IOC feiert Reformen

IOC-Präsident Thomas Bach: ein zufriedener "Herr der Ringe". Bild: dpa

Olympia soll billiger und attraktiver werden. Mit breiter Zustimmung verabschiedet das IOC in Monte Carlo Vorschläge zur eigenen Neuausrichtung. Gelingt damit der erste Schritt aus der Glaubwürdigkeitskrise?

Nach der historischen Reform-Session lächelte IOC-Präsident Thomas Bach zufrieden und scherzte mit der Weltpresse. Ohne Gegenstimme verabschiedeten die 96 Olympier alle 40 Vorschläge zur Neuausrichtung der Ringe-Organisation. Ein Olympia-Kanal wird kommen, länderübergreifende Spiele sind möglich, das Programm wird modernisiert und die Kosten sollen deutlich gesenkt werden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hofft, damit den ersten Schritt aus seiner Glaubwürdigkeitskrise gemacht zu haben.

"Ich bin sehr zufrieden und glücklich. Selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich das nicht erwartet. Das war eine positive Überraschung und ein wichtiger Tag für das IOC", sagte Bach zu den einschneidendsten Veränderungen seit dem Reformkongress 1999 nach dem Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele an Salt Lake City.

Eigener Olympia-Kanal

Nur 15 Monate nach seiner Amtsübernahme legte er im Grimaldi Forum das Fundament für eine Generalüberholung des IOC. Die Umsetzung der Agenda 2020 soll sofort beginnen, um das in der Öffentlichkeit verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Vor allem die Kreation eines eigenen TV-Senders, der 490 Millionen Euro kosten und zunächst als digitale Plattform den olympischen Sportarten zwischen den Spielen zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhelfen soll, sorgte für Aufsehen. "Dies ist ein historischer Schritt für das IOC und die olympische Bewegung", kommentierte Bach.

Das IOC beschloss zudem, aus Gründen der Nachhaltigkeit "die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes zu erlauben". Künftig soll verstärkt auf temporäre Bauten gesetzt werden, es sei denn, der Gastgeber kann ein schlüssiges Nachhaltigkeitskonzept für die Sportstätten vorlegen. Der Schweizer Denis Oswald befürchtet allerdings dadurch eine "Verwässerung der Einzigartigkeit der Spiele".

Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erhöhen sich damit die Variationsmöglichkeiten. Hamburg könnte sich zum Beispiel die Konstruktion einer teuren Kanu-Slalom-Strecke sparen und die Wettbewerbe ins sächsische Markkleeberg auslagern. Vorrundenspiele im Handball, Volleyball und Basketball wären in Kiel, Bremen, Flensburg oder Schwerin denkbar. Berlin hätte die Möglichkeit, auf Arenen in Potsdam, Magdeburg und Leipzig zurückzugreifen.

Eine Doppel-Bewerbung von Berlin und Hamburg für die Spiele 2024 schloss DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erneut aus. Die IOC-Entscheidungen, den oft kritisierten Ausrichtervertrag zu veröffentlichen und die Bewerbungskosten zu senken, wurden von Vesper begrüßt. Eine deutsche Kandidatur bekomme dadurch "deutlichen Rückenwind".

Neben einer Reduzierung der Ausgaben für die Olympia-Städte war auch die überfällige Modernisierung des olympischen Programms einer der zentralen Punkte in Bachs Plänen. In Zukunft dürfen die jeweiligen Ausrichter neue Disziplinen oder sogar neue Sportarten vorschlagen, die sie bei ihren Heimspielen gern präsentieren würden - die Wünsche müssen vom IOC allerdings abgesegnet werden. Das bisherige Limit von 28 Sportarten bei Sommerspielen und sieben bei Winterspielen wurde aufgehoben, die Obergrenze von 10 500 Athleten im Sommer und 2900 bei den Winterspielen aber beibehalten.
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