IOC und Fifa spielen auf Zeit - In Moskau Rede von "westlicher Schmutzkampagne"
Empörung in Russland

Von einer Krise wollten das IOC und die Fifa nichts wissen. Nach dem ersten Schock über den russischen Doping-Skandal demonstrierten die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees und des Fußball-Weltverbands am Freitag zumindest nach außen Gelassenheit und verwiesen auf die Zuständigkeit von Spezialgremien und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). In Moskau vermuteten Kommentatoren, die Enthüllungen über eine "Doping-Mafia" seien angesichts der politisch gespannten Lage Teil einer westlichen Schmutzkampagne gegen Russland.

IOC-Präsident Thomas Bach sprach von "ernsthaften Anschuldigungen" und kündigte ein konsequentes Durchgreifen an - einen Rückschlag für das Image des Weltsports befürchtet er nicht. "Dafür ist es zu früh. Es sind ernsthafte Anschuldigungen, aber natürlich hat jeder Beteiligte das Recht auf einen vollständigen Prozess. Deshalb warten wir auf die Ergebnisse", sagte der 60-Jährige, der hofft, dass am Dienstag in Monte Carlo die Reformpläne seiner olympischen Agenda 2020 zur Neuausrichtung der Ringe-Organisation abgesegnet werden.

Die IOC-Granden diskutierten im Grimaldi-Forum hinter verschlossenen Türen angeregt über die neuen Vorwürfe zu systematischem Doping in Russland - in der Öffentlichkeit aber präsentierten sie sich entspannt und gut gelaunt. Auch die Fifa versuchte, die neuen Anschuldigungen im Land des nächsten WM-Gastgebers Russland herunterzuspielen und nahm stattdessen die WADA in die Pflicht. "Die Fifa prüft die Berichte betreffend Doping in Russland gewissenhaft und steht in engem Kontakt zur WADA. Bis jetzt gibt es keine Hinweise, dass der Fußball betroffen sein könnte", sagte ein Sprecher.

Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) steht seit der Ausstrahlung der ARD-Doku "Geheimsache Doping" besonders im Fokus. Ein TV-Ausstieg ist für ARD und ZDF derzeit aber kein Thema. Der russische Leichtathletik-Verband kritisierte die ARD-Doku als "eine Provokation, die den russischen Sport beschädigen soll". Den Aussagen der im Film gezeigten Zeugen sei kaum zu vertrauen, weil jeder der Athleten des Dopings überführt wurde.
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