Goldjubel von Koch

Marco Koch schaut noch ungläubig auf die Anzeigentafel. Noch hat er nicht registriert, dass er Weltmeister ist. Bild: dpa

Nach Jahren der Tristesse haben die Beckenschwimmer wieder einen Weltmeister. Marco Koch krönt sich über 200 Meter Brust zum Champion, der Verband erreicht vorzeitig das Minimalziel. Biedermanns Geburtstagsmedaille fällt aus.

Weltmeister Marco Koch setzte sich auf die Leine, zeigte seine starken Muskeln und ließ sich nach dem ersten deutschen WM-Titel seit sechs Jahren rücklings ins Becken fallen. "Das war ein geiles Rennen, es hat wieder viel Spaß gemacht", erklärte der WM-Zweite von 2013 nach dem ersehnten Gold-Coup über 200 Meter Brust. Sechs Jahre nach Britta Steffen krönte sich am Freitag in Kasan wieder ein deutscher Schwimmer zum Weltmeister. "Der Weltmeistertitel, einfach super", frohlockte Trainer Alexander Kreisel, der nach Kochs Anschlag in 2:07,76 Minuten jubelnd die Arme in die Höhe riss. Am 29. Geburtstag konnte Paul Biedermann die Freistil-Staffel über 4 x 200 Meter trotz einer Energieleistung als Schlussschwimmer nicht mehr zu Bronze führen. Am Ende reichte es beim Sieg von Großbritannien nur zu Platz fünf in 7:09,01 Minuten. Dies war fast die deutsche Zeit vom EM-Titel 2014.

"Ein heißes Eisen"

Dafür schlug erneut Marco Koch zu! Nach seiner Olympia-Enttäuschung 2012 war er wieder "ein heißes Eisen im Feuer", so Chefbundestrainer Henning Lambertz. Bei der WM 2013 verhinderte seine Silbermedaille eine Nullnummer der Beckenschwimmer, bei der Heim-EM verzückte er die Berliner Fans mit dem EM-Titel - und jetzt sein größter Erfolg. Nur mit der Zeit war der Darmstädter nicht zufrieden. "Leider kein Weltrekord, aber ich bin trotzdem superhappy", erklärte Koch.

Wer ihn und seinen Trainer nach dem Rennen analysieren hörte, hätte nicht bei jeder Aussage erwartet, einen coolen Weltmeister und seinen Trainer ("Ich war nervöser als er") vor sich zu haben. Nächstes Jahr, ließ Koch die erstaunten Zuhörer zurück, wolle er auch mal schnell schwimmen. Eine bessere Möglichkeit als bei Olympia in Rio gibt es da nicht.

WM-Silber ging mit einem Rückstand von 0,29 Sekunden an den Amerikaner Kevin Cordes, Bronze an den entthronten Titelverteidiger Daniel Gyurta aus Ungarn.

Am Tag nach dem Stimmungsdämpfer mit Platz vier der Weltjahresbesten Franziska Hentke über 200 Meter Schmetterling wollte sich auch die Staffel für das Finale "noch mal zusammenraufen". Christoph Fildebrandt rückte anstelle von Florian Vogel in das Quartett, das schnell den Anschluss an die Medaillenränge verlor. Da konnte Biedermann auch nichts mehr retten.

Für mehr Freude bei Lambertz hatten dagegen Final-Einzüge von Sarah Köhler und Jenny Mensing vor knapp 10 000 Zuschauern gesorgt. Der Chefbundestrainer darf durchatmen: Insgesamt hat der Deutsche Schwimm-Verband dank der dritten Becken-Plakette durch Koch sein Minimalziel von sieben Medaillen erreicht.

Köhler im Finale

Mit deutschen Finalisten geht es auch am vorletzten WM-Tag weiter. Sarah Köhler kämpfte sich ins Finale über 800 Meter in den Endlauf am Samstag. Die in der Vorbereitung mehrere Wochen kranke Frankfurterin schlug nach persönlicher Bestzeit von 8:26,16 Minuten als Siebte an. Mensing kam über 200 Meter Rücken als Achte gerade noch so in 2:09,16 Minuten weiter.
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