Handball
Handballer siegen gegen Russland

Carsten Lichtlein, der in der 23. Minute für Andreas Wolff ins Tor gekommen war, bot seine beste EM-Leistung. Er entschärfte zahlreiche Würfe, wie hier gegen den Russen Timur Dibirov. Bild: dpa

Mit Herz und Moral haben die deutschen Handballer bei der EM in Polen ihre Siegesserie fortgesetzt. Nach dem Erfolg gegen Russland haben sie den Halbfinal-Einzug weiter in der eigenen Hand. Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger sind verletzt.

Breslau. Carsten Lichtlein rannte wie entfesselt zum Spielfeldrand und umarmte stürmisch Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Mit dem letzten entschärften Wurf rettete der Torhüter den deutschen Handballern bei der EM in Polen den vierten Sieg in Serie und die Chance aufs Halbfinale. Im zweiten Hauptrundenspiel bezwang der WM-Siebte am Sonntag in Breslau Russland mit 30:29 (17:16).

Mittwoch wartet Dänemark


Damit kommt es am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) zum mit Spannung erwarteten Endspiel gegen den Titelanwärter Dänemark um den Einzug in die Medaillenrunde. "Ich bin sehr glücklich über unseren Sieg. Es war ein Kampf bis zur letzten Sekunde", sagte Sigurdsson. Durch den Erfolg ist die deutsche Mannschaft mindestens schon EM-Sechster.

Vor rund 6200 Zuschauern lieferte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ein Spiel wie eine Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen. Beste deutsche Werfer waren Christian Dissinger mit sieben und Erik Schmidt mit sechs Toren. Die Freude über den Sieg wurde jedoch getrübt durch das erneute Verletzungspech. Kapitän Steffen Weinhold und Dissinger zogen sich nach Angaben von Hanning Muskelverletzungen zu. "Es sieht bei beiden nicht gut aus. Wir werden auf jeden Fall nachnominieren", sagte Sigurdsson. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Julius Kühn vom VfL Gummersbach und Kai Häfner von der TSV Hannover-Burgdorf vor der kommenden Partie zur Mannschaft in Breslau stoßen.

Mit dem Startsignal wich zwar die Anspannung im deutschen Handball-Lager, wurde aber durch Unsicherheit abgelöst, die erst nach und nach verschwand. Das DHB-Team agierte zunächst fahrig und in der Abwehr nicht konsequent genug. Nach Fehlwürfen und ungenauen Ballwechseln musste der WM-Siebte einem 4:7-Rückstand (8.) hinterherlaufen. Doch in gewohnter Manier zog sich die deutsche Mannschaft aus diesem Tief. In mühevoller Kleinarbeit holte sie die drei Tore auf und ging beim 11:10 (21.) erstmals in Führung.

Weil die Russen aber vor allem über ihre Kreisspieler gefährlich blieben und zu Toren kamen, konnte sich das deutsche Team nicht absetzen. Immer wieder musste es den Ausgleich hinnehmen, sicherte sich aber eine 17:16-Pausenführung.

Lichtlein ganz stark


Carsten Lichtlein, der in der 23. Minute für Wolff ins Tor gekommen war, bot seine beste EM-Leistung und entschärfte zahlreiche Würfe. Zudem steigerte sich die Abwehr um den 2,10-Meter-Hünen Finn Lemke. Mit dem schönsten Tor des Tages erzielte Kreisläufer Erik Schmidt das 25:20 (44.), indem er unter Bedrängnis artistisch mit einem Rückhandwurf über die Schulter traf. Danach zog aber wieder der Schlendrian beim Torwurf ins deutsche Team ein. Der Vorsprung war beim 26:26 (52.) dahin und das DHB-Team musste bis zum Ende zittern.
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