Jahn-Reise geht weiter: Der Prophet setzt auf Bene Schmid
Nächster kleiner Schritt in Köln

Neues Spiel, neues Glück: Zweite Chance für Trainer Christian Brand mit seinen neuen Methoden Punkte einzufahren. Bilder: Herda/dpa
 
Neues Spiel, neues Glück: Zweite Chance für Trainer Christian Brand mit seinen neuen Methoden Punkte einzufahren. Bilder: Herda/dpa

Der 24-jährige Volkswirtschaftsstudent könnte John Maynard Keynes posthum auf dem Fußballplatz bestätigen – Keynes forderte die Ankurbelung des Konsums für den Erfolg der Volkswirtschaft. Aus Sicht von Benedikt Schmid kurbelt man den Torkonsum und damit den Erfolg der Mannschaft am besten dadurch an, dass man dem Stürmer aus Waldthurn mehr Spielpraxis gibt – etwa am Samstag, 14 Uhr bei Fortuna Köln, beim Duell der zwei schlechtesten Sturmreihen.

„Das ist eine lange Reise mit vielen kleinen Schritten“, bittet Jahn-Trainer Christian Brand um Geduld. Hätte, wäre, wenn nur Bene Schmid seine Mamutchance verwertet hätte – es sähe, nicht nur wegen des einen Punktes, aber wegen dessen psychologischer Wirkung nicht ganz so düster aus. Doch diese Szene des Jokers, der allein auf das Tor zulief, hat einfach das Zeug zum Sinnbild: die Angst des strauchelnden SSV-Sturms vorm leeren Tor.

„Viele kleine Schritte gehen bereits in die richtige Richtung“, möchte Brand am Spiel gegen Bielefeld abgelesen haben. Und in der tat, der Tabellenletzte war an diesem Samstag in vielen Belangen dem aktuell Tabellenzweiten ebenbürtig. Allerdings trat Bielefeld auch nur mit einer besseren B-Mannschaft an – wie aussagekräftig war das Spiel dann wirklich? Dennoch, appelliert der neue Mann am Spielfeldrand: „Wir müssen die Dinge fortsetzen, die wir in der Woche erarbeitet haben.“

Neue Lust am Fußaball?

Mit neuer Lust am Fußball, kreativen Spielformen und runderneuertem Selbstvertrauen der Norddeutsche beim Jahn neue Kräfte freisetzen – allerdings keineswegs nur mit Jugendstil: Gegen Bielefeld durfte Routinier Stephan Loboué zurück in den Kasten und das jüngst verpflichtete, erfahrene Quartett ist ohnehin gesetzt.

Indirekt proportional verläuft die Formkurve der Rivalen am Samstag: Während sich die Fortuna zu Beginn der Saison schwer tat, sich an die raue Drittligaluft zu gewöhnen, befinden sich die Kölner inzwischen im sachten Höhenflug – und wollen ihre Serie im Südstadion weiter ausbauen: Seit fünf Spielen ist die Elf von Trainer Uwe Koschinat zu Hause ungeschlagen. Und drei alte Bekannten im Kölner Dress freuen sich besonders auf die mögliche Genugtuung gegen den Ex-Verein: Tobias Fink, Florian Hörnig und Thiemo-Jérôme Kialka haben nicht nur gute Erinnerungen an die alte Heimat.

Fortunas kaltschnäuzige Effektivität

Wozu der Aufsteiger inzwischen in der Lage ist, demonstrierte er am vergangenen Wochenende: Bei Wehen-Wiesbaden, Tabellenführer der 3. Liga, verteidigten die Kölner mit solider Defensivarbeit und einem überragenden Andre Poggenborg im Tor gegen den zweitbesten Sturm der Liga die Null – und zeigte kurz vor Schluss, das, was dem Jahn am meisten fehlt: kaltschnäuzige Effektivität. Ein Angriff über rechts und Kapitän Thomas Kraus überwindet Wehens Schlussmann Kolke mit dem Vollspann (83.).

Das Spiel in Wehen zeigte aber auch: Angst muss der Jahn vor den defensiv agierenden Kölner Frohnaturen nicht mit ins Rheinland bringen. Zum einen sollte die stabilisierte Defensive um Leuchtturm Lukas Sinkiewicz in der Lage sein, dem Karnevalssturm, der‘s gerade mal auf ein Tor mehr brachte (18:18) Paroli zu bieten. Zum anderen fehlen den Gastgebern mit dem belgisch-dänischen Mittelfeldmotor Kristoffer Andersen, dem 1,93 Meter großen Innenverteidiger Daniel Flottmann und dem türkischen Offensivmann Ozan Yilmaz keine unwesentlichen Akteure.

Wunderglaube

Und da wäre dann die große Chance für Bene Schmid, den verletzungsgebeutelten Pechvogel: „Beim nächsten Mal machst zwei“, hat ihm ein Fan zum Trost nach dem Faux-pas gegen Bielefeld prophezeit. Und wer nicht an Wunder glaubt, der sollte besser keine Jahn-Spiele mehr anschauen.