Jahn-Trainer Christian Brand findet: „Wir sind jetzt mal dran“
Dritter Schritt in Duisburg

Christian Brand, Cheftröster der Regensburger Fußballseelen. Bilder: Herda
 
Christian Brand, Cheftröster der Regensburger Fußballseelen. Bilder: Herda

Es gibt ja nicht gerade viele positive Vorzeichen, an denen sich der SSV Jahn vor dem Gastspiel am Samstag, 14 Uhr, beim MSV Duisburg aufrichten könnte. Eines davon: Der 3:1-Hinspielsieg gegen den aktuellen Tabellenvierten – im August. Ein zweites, die Einschätzung von Zebra-Cheftrainer Gino Lettieri: „In dieser Liga spielt die Tabellensituation keine Rolle. Ob erster oder letzter, es gibt keine einfachen Spiele.“ Dann wollen wir mal hoffen, dass der SSV nicht wieder punkt- oder torlos heim von der Schauinsland-Arena kommt.

Solche kleinen Zeichen passen zu Christian Brands Politik der kleinen Schritte, die sich der immer noch recht neue Trainer denn auch nicht nehmen lassen möchte: „Ich glaube einfach, dass wir jetzt mal dran sind“, versucht‘s der Niedersachse mit statistischer Wahrscheinlichkeit, „auch mal für eine Überraschung zu sorgen“. Für die Öffentlichkeit seien die kleinen Fortschritte, die er wahrnehme, vielleicht nicht so greifbar. „Für mich als Trainer aber schon. Der erste Schritt war Bielefeld, der zweite Köln, wo wir viel liegenließen, und der dritte ist jetzt Duisburg.“

Mit guter Laune gegen das Desaster

Der bestens gelaunte Regensburger Cheftrainer will sich von der Miesepeterei im Umfeld nicht anstecken lassen. Die Fakten und Zahlen seien desaströs. Wenn er aber nicht mehr an eine mögliche Wende glauben würde, wäre er nicht da. „Ich möchte einen mutigen Auftritt, ich meine hallo, wir stehen mit dem Rücken an der Wand, niemand will uns mehr überholen, wir müssen angreifen.“

So viel zum positiven Blickwinkel. Dann zu den bad news: „Sinkiewicz‘ Einsatz ist höchst fraglich, er hat eine leichte Zerrung. 99:1, dass er nicht spielt.“ Das sei bitter für Lukas und die Mannschaft, da er im Mittelfeld für sehr viel Stabilität gesorgt habe. „In unserer Situation hilft kein aber kein Jammern mehr. Es gibt eine ganze Reihe von Spielern wie Lienhard, Franziskus, Nachreiner, Velagic oder Dressler, die sind in meinen Planungen vor Januar nicht vorhanden.“

Brand fordert Mut

Dass der MSV seit der Auftakt-Niederlage in Regensburg mächtig Boden gut gemacht hat, ist Brand bewusst. „Duisburg hat sich seit dem Hinspiel gefangen und ist berechtigterweise oben dabei.“ Die Zebras hätten viele gute Einzelspieler, machten viel Tempo und mithin vieles richtig. Dennoch erwartet Brand von seinem Team vor allem eines: Mut.

Denn schon die Fortuna sei keine Übermannschaft gewesen, auch Bielefeld nicht: „Es gibt wahrscheinlich keine Super-Übermannschaft in dieser Liga.“ Deshalb sei nur noch entscheidend, mit welcher mentalen Verfassung die Jungs ins Spiel gingen. „Die Chancen sind da.“

Lob für die Psyche

Der reduzierte Kader lässt Rückschlüsse auf die Aufstellung zu. Einige Fleißbilder verteilt der Trainer bereits im Vorfeld: „Gino Windmüller spielt in der Verteidigung“, auch wenn er in Köln fast das Tor des Jahres gemacht hätte. Gregory Lorenzi oder Fabian Trettenbach sind die Alternativen links hinten. Thomas Kurz habe in dieser Woche ganz ordentlich trainiert und deshalb kleine Chancen auf eine Nominierung.

Und auch Benedikt Schmid hat sich mit seinen vergebenen Chancen noch nicht aus der Mannschaft gekickt: „Der Bene hatte relativ wenig Praxis, den will ich nicht aburteilen, der weiß natürlich auch selbst, dass man die beiden auch mal machen kann.“ Schmid habe gut trainiert, und entscheidend sei, dass er sich die Chancen erarbeitet habe. „Allerdings konnte er zwei Tage wegen einer Zahn-OP nicht trainieren, das ist mehr zu berücksichtigen.“

Stahlbad durchschwommen

Auch für Daniel Steininger findet Brand lobende Worte: „Er war in den 30 Minuten in Köln richtig gut.“ Der junge Fürther sei ein Spieler im Entwicklungsprozess. „Wenn er sich da freischwimmen kann, hat er schon ein bisschen was an Stahlbad durchschwommen.“

Und auch bei Jonas Erwig-Drüppel sei keineswegs Hopfen und Malz verloren: „Der Junge hat sieben, acht Spiele zuvor gar nicht gespielt und gegen Köln gute Ansätze gezeigt.“ Er müsse viel mehr Mut zeigen. „Wäre ich so schnell wie er gewesen, hätte ich wahrscheinlich 100 Länderspiele gehabt.“ Seine Entwicklung stimme Brand positiv.