HSV-Jubel und KSC-Tränen

Ausgelassen feierten Torwart René Adler (vorne) und seine Teamkollegen vom Hamburger SV den Klassenerhalt. Mit dem 2:1-Sieg nach Verlängerung beim Karlsruher SC sicherte sich das Gründungsmitglied ein weiteres Jahr die Zugehörigkeit zur Bundesliga. Bild: dpa

Bierselig und ausgelassen jubelte der HSV über den Klassenverbleib. Ein weiteres Jahr am Abgrund kann sich bei den Hanseaten aber niemand mehr leisten. Die Karlsruher hingegen vergossen nach dem extrem unglücklichen Relegationsrückspiel bittere Tränen.

Erst ein Party-Marathon im Bus und in Hamburger Szenekneipen, dann ein deftiges Katerfrühstück in "Erikas Eck" und schließlich eine Dankesfeier mit der kompletten Geschäftsstelle - der Hamburger SV kam aus den Feiern nach dem geglückten Klassenverbleib nicht mehr heraus. Nach einer erneut katastrophalen Saison hatte das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga am Vortag doch noch sein Happy End erlebt.

Der Karlsruher SC hingegen versank nach dem hochdramatischen 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung im Relegationsrückspiel in tiefer Trauer über die verpasste Rückkehr in die deutsche Eliteklasse. "Es fühlt sich an, als ob uns jemand das Herz herausgerissen hätte", sagte Reinhold Yabo beim verzweifelten Versuch, den Schmerz irgendwie in Worte zu fassen. Yabo hatte den KSC in der 78. Minute in Führung geschossen.

Zittern wollen die Hamburger künftig nicht mehr. Ein weiteres Jahr am Abgrund kann sich beim HSV niemand mehr leisten. Sie haben ihr Glück ohnehin zu lange herausgefordert. "Ich denke auch, dass es jetzt reicht, die Nerven so zu strapazieren", formulierte es Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer vorsichtig. "Ich kann nur sagen: Abstiegskampf ist scheiße, es gibt für mich nichts Schlimmeres. Die Intensität, die du als Trainer erlebst, gibt es sehr, sehr selten sonst im Leben", so Coach Bruno Labbadia, der in den Katakomben ergriffen wirkte. Für den lange heftig wankenden HSV müssen seine Sätze als Warnung gelten.

Veränderungen beim HSV

Längst haben die Hamburger, deren Ansprüche schon lange nicht mehr mit der Realität im Einklang sind, die Bedeutung des Wortes Genügsamkeit kennengelernt. "Es gibt nix Geileres als Bundesliga", bilanzierte Nicolai Müller, der in der 116. Minute den entscheidenden Treffer erzielt hatte. In der nächsten Saison soll das Team anders aussehen. Rafael van der Vaart und Marcell Jansen gehen ablösefrei. Das sollen Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic, Ivo Ilicevic und Heiko Westermann auch. Zuvor wird zwar nochmals geredet, an der Trennung wird dies aber wohl nichts ändern.

Die Karlsruher ärgerten sich derweil mächtig über Referee Manuel Gräfe, der in der Nachspielzeit einen Freistoß gab, als Rajkovic aus kurzer Entfernung Jonas Meffert an den angelegten Oberarm schoss. So kam der HSV durch Marcelo Diaz zum Ausgleich. "Man kann gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte, wenn man das sieht", schimpfte Sportdirektor Jens Todt nach dem Abpfiff und spottete in Richtung des Berliner Unparteiischen: "Augen auf bei der Berufswahl!"
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