Jahn übt Demut in Regionalliga

Es war ein Seuchenjahr für Jahn Regensburg: der zweite Absturz in drei Jahren. Einziger Lichtblick für Präsident Hans Rothammer: "Vielleicht bekommen wir im neuen Stadion ein Derby gegen den FC Amberg."

Es sollte das Gesellenstück des neuen Sportchefs werden. Zum ersten Mal stellte der Fußball-Professor aus Heidelberg alleine eine Mannschaft zusammen. Christian Keller verlängerte nicht mit Trainer Thomas Stratos, ersetzte ihn durch den Ex-Löwen Alex Schmidt. Und er konnte einige Leistungsträger wie Abdenour Amachaibou, Jonathan Kotzke und Jimmy Müller nicht halten. Junge Talente sollten's richten.

Das Resultat ist verheerend. Nach dem Mittelfeldplatz in der ersten Saison nach dem Zweitligaabstieg klebte Regensburg bis zum Schluss am Tabellenende. Forderte die Unerfahrenheit des Akademikers ihren Tribut? "Ich würde es nicht darauf schieben", widerspricht Keller, "einmal lag ich auf der Torwartposition daneben, einmal hatte ich einem Spieler im Sturm mehr zugetraut."

Fans noch nicht überzeugt

Aber das allein erkläre nicht den Absturz. "Wir hatten bis zu zwölf verletzte Spieler, die Dritte Liga war so gut wie noch nie und einige, waren nicht mehr in der Lage, auf diesem Niveau mitzuspielen." Dass sich Hans Rothammer und der Aufsichtsrat unter diesen Vorzeichen dennoch für ein "Weiter so" mit Keller und Trainer Christian Brand entschieden, schmeckte nicht allen Fans.

Beim Saisonabschluss versammelte sich trotz eines versöhnlichen 4:0 gegen Fortuna Köln eine Hundertschaft auf dem Rasen und skandierte: "Keller raus!" "Man spürt bei Gesprächen, dass die Ruhe und Kontinuität im Verein positiv ausgelegt werden", sagt Rothammer als Argumente für eine Vertragsverlängerung.

Keller selbst betont, er werde von außen nur als Sportchef wahrgenommen, sei aber als Geschäftsführer für die Sanierung des Vereins verantwortlich. "Man bemüht sich, ein gesundes Fundament zu schaffen - das gelingt, wenn auch noch auf Sparflamme." Etwas konkreter: "Der Jahn hatte in der 2. Liga ein Sponsoringvolumen von 1,5 Millionen Euro, im vergangenen Jahr immerhin schon von 2 Millionen."

Was macht den Sport-Geschäftsführer optimistisch, Fehler bei den Spielerverpflichtungen für die Regionalliga zu vermeiden? "Ziel war, ein Dutzend Bestandsspieler zu halten. Das ist bis auf zwei gelungen." Marco Königs entschied sich für Fortuna Köln und Matthias Dürmeyer für den elterlichen Betrieb. Mit Oli Hein, Sebastian Nachreiner, Fabian Trettenbach bleiben die Urgesteine - und mit Markus Palionis, Uwe Hesse, Kolja Pusch und Marcel Hofrath wichtige Winterzugänge. Neu im Tor ist Philipp Pentke (30) vom Chemnitzer FC. Mit anderen laufen Verhandlungen, besonders im Sturm muss nachgelegt werden: "Die Regionalliga fängt vor der Dritten Liga an, und drittligataugliche Spieler warten so lange wie möglich, ob sie ein Profi-Angebot bekommen", erklärt Keller.

Gänsehaut-Atmosphäre

Die Regionalliga möchte der SSV Jahn "mit Demut, aber nicht ohne Ehrgeiz" (Rothammer) angehen: "Es wäre ein Kardinalfehler zu sagen, wir wollen aufsteigen", ergänzt Keller. Eine Meisterschaft sei nicht planbar. Immerhin, kein Desaster ohne Lichtblick: "Ein Derby gegen den FC Amberg ist doch eine tolle Sache", findet Rothammer. Und noch ein Vorteil: "Wir haben in der Regionalliga häufiger Feitagabendspiele - im neuen Stadion sicher mit Gänsehaut-Atmosphäre." Jetzt muss nur noch der FCA am Samstag seinen Beitrag leisten.

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Das ganze Interview im Wortlaut auf

http://www.oberpfalznetz.de/jahn
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