"Intensivpatient" SSV Jahn

Den Weg aus der Jahn-Misere suchen (von links) OB Joachim Wolbergs, Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer, Martin Koch, zuständig für Medien und Kommunikation, und Sportchef Christian Keller. Bild: Gibbs

An den Schalthebeln geht es weiter wie bisher. Die Aufsichtsratsitzung des SSV Jahn Regensburg am Dienstagabend lebte vor allem von Durchhalteparolen. Zumindest sollen schnell neue Spieler geholt werden.

Regensburg. Die Lage des SSV Jahn Regensburg könnte kaum dramatischer sein: In 13 Spielen hat die junge Mannschaft von Alexander Schmidt nur 8 Punkte geholt und steht damit auf dem letzte Tabellenplatz. Für zusätzlichen Druck sorgt, dass die Stadt Regensburg für knapp 53 Millionen Euro ein neues Fußballstadion baut, in dem der Jahn in der nächsten Saison auflaufen soll - möglichst nicht in der Regionalliga.

Intensiv geforscht

Entsprechend viel Klärungsbedarf gab es am Dienstagabend bei der Aufsichtsratssitzung, die bis nach Mitternacht dauerte. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch informierte die Jahn-Spitze über die Ergebnisse. "Der Jahn liegt auf der Intensivstation", redete Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer nicht um den heißen Brei herum. Um ihn wieder gesund zu machen, habe man in den vergangenen zwei Wochen intensiv an einer Diagnose gearbeitet.

Als zentrales Heilmittel sollen neue Spieler engagiert werden, darunter zwei Innenverteidiger. Der Personaletat der Profi-Mannschaft sei mit 1,6 Millionen Euro ohnehin deutlich unter dem Budget sportlicher Mitbewerber gelegen, heißt es beim Jahn. Zentrale Spieler könnten ihre Führungsfunktion derzeit verletzungs- oder formbedingt nicht ausfüllen. Wie sich der notorisch klamme Jahn die Verstärkung des Kaders leisten kann, erklärte Rothammer so: Hierfür könnten "aufgrund seriösen Wirtschaftens und durch kurzfristig bereitgestellte Sponsorengelder vorhandene Mittel verwendet werden". Eine genaue Summe wollte Rothammer nicht nennen, es soll aber um mehrere 100 000 Euro gehen. Ihm täten die Spieler teilweise leid, weil der Druck auf sie so hoch ist, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Hauptkritik der Fans zielte in den vergangenen Wochen allerdings nicht auf die Spieler, sondern auf die Führungsspitze ab. Hier soll es jedoch kein Stühlerücken geben: Der Aufsichtsrat sprach sowohl Trainer Alexander Schmidt als auch Sportchef Christian Keller das volle Vertrauen aus. Auch wenn es nicht der geschickteste Schachzug von Keller gewesen sei, einen einstelligen Tabellenplatz auszurufen, wie Rothammer einräumte.

"Mir ist bewusst, wer hier im Zentrum der Kritik steht. Das bin ich", sagte Keller selbst. Seine Zukunft beim Jahn sei intern durchaus ergebnisoffen diskutiert worden, deutete er an. Uneingeschränkt stellte sich Keller vor Trainer Schmidt. Dass es fußballerisch "grottig" beim Jahn laufe, stritt Keller nicht ab. Er bat die Fans aber inständig, dem Trainer und der Mannschaft "noch eine Chance zu geben".

Deutlich bemüht um einen Stimmungsumschwung zeigte sich Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Er bekomme jeden Tag 50 Briefe, Mails und Anrufe von Menschen, die sich um den Profifußball in Regensburg sorgen. Klar stellte der OB, dass die Stadt den Bau des Stadions "natürlich nicht einstellt". Es handle sich dabei um eine Infrastrukturmaßnahme für die nächsten 40 Jahre, die man nicht vom momentanen Tabellenplatz des Jahn abhängig machen könne. Wenngleich auch Wolbergs einräumte, keine große Lust zu haben, die Continental-Arena in der Regionalliga zu eröffnen.

Keine Rundumschläge

Er sei aber ohnehin der Überzeugung, dass der Jahn den Verbleib in der dritten Liga schaffen werde - "wenn wir an den Stellschrauben drehen, wo die eigentlichen Probleme sitzen". Und die sieht Wolbergs weder beim Trainer noch beim Sportchef ("Beide machen einen richtig guten Job"), sondern beim aktuellen Mannschaftskader. Wolbergs appellierte an die Fans, in dieser schwierigen Zeit dem Vereinsvorstand Vertrauen zu schenken. "Reflexhafte Rundumschläge" seien nicht das Rezept. Das Thema Profifußball in Regensburg dürfe nicht gegen die Wand gefahren werden. Denn: "Der Jahn gehört zu den größten Markenträgern der Stadt."
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