Jahn muss am Mauerfall-Wochenende die Sachsen überwinden
Kein Sonderzug nach Chemnitz

Sportchef Christian Keller, Trainer Alex Schmidt und die eingewechselte 4 Gino Windmüller beim Abklatschen nach dem Halle-Spiel. Bilder: Herda
 
Sportchef Christian Keller, Trainer Alex Schmidt und die eingewechselte 4 Gino Windmüller beim Abklatschen nach dem Halle-Spiel. Bilder: Herda

„Regensburg hat einen ähnlich großen Kaderumbruch wie der CFC vollzogen und befindet sich im Zuge des Stadionneubaus auch in einer Art Aufbruchsstimmung“, macht Ex-Jahnjugendtalent Markus Ziereis dem Jahn Mut vor dem Gastspiel am Samstag, 14 Uhr, beim Chemnitzer FC. Das hat der Tabellenletzte auch dringend nötig, zumal Tabellennachbar Borussia Dortmund am Freitagabend gegen Cottbus mit 3:0 vorlegte.

Es könnte bald einsam werden im Tabellenkeller, wenn das Team von Alex Schmidt nicht bald die Kurve bekommt. Und so sehr der 22-jährige Rodinger an gemeinsame Zeiten mit Andreas Geipl und Trainer Schmidt bei den kleinen Löwen zurückdenkt, möchte der Stürmer, der nach langer Verletzungspause auf ein Comeback hofft, seinem Heimatverein nichts schenken – „die können noch woanders genug punkten“.

Mit allzu viel Unterstützung aus Regensburg dürfen die Gäste angesichts des Lokomotivführerstreiks auch nicht rechnen – der Sonderzug nach Chemnitz fällt leider aus.

Alex Schmidt kennt seinen Anton Fink

Auf der anderen Seite sieht der Jahn-Coach durchaus Vorteile darin, auf die jungen Bekannten vergangener Tage zu stoßen: „Es bringt mir schon was, dass ich weiß, wie der Anton Fink spielt“, nennt er einen weiteren Trumpf des Gegner, der beim desaströsen 3:5-Heimniederlage des SSV zweimal getroffen hat. „Er ist einfach sehr schussstark“, warnt Schmidt.

Trotz 0:2-Niederlage beim Tabellenführer aus Wehen-Wiesbaden haben die Sachsen (9./25 Punkte) mehr als doppelt so viele Punkte auf dem Konto. Mit einem Sieg können die „Himmelblauen“ zum Tabellenzweiten Preußen Münster aufschließen. Kleiner Hoffnungsschimmer für die Regensburger: Von den letzten acht Pflichtspielen konnten die stark gestarteten Gastgeber nur eines gewinnen. Die Bilanz der Gäste auf fremdem Platz allerdings ist ernüchternd: Fünf Auswärtsspiele in Folge hat der Jahn verloren.

Wer kann Romas Dressler ersetzen?

Wie also soll Trainer Alex Schmidt seine gebeutelten Mannen vor der schweren Partie im Stadion an der Gellertstraße aufbauen. Sportchef Christian Keller hatte zuletzt beim Remis gegen Halle wieder Mut geschöpft, die Jungs aufmunternd abgeklatscht – ein Aufwärtstrend gegenüber der Tristesse in Mainz war erkennbar, vor allem in der zweiten Halbzeit, als sogar die neue Schwachstelle des SSV, der Sturm, wieder für etwas Furore sorgte. Dennoch reichte es nach dem späten Ausgleich durch Mittelfeld-Ass Aias Aosman nur zu einem Punkt und wieder nicht zu einem Stürmertor.

Die Abwehr um die drei neuen Riesen Lukas Sinkiewicz, Markus Palionis und Gregory Lorenzi steht wieder deutlich stabiler, aber vorne kann keiner den Langzeitverletzten Romas Dressler ersetzen – jeder die jungen Hoffnungsträger wie Daniel Franziskus, noch die älteren Recken wie Bene Schmidt, der immerhin in der zweiten Mannschaft munter trifft.

Uwe Hesse sucht den Rhythmus

Bis Chefeinkäufer Keller auch noch diese Lücke schließt, wird der experimentierfreudige Schwabe am Spielfeldrand vielleicht wieder einen neuen Textballon starten – zumal Fabian Trettenbach als Impulsgeber Gelb-gesperrt ausfällt und auch Franziskus derzeit noch fraglich ist. Schmidt zählt gleich mal alle Alternativen auf: „Steininger, Bene Schmid und zur Not auch Gino Windmüller“, kämen je nach den letzten Trainingseindrücken in Frage.

Schwächen sieht Schmidt beim spielstarken Gegner derzeit allenfalls „im letzten Drittel vom Feld, dass sie zum Torabschluss kommen – die schießen in letzter Zeit wenig Tore und das soll gegen uns jetzt ned kippen“, grinst Schmidt zuversichtlich. „Wir fahren nach Chemnitz und wollen dort anfangen, wo wir gegen Halle aufgehört haben, was das Kämpferisch, was das Läuferische betrifft.“

Verbesserungswürdig sei die Kreativität im Spiel nach vorne: „Wir müssen 1:1-Situationen suchen, um zum Torabschluss zu kommen“, schlägt der Coach vor. Uwe Hesse wäre hier gefragt, „der noch seinen Rhythmus finden muss“, habe aber mit seiner Erfahrung momentan die Nase vor Jonas Erwig-Drüppel.