IOC
Welle der Empörung

"Das hast du gut gemacht Thomas", scheint Russlands Präsident Vladimir Putin dem IOC-Präsidenten Thomas Bach ins Ohr zu flüstern. Das Internationale Olympische Komitee hat nämlich die russischen Athleten vor dem Komplettausschluss von den Olympischen Spielen in Rio wegen Staatsdopings verschont. Bild: dpa

IOC-Präsident Thomas Bach hat es geahnt: Die Entscheidung zu Russland wird so oder so provozieren. Dass das russische Team nun trotz aller Doping-Skandale bei den Spielen in Rio antreten kann, löst tatsächlich eine gewaltige Welle der Empörung aus.

Berlin. Das Internationale Olympische Komitee steht wegen der Starterlaubnis für Russlands Mannschaft bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro am Pranger. Mit Unverständnis reagierten Funktionäre, Sportler und Doping-Fahnder auf die Entscheidung der IOC-Spitze um Präsident Thomas Bach, der Sportgroßmacht trotz nachgewiesenen Staatsdopings den Weg zu den ersten Olympischen Spielen in Südamerika zu ebnen.

Beifall kam aus Moskau von höchster Stelle. Kremlchef Wladimir Putin begrüßte die Starterlaubnis. Nun müsse Russland noch enger mit dem IOC und weiteren Organisationen zusammenarbeiten, "um die Folgen des Dopingskandals zu beseitigen", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag. Der russische Präsident plane keinen Besuch der Eröffnungsfeier am 5. August.

Die Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) reagierte enttäuscht auf die IOC-Entscheidung. "Wir bewerten es als vertane Chance", dass das (...) bewiesene, staatlich initiierte, gelenkte und geschützte Dopingsystem in Russland nicht zu einem Ausschluss des russischen NOKs von den Spielen in Rio geführt hat", hieß es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung.

Als Entgegenkommen gab das Nationale Olympische Komitee Russlands bekannt, dass die Doping-Sünderin Julija Jefimowa, Olympia-Dritte von 2012, sowie sechs weitere Schwimmer nicht nach Rio fahren. Bei der viermaligen Schwimm-Weltmeisterin Jefimowa sei der Grund die Doping-Sperre von 2013 bis 2015, sagte NOK-Chef Alexander Schukow. Insgesamt erwarte das NOK, dass "mehr als acht" russische Sportler nicht nach Rio fahren dürfen.

Der Schwimm-Weltverband FINA verwehrte weiteren sechs Russen die Teilnahme. Zu den vier von Russland bereits zurückgezogenen Schwimmern kommen drei Athleten, die im McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur genannt werden. Unter ihnen ist Nikita Lobinzew, einer von Paul Biedermanns Konkurrenten über 200 Meter Freistil.

Das IOC hatte am Sonntag keinen kompletten Ausschluss Russlands von den Spielen beschlossen, sondern strikte Auflagen für einen Start russischer Sportler in Rio. Der Beschluss überging eine Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die in dem McLaren-Report staatlich angeordnetes Doping dokumentiert hatte.

Enttäuschung bei WADA


Entsprechend mit Unverständnis kommentierte die WADA den IOC-Beschluss. "Die WADA ist enttäuscht, dass das IOC nicht dem Rat des WADA-Exekutiv-Komitees gefolgt ist (...)", hieß es in einer Erklärung des Präsidenten Craig Reedie.

Auch Matthias Kamber, der oberste Schweizer Doping-Fahnder, verhehlte seine Enttäuschung nicht. "Der Entscheid des IOC ist ein großer Rückschritt für saubere Athletinnen und Athleten wie auch für Whistleblower", sagte er Nachrichtenagentur sda. Diese müssten sich nun betrogen vorkommen.

Basketball-Superstar Dirk Nowitzki begrüßte die Start-Möglichkeit für saubere Athleten dagegen. "Du kannst einem russischen Athleten, der immer alles sauber gemacht hat, der seit vier Jahren oder sein ganzes Leben auf diesen Moment hinarbeitet, nicht einfach seinen Traum zerstören", sagte Nowitzki am Rande eines Auftritts in Zeulenroda.
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