Guardiolas kurioser Abend

Nach dem nicht gegebenen Tor stürmt Trainer Pep Guardiola (links) auf den Schiri-Assistenten Markus Häcker los. Bild: dpa

Drei Punkte waren gegen Schalke fest eingeplant, einer wurde es: Die Bayern stolpern weiter in die Rückrunde. Doch richtiger Frust sieht anders aus. Auch der Trainer verteilte Streicheleinheiten - sogar in eine ungewöhnliche Richtung.

München. Wie nun? Was nun? Wie ist das alles zu bewerten? "Mit dem 1:1 sind wir nicht zufrieden", grummelte Bastian Schweinsteiger. "Wir hatten auch mit zehn Mann die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen." Nur ein paar Meter weiter sah die Welt vollkommen anders aus: "Wir haben einen Punkt gewonnen, nicht zwei verloren", gab Manuel Neuer sein Urteil zum 1:1 (0:0) seines FC Bayern gegen Schalke 04 am Dienstagabend. Es war alles drin in der Bandbreite der Spiel- und Spieleranalysen. Die Münchener konnten dieses Ergebnis selbst nicht klar einschätzen. Am besten drückte es wohl wieder mal Thomas Müller aus: "Naja, wir sind einigermaßen zufrieden."

Klar war an diesem kalten Abend allen nur, dass die frühe Rote Karte von Jérôme Boateng das Spiel völlig veränderte. Zu elft hätten die Bayern Schalke vielleicht sogar mit einem 0:4 heimgeschickt. In den ersten Minuten begannen die Münchener furios. Die Führung? Eine Frage von Minuten. Und dann dieses klare Foul Boatengs an Sidney Sam - Elfmeter. Mit einem Schuss hätten die Schalker die Bayern total verunsichern können. "Aber da habe ich wohl zu lässig geschossen", meinte Eric Maxim Choupo-Moting zu seinem Elfmeterchen. Manuel Neuer hielt den Ball sicher.

Viele fahrige Aktionen

Das war wohl auch der Moment, in dem die Schalker schon wieder der Mut verließ. Die Gäste riskierten auch in Überzahl nicht viel. "Die Schalker Strategie war schon sehr verwunderlich. Da kann man nur den Kopf schütteln", meinte Müller. Aber auch da gab es beim Rekordmeister schon wieder einen in den eigenen Reihen, der komplett anders dachte. Er sei nicht Sache der Bayern, die Spielerei des Gegners zu bewerten, meinte Neuer. Die Bayern haben in diesen ersten Tagen der Bundesliga-Rückrunde genügend mit sich selbst zu tun. Irgendwie befinden sich die Münchener noch im Winterschlaf. Nach der Roten Karte waren viele Akteure fahrig in ihren Aktionen. Xabi Alonso setzte seine Fehlerkette aus dem Wolfsburg-Spiel fort, der neu ins Team gerückte Mitchell Weiser war einfach überfordert.

Nur Arjen Robben war engagiert wie eh und je. Sein Urteil, "wir haben guten Fußball gespielt", darf er zuallererst auf sich selbst beziehen. Nur er konnte die Bayern in Führung bringen. Und dass der starke Linksfuß per Kopf traf, passte zu diesem kuriosen Abend. Der Niederländer jubelte und war nur fünf Minuten später total betrübt: "Es ist schon ärgerlich, dass mit Höwedes ausgerechnet der kopfballstärkste Schalker das Tor machen kann." Der kleine Weiser hatte bei dieser Situation geschlafen. "In der Champions-League kann so ein Fehler tödlich sein."

Ungewöhnliche Umarmung

In der Bundesliga tut er auch weh. Trainer Pep Guardiola schmerzt ohnehin jeder Fehler, egal, wer ihn begeht. Als kurz vor dem 1:0 ein Tor des eingewechselten Robert Lewandowski nicht anerkannt wurde, weil der Ball angeblich im Aus war, bestürmte der Spanier den Schiedsrichterassistenten. Als Sekunden später die Führung fiel, umarmte und herzte der Coach den vierten Offiziellen. Bei seiner Bewertung des Spiels überraschte er dann nochmals: "Ich bin nicht zufrieden." War ja klar, der erfolgsbesessene Startrainer will immer siegen. Doch er fügte noch an: "Denn ich bin sehr, sehr, sehr zufrieden. Wir wollten natürlich drei Punkte, aber 70 Minuten in Unterzahl gegen Schalke ist nicht einfach."
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