Jahn Regensburgs Kampf gegen hochmotivierte Amateure
Bratwurstduft in Schalding-Heinings Luft

   
Beim ersten Aufeinandertreffen gewnnt Markus Weinzierls Truppe in Schalding-Heining im Totopokal 2011 mit 4:1. Hier spielt Jürgen Schmid Robby Williams schwidnelig.

Jetzt also der SV Schalding-Heining (15./13 Punkte): Am Samstag, 14 Uhr, versucht Jahn Regensburg im Stadion am Reuthinger Weg alles anders zu machen als beim 1:2-Rain-Fall vor 14 Tagen. Immerhin: In der goldenen Saison 2011/12 gelang den Regensburgern im einzigen Aufeinandertreffen in Niederbayern bereits ein 4:1-Sieg im Toto-Pokal.

„Wir haben nun mal das Los, mehr als 100 Kilometer vom nächsten professionell strukturierten Verein entfernt zu liegen“, erklärt Schalding-Heinings Fußballmanager Markus Clemens dem Onlinemagazin „da Hog’n“ die Sonderstellung des Dorfvereins am Rande der Dreiflüssestadt Passau. „Mit wilden, willigen Fußballern versuchen wir, das auszugleichen.“

Da ist der Wurm drin

Seit drei Jahren gelingt es der „reinen Amateur-Mannschaft“ mit der Strategie „Ehrgeiz, Fleiß und Kontinuität“ – eine Anleihe bei Jahn-Professor Christian Keller? – die höchste bayerische Fußball-Spielklasse zu halten. In dieser Saison ist bisher allerdings der Wurm drin. Aus den letzten acht Begegnungen verbuchten die Niederbayern nur vier Zähler und sind so in die Relegationszone abgerutscht.

Für den SVS ist das Match gegen den Drittliga-Absteiger natürlich ein Highlight des Jahres. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der SVS so einen namhaften Gegner zu einem Punktespiel empfängt“, sagt Clemens. „Die Rollen sind klar verteilt, der Tabellenführer ist klarer Favorit und wird den Erwartungen bislang vollauf gerecht.“ Regensburg habe einen „tollen Kader – „vielleicht sogar einen Tick stärker als in der Abstiegssaison.“

In der Höhle des Löwen

Nach den Pleiten der vergangenen Wochen sei der Teamgeist vor eigenem Publikum umso stärker gefordert. „Wichtig ist für uns, dass wir einen guten Zugang zum Spiel finden“, prophezeit SVS-Trainer Maio Tanzer, „dass wir so lange wie möglich hinten die Null halten – und dafür brauchen wir auf allen Positionen eine überdurchschnittliche Leistung.“ Selbstredend, dass Jahn-Coach Christian Brand gerade nach Rain alle rhetorischen Kniffe auspackt, um den Gegner groß zu reden.

Hallo wach, Jahn, damit es keine zweite böse Auswärtsüberraschung in Folge gibt. „Man kommt da in die Höhle des Löwen“, malt Brand die Arena vor den Toren der Kabaretthochburg Passau in düstersten Farben, „da werden sicher zweieinhalb-, dreitausend, vielleicht auch ein paar mehr Zuschauer sein – die machen da Stimmung, die werden ihre Jungs nach vorne peitschen.“ Ob der Jahn vor so einer Kulisse bestehen kann?

Pusch zurück, Palionis gesperrt

Sicher, mit Markus Palionis nach seiner fünften Gelben fällt die Defensivsäule aus – auch George, Raithel und Jünger sehen noch kein Land. Dafür haben Thomas Paulus und Marc Lais trotz Trainingsausfall gute Karten, im SVS-Hexenkessel aufzulaufen. „Kolya Pusch wird wieder zurückkehren in die Mannschaft“, freut sich Brand. Und: „Im Mittelfeld haben wir natürlich mehrere Optionen mit dem Marc Lais, mit dem Marvin Knoll, der auf die 6 zurückkehren kann – es kommt immer so ein bisschen darauf an, wie unsere taktische Grundordnung sein wird.“ Richtig, die muss zu den Spielern passen und umgekehrt.

Um die richtigen Lösungen, die in Rain partout nicht passen wollten, parat zu haben, hat der Fußballlehrer einen Wochenschwerpunkt gesetzt: „Wir haben versucht mehr Tempo in unsere Passfolgen zu bekommen, um mehr Druck auf den Gegner ausüben zu können.“ Daran hat’s bei den Schwaben gehapert. „Und ja, wir schießen natürlich immer aufs Tor, damit wir da weiter auch ein paar Treffer erzielen können.“ Denn darum geht’s ja bei diesem Spiel, erkennt Pressesprecher Till Müller, der nicht zuletzt ob solch scharfsinniger Einsichten ein Angebot des HSV als stellvertretender Pressesprecher leider nicht ausschlagen konnte. „So ist es“, bestätigt“, Christian Brand Tills steile These. Die Sache mit den Toren.

Nach Rain: „Ja, hu“ – nicht Yahoo

Die Stimmung unter der Woche sei sehr gut gewesen, misst Brand die atmosphärische Temperatur. „Weil auch das Spiel gegen Burghausen sehr gut war.“ Burghausen habe aus dem Spiel heraus keine einzige richtige Torchance gehabt. Und auf die beiden Standardgegentore habe sein Team sehr gut reagiert. „Die Jungs haben natürlich auch Selbstvertrauen getankt, weil sie wissen, dass sie jederzeit auch einen Gang höherschalten können.“

Sicher, nach dem Spiel gegen Rain habe sich der eine oder andere auch Gedanken gemacht haben, so nach dem Motto: „Ja hu, es ist ja jetzt doch alles nicht so einfach.“ Burghausen sei da zur richtigen Zeit gekommen. „Es ist natürlich so, dass solche Niederlagen schon die Sinne schärfen.“

„Ja, die spielen so“ – oder?

Und wie gut kennt der Brand nun seine Schalding-Heininger? „Wir haben sie natürlich ein paar Mal beobachten lassen“, stellt er erst eine Ferndiagnose. „Ich hab‘ sie auch selber gesehen“, macht er deutlich, dass ihm nichts entgeht. „Es ist auch wieder eine Mannschaft, die extrem über den Teamgeist kommt – gerade da auf ihrem Sportplatz, wo wir dann zu Gast sein werden.“

Eben dieser dantesken Vorhölle, wie wir oben erfuhren. Jetzt fragt man sich, wie studiert man so einen Gegner? Und erfährt: „Alle Spiele, die die spielen, kann man sich auf Video anschauen – und kann dann sagen, ja, die spielen so.“ Richtig.

Oder doch nicht? „Dann spielen die halt gegen Jahn Regensburg und alles ist wieder komplett anders, weil das ist auch für Schalding-Heining wieder das Spiel des Jahres.“ Der SVS sei eine Mannschaft, „die verliert zu Hause gegen Viktoria Aschaffenburg mit 4:1 und liefert Bayern München drei Wochen vorher einen riesen Fight und verliert nur ganz ganz unglücklich in der 90. Minute mit 2:1.“ Von daher sei alles Makulatur, was man da erzähle.

Schalding-Heining selber erleben

Genau, denn auch der TVS Rain lieferte dem FC Bayern einen Riesen Fight und verlor mit 2:7 – und schlug dann Jahn Regensburg durchaus verdient mit 2:1. „Schalding-Heining muss man selber erlebt haben und am besten auch besiegt haben, und dann kann ich wieder ruhiger einschlafen“, gibt der Jahn-Trainer überraschende Einblicke. „Es ist auch wieder ein Spiel, vor dem ich einen riesen Respekt habe, weil der Gegner Respekt verdient, weil er auch schwierig zu bespielen ist.“

Als dann die Experten der Pressekonferenz ihre Tipps beisteuern, ist Christian Brand beeindruckt: „Es ist toll nach einer Minute das 1:0, nach 4 Minuten 20 das 2:0 und nach 15 Minuten steht’s 4:0 für uns.“ So ließe sich das strategisch angehen, einfach schnell ein paar Dinger rein und basta. Oder? „Das wär‘ wirklich fantastisch.“ Nur: „Ich behaupte mal, ich kenn‘ mich jetzt auch nicht so richtig aus mit dem Sport, dass das am Samstag eher nicht der Fall sein wird.“ Denn dieser verwegene Gegner werde sich mit Händen und Füßen wehren: „Es wird wieder eine ganz enge Kiste.“

Hartnäcktig wie Wotruba

Da kämen wieder elf Jungs aufs Feld, die interessierten die letzten beiden Niederlagen gar nicht, denen seien alle Spiele vorher egal, die spielten gegen Jahn Regensburg: „Da ist wahrscheinlich noch etwas Bratwurstduft in der Luft, und die werden alles rausholen, was geht.“

Eine sehr sehr schwierige Herausforderung sei das. „Ich glaube, Schalding-Heining ist so hartnäckig wie der Wotruba, oder?“, versucht der Trainer Parallelen zum mit Haken und Ösen insistierenden MZ-Sportredakteur zu ziehen. „Vielleicht kommt der ja auch aus Schalding-Heining.“ – „Ich komme nicht aus Niederbayern“, wehrt sich der exzellente Eishockey- und Badminton-Kenner. „Ich lege Wert darauf, ich komme aus der Oberpfalz.“

Das Fernduell

Und dann ist sie doch wieder da – die Frage aller Fragen, die Katze aus dem Sack – wie halten Sie es mit dem FC Bayern? „Es ist ja klar, dass man sich gegen Bayern München oder Wacker Burghausen oder jetzt auch Nürnberg, gegen diese Mannschaften muss man jetzt ja niemanden motivieren“, sieht Brand dem nächsten Heimspiel verhältnismäßig gelassen entgegen. „Ich mein‘, ich muss jetzt auch gegen Schalding-Heining niemanden motivieren“, konterkariert er seinen ersten Lehrsatz nur scheinbar. „Aber es ist tatsächlich so, dass diese Spiele (Anm. der Red. gegen die vermeintlichen Underdogs) viel viel schwieriger zu spielen sind.“

Also läuft alles auf die besseren Nerven im Fernduell hinaus? „Es ist so, Bayern München ist da mittlerweile einmal ausgerutscht und wir sind in Rain ausgerutscht – man muss auch diese Spiele gewinnen, damit man überhaupt erst eine Ausgangslage hat gegen Bayern München.“ Das sei in der laufenden Meisterschaft ein bisschen skurril. „Da konzentriert man sich auf einen Gegner wie Bayern München, dann rutschen die einmal aus, und dann plötzlich ist der 1. FC Nürnberg wieder Zweiter.“

Aber aufgepasst: „Und eine Woche später denkt man, Nürnberg, Achtung Nürnberg, und dann geben die wieder einen Punkt ab zuhause gegen Memmingen.“ Das sei schon alles sehr schwer zu berechnen, wirklich eine interessante Liga. „Deswegen sind wir wirklich sehr gut beraten, unsere Spiele zu gewinnen und alles, was sich uns in den Weg stellt, das müssen wir wirklich wegräumen.“