Interview mit Sara Däbritz aus Ebermannsdorf: Fußballerin in der deutschen Nationalmannschaft
"Überglücklich, dass ich dabei bin"

Sara Däbritz aus Ebermannsdorf spielt bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Kanada für Deutschland. Bild: hfz

Sie ist erst 20 Jahre alt, aber bei ihrer Titelsammlung könnte so mancher Profifußballer neidisch werden: Sara Däbritz aus Ebermannsdorf im Landkreis Amberg-Sulzbach, ist U20-Weltmeisterin und Europameister der Frauen. Ende Mai ist sie mit der deutschen Nationalmannschaft nach Kanada geflogen.

Zur Weltmeisterschaft, die vom 6. Juni bis 5. Juli in sechs Stadien in Moncton, Montreal, Ottawa, Winnipeg, Edmonton und Vancouver ausgetragen wird. Die Vorrundespiele der deutschen Elf sind am Sonntag, 7. Juni (22 Uhr MEZ) gegen die Elfenbeinküste, am Donnerstag, 11. Juni (22 Uhr), gegen Norwegen und am Montag, 15. Juni (22 Uhr), gegen Thailand. Ein Interview mit der zweitjüngsten Spielerin im Team von Bundestrainerin Silvia Neid.

Das Interview

Bei der Europameisterschaft 2013 in Schweden war es die große Überraschung, dass Bundestrainerin Silvia Neid Sie in den Kader berufen hat. Haben Sie jetzt nach Ihren bisherigen Leistungen erwartet, in Kanada dabei zu sein?

Sara Däbritz: Ich habe das nicht erwartet. Es gibt so viele gute Spielerinnen, und ich bin die zweitjüngste. Ich habe zuletzt viel Einsatzzeiten bekommen, und ich bin überglücklich, dass ich dabei bin.

2014 sind Sie mit der U 20 Weltmeisterin geworden - in Kanada. Sie haben in sechs Spielen fünf Tore geschossen. Hilft da jetzt die Erfahrung ein bisschen, das Land, die Mentalität der Zuschauer zu kennen?

Sara Däbritz: Es war gut, dass wir schon einmal ein Turnier auf Kunstrasen gespielt haben. Es war ein Turnier auf richtig hohem Niveau und eine wichtige Erfahrung. Da lernt man die Abläufe bei so einem langen Turnier kennen. Wir waren damals auch vier Wochen unterwegs.

Stichwort Kunstrasen: Erstmals wird eine WM auf Kunstrasen gespielt. Nadine Angerer und 50 Nationalspielerinnen etlicher Länder haben dagegen geklagt, das sei "diskriminierend und illegal". Angerer sagte, der Platz in Vancouver sei "eine Frechheit. Das ist Beton. Die Verletzungsgefahr ist riesig." Am Mittwoch bestritten Sie ein Testspiel gegen die Schweiz auf Kunstrasen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Sara Däbritz: Wir haben damals schon auf zwei Kunstrasenplätzen gespielt, in Edmonton und Montreal. Da gibt es schon Unterschiede. Für einen Fußballer ist es immer am schönsten, auf richtigem Rasen zu spielen. Aber wir müssen uns damit abfinden und haben uns darauf vorbereitet.

Programm zwischen den Spielen

Deutschland hat drei Gruppenspiele vom 7. Juni bis zum 15. Juni. Wie ist das Programm zwischen den Spielen?

Sara Däbritz: Das weiß ich noch nicht so genau. Ein bisschen Ablenkung, zwischendurch einen Ausflug mit der Mannschaft, Analysen und vor allem sich zwischen den Spielen gut regenerieren. Das ist eine enorme Belastung, gerade auf Kunstrasen. Der Fokus liegt natürlich auf der WM.

Bei der EM 2013 hat Deutschland im Finale 1:0 gegen Norwegen gewonnen. Das ist in Kanada der zweite Gruppengegner. Eine der schwersten Mannschaften gleich zu Beginn, ist das ein Handicap?

Sara Däbritz: Das ist kein Handicap. Ich finde es gut, wenn wir schon in der Gruppenphase gegen solche Gegner spielen. Dann gibt es keine Überraschung, wenn wir womöglich im Achtelfinale auf einen Knaller treffen. Aber bei so einem Turnier ist das erste Spiel das wichtigste.

Wie schätzen Sie die anderen beiden Gegner, die Elfenbeinküste und Thailand, ein?

Sara Däbritz: Thailand kenne ich nicht, aber da werden wir sicher gut darauf vorbereitet. Die Elfenbeinküste schätze ich wie Nigeria ein, ein afrikanische Mannschaft, die körperlich sehr robust und stark spielt.

Geschlechtertest vor der WM

Vor der WM mussten sich alle Spielerinnen einem Geschlechtertest unterziehen. Wie finden sie das?

Sara Däbritz (lacht): Das Ergebnis: Wir wurden alle als Frauen bezeichnet. Wir fanden das nicht so schlimm, sondern eher lustig.

Bei der WM 2011 in Deutschland gab's einen richtigen Boom während der Spiele. Bis zu 13 Millionen Zuschauer haben eingeschaltet. In der Bundesliga herrscht eher Tristesse. Der Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15 liegt bei den Frauen bei 1185, bei den Männern bei 43500. In Freiburg, Ihrem bisherigen Verein, kamen 680 Zuschauer. Ist das nicht frustrierend?

Sara Däbritz: Nein. Denn in der letzten Zeit sind es immer mehr geworden, gerade bei den Spitzenmannschaften wie Wolfsburg, Potsdam oder München. Es ist schön, wenn man vor vielen Zuschauern spielt. Da sind die Spiele in der Nationalmannschaft natürlich immer herausragend. Aber mir macht es auch Spaß, Fußball zu spielen, wenn weniger zuschauen.

Frauenfußball beim Computerspiel "Fifa"

Das Computerspiel "Fifa", das meistverkaufte Spiel in Deutschland, bringt nach 20 Jahren mit nur Männerfußball erstmals eine Version mit Frauenfußball. Kann so etwas die Popularität steigern?

Sara Däbritz: Ich denke schon. Das ist schon cool, wenn man jetzt mit Frauen spielen kann. Das ist eine Anerkennung.

Spielen Sie selbst "Fifa"?

Sara Däbritz: Ich hab's nicht. Wenn, dann spiele ich bei einem Kumpel. Bei der EM in Schweden hatten wir eine Players Lounge, da haben wir "Fifa" gespielt.

Es sind zwölf Nationalmannschaften der Frauen in diesem Spiel, darunter auch die deutsche ...

Sara Däbritz (lacht): Da muss ich mal schauen, ob ich dabei bin. Dann könnte ich mit mir selbst spielen.

Ihr neuer Verein ist gerade deutscher Meister geworden. Was ist Ihr Ziel beim FC Bayern München?

Sara Däbritz: Das ist eine riesengroße Herausforderung für mich. Da sind viele Spielerinnen mit großer Qualität. Ich will mich weiter entwickeln.

Und Stammspielerin werden?

Sara Däbritz: Bayern München spielt in drei Wettbewerben, in der Bundesliga, im Pokal und in der Champions-League. Da ist es schwer, in so einer Mannschaft einen Stammplatz zu erkämpfen. Aber ich will meine Leistung verbessern, und natürlich mit dabei sein.

Neben dem Fußball

Was macht Ihre Schulausbildung?

Sara Däbritz: Ich habe kurz vor dem Lehrgang im Mai mit der Nationalmannschaft mein Abitur gemacht.

Und gibt's schon Pläne für die Zeit während und nach Ihrer Spielerkarriere?

Sara Däbritz: Nach der WM muss ich mich erst in München einfinden, eine Wohnung einrichten. Ich will nächstes Jahr zum Sommersemester ein Studium beginnen. Ich finde es wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Und außerdem ist es eine gute Ablenkung.

Haben Sie schon ein Studienfach ausgesucht?

Sara Däbritz: Nö. Aber irgendetwas mit Sportmanagement oder BWL.

Die letzte Frage: Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft in Kanada?

Sara Däbritz: Wir haben eine richtig gute Mannschaft mit viel Potenzial. Aber das wird sehr schwer, weil es noch nie so eng war wie in diesem Jahr.
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