich wie bei Olympia", berichtete Volleyball-Kapitän Jochen Schöps nach den ersten Eindrücken und fügte schmunzelnd mit Blick auf die Betonbauten mit bis zu 17 Stockwerken für die Athleten hinzu. "Unsere Unterkünfte sind sogar ein bisschen höher als in London."

Sportlich gibt es deutliche Unterschiede zu Olympia. Bei den Becken-Wettbewerben wie Schwimmen oder Wasserball starten nur Junioren, in der Leichtathletik findet aus Ermangelung an Unterstützung des europäischen Verbands lediglich ein drittklassiger Nationenwettbewerb ohne deutsche Beteiligung statt. Eine "Schwachstelle der Spiele", formulierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann und meinte zur Zukunft der Europaspiele: "Spätestens nach dem zweiten Mal muss man einen Strich drunter machen und wägen und wiegen, wie die Erfahrung ist, ob das Projekt dauerhaft Sinn macht."
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