Jahns 5:0 gegen Schweinfurt netto zwei Nummern zu hoch
Ein wenig Schwein war auch dabei

5:0 hin oder her: Christian Brand war nicht mit allem einverstanden, was er am Freitagabend zu sehen bekam. Bilder: Herda/Göpel
 
5:0 hin oder her: Christian Brand war nicht mit allem einverstanden, was er am Freitagabend zu sehen bekam. Bilder: Herda/Göpel
 
Markus Palionis verwirrt den Schiedsrichter.

Christian Brand hat schon wieder Recht: In der Pressekonferenz nach dem 5:0-Sieg gegen den FC Schweinfurt widerspricht er dem zerknirschten FCS-Trainer Gerd Klaus. Während der Gast-Coach prognostizierte: „Der Jahn wird mit dem, was er heute gezeigt hat, ganz sicher auch Meister.“ Der SSV-Übungsleiter sieht „das teilweise etwas anders“: „Ich fand auch heute wieder, dass es zu viele Phasen gab, in denen wir passiv waren.“

Das ist inzwischen Tradition in der Arena, durch die vor dem Anpfiff ein Mini-Zeppelin mit dem Namen des neuen Hauptsponsors „Netto“ schwebt: Die ersten Minuten will der Jahn dem neuen Brand-Motto gemäß, Gas geben, „bevor der Gegner merkt, was los ist“ – 6900 Zuschauer fühlen sich bestens unterhalten. Markus Ziereis serviert einen Freistoß auf Jann George, der knapp verfehlt (3.). Kolya Pusch zirkelt die Ecke passgenau auf Markus Palionis, der mutterseelenalleine einnicken kann – 1:0 (7.).

Hektische Suche nach der Lücke

So viel zur-Jahn-Offensive. Hinten sieht’s weniger souverän aus. Pusch will sich am eigenen 16er gegen zwei Grüne freispielen, verliert den Ball – Tom Jäckel schlenzt knapp vorbei (11.). Man soll bekanntlich die Schwächen meiden und die Stärken ausbauen – die liegen beim Jahn derzeit vor dem gegnerischen Tor: George mit starkem Solo über links, legt quer für Markus Ziereis, der Uwe Hesse in den vollen Lauf spielt. Der Vollspannschuss zischt in den Abendhimmel (12.).

Wenn sich die Jahn-Phalanx um die Mittellinie formiert, fällt den Unterfranken partout nichts ein, um die eigene Hälfte zu verlassen. Nach gefühlten fünf Minuten querpassen folgt die hektische Suche nach der Lücke – der Ball in die Spitze ist kurios, da sich offensichtlich kein Schweinfurter über den Kreis bewegt hat (16.).

Palionis mit Showeinlage

Das alte Lied: Palionis begleitet höflich Philipp Kleinhenz, der aus 20 Metern abzieht – der Schuss ist harmlos, aber das weiß man ja vorher nicht (19.). Etwas mehr Tuchfühlung darf’s schon sein. Auf seiner linken Seite wurstelt sich George durch und wird gefoult – der Freistoß geht knapp vorbei (23.). Noch besser kommt Marvin Knolls Freistoß aus 30 Metern: Das Ding senkt sich ins Dreieck, FCS-Keeper Christopher Pfeiffer hebt es so eben noch mir drei Fingern aus dem Winkel (27.).

Anstatt einer Trinkpause – die Temperaturen erreichen heute keine Spitzenwerte wie gegen Aschaffenburg – liefert Palionis eine Showeinlage: Nachdem er umgerissen wurde, revanchiert er sich halbwegs unauffällig und debattiert anschließend wild gestikulierend mit Schiedsrichter Thomas Färber – bis der so abgelenkt ist, dass er weiterspielen lässt (31). Klasse Vorlage auf Odabas, der allein vorm Keeper den Ball nicht mehr unter Kontrolle bekommt (32.).

Vorspiel zur Vorentscheidung

Marcel Hofrath marschiert über links und wird hart an der Strafraumgrenze attackiert: Puschs Freistoß von der Kante ist der verfehlte Versuch einer Quervorlage – Knoll mit dem zweiten Ball bleibt ohne große Gefahr (33.). Wenn Schweinfurt in dieser Phase überhaupt ins gegnerische Feld kommt, dann deswegen, weil das Regensburger Mittelfeld meist einen Schritt zu spät kommt.

Hofrath zirkelt den nächsten Freistoß aus 25 Metern knapp vorbei (36.). Thomas Kurz versucht’s aus 20 Metern, ein Raunen geht durch die Arena, als der Ball vorbeistreicht (38.). Odabas mit guter Offensivaktion auf Knoll, ganz schnell weiter auf Hesse, der Pusch auflegt – Pfostenkracher! Hesse nimmt den zweiten Ball aus acht Metern direkt und knallt das Leder ins Nirwana (40).

Noch eine schöne Kombination an der Außenlinie, Volley-Hereingabe, Direktabnahme – nur einen halben Meter vorbei. (41.). Harsches Foul an George, Schiri Färber lässt zunächst überraschend weiterlaufen, Hofrath ist nicht mehr zu stoppen, läuft links in den 16er und versenkt das Leder rechts unten zum 2:0 (44.).

Aufgepasst nach dem Seitenwechsel

Was hat der Jahn aus den letzten Spielen gelernt? Aufgepasst nach dem Seitenwechsel! Symptomatisch: Thomas Kurz ist einen Schritt zu langsam, sein Kollege muss den Gegner mit einem taktischen Foul stoppen. Klar, Regensburg führt 2:0, dominiert das Spiel weitgehend, dennoch: Vieles wirkt wie mit angezogener Handbremse – Ballverlust, Schweinfurt turnt sich im Schlafwagenmodus in den 16er, Palionis steht da wie bestellt und nicht abgeholt und nimmt den Ball drei Meter vorm Tor entgegen – nur gut, dass sich der Gast nicht mehr traut (49.).

Uwe Hesse wuselt sich in den Strafraum, macht zuerst alles richtig und spielt dann Keeper Pfeiffer in die Hände (52.). Da können sich zwei Sportfreunde die Hände reichen: George zunächst mit starker Balleroberung und dann einem Schuss ins Nirgendwo (55.) – wie sagte Brand vorm Spiel so schön? Er glaube, „dass noch nicht die ganze Qualität abgerufen wurde“. Beide haben noch viel Luft nach oben. Kaum auszuhalten, wenn sie ihren Zenit erreichen!

Kleinhenzens Verzweiflungsschuss

Wenn auf fränkischer Seite spielerisch gar nichts mehr geht, schießt eben Philipp Kleinhenz mal drauf – Philipp Pentke hebt den Ball über die Latte. Die anschließende Ecke verwandelt Hesse in ein Gefahrengut – seine Ablage im eigenen Strafraum kommt zum Glück nicht beim Gegner an (57.). Und dann gucken Marvin Knoll und Uwe Hesse zu und sich gegenseitig böse an, als sich Schweinfurt tatsächlich mal vorhersehbar in den 16er kombiniert – den letzten Ball nimmt Kleinhenz volley aus 11 Metern, knapp drüber (60.).

Kurze Unterbrechung der traditionell schwachen Jahn-Phase nach der Pause: Ein simpler Pass auf Hesse links reicht, um die grüne Abwehr in Schockstarre zu versetzen: Hesse marschiert, zieht im Strafraum aus spitzem Winkel ab, Torwart Pfeiffer rettet mit einer Faust (63.). Doch die meditative Regensburger Viertelstunde ist noch nicht vorbei: Pentke dreht einen Flachschuss um den Pfosten (65.).

Bis zum Abschluss top

Zeit für einen Impuls: Der chronisch Kopf schüttelnde elegante Herr in Schwarz schickt Martin Tiefenbrunner für Pusch aufs Feld (69.). Zumindest das Signal kommt an: schöner Seitenwechsel nach rechts auf Hofrath, Lauf an der Linie, Ziereis bringt die Hereingabe nicht unter (70.). Nächster Konter über George, der vom 16er-Eck aber schon dermaßen versemmelt – der Junge ist bis zum Abschluss wirklich top, dann kommt der nächste Flopp. Angst vor der eigenen Courage?

Und schon ist der Deutsch-Amerikaner wieder beim ersten Teil: einwandfreie Aktion rechts, und diesmal kein übereilter Abschluss sondern präziser Pass in die Gasse auf Hein, der den Torwart umkurvt und von letzterem – Achtung: letzter Mann – von den Beinen geholt wird. Bitter für die armen Schweinfurter: Höchststrafe, Elfer und Rot für Pfeiffer. Tja, und weil der neue Elferterminator Pusch bereits zuschaut, darf Knoll gegen U19-Ersatzkeeper Julian Glos den Ball oben ins leere Tor bumsen – 3:0 (78.).

Palionis merzt Elfer-Schmach aus

Und wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Dummheit dazu: Ein Grüner rutscht erneut Hein von hinten in die Beine – allzu viel hätte Oli ohnehin nicht anstellen können, er stand mit dem Rücken zum Tor. Mit dem nächsten Elfer möchte Markus Palionis die Schmach von Augsburg vergessen machen, als er den Ball übers leere Tor lupfte. Zuerst überzeugt er Knoll von seinem Elfer-Comeback, dann verwandelt er kompromisslos zum 4:0 und bedankt sich schließlich beim verständnisvollen Kollegen Knoll (84.).

Junior-Torwart Glos kann einem leidtun – da bekommt er pitsch-patsch zwei Elfer um die Ohren geschossen. Dann schafft nach einem Missverständnis in der inzwischen aufgelösten unterfränkischen Defensive Tiefenbrunner aus 25 Metern mit einem Heber fast den Knock-out. Und schließlich verpasst Hofrath dem armen 19-Jährigen die 5:0-Watsche aus 25 Metern mit einem Flatterball (90.).

Schalding-Heining als Jahn-Verfolger

Das war’s, die elf neuen Helden plus Entourage machen sich auf zur Ehrenrunde – und besonders tapfer: Auch die Herren in Grünen marschieren geschlossen ins Nordkurven-Eck, wo ein Häufchen Schweinfurter unverdrossen Fahnen schwenkt. Respekt, meine Herren, das nennt man Haltung, während an der Leinwand die zwei übrigen Tagesergebnisse prangen: Haching geht’s nach dem 0:1 in Burghausen noch nässer rein.

Und da war doch mal was mit Schalding-Heining. Die Passauer Vorstädter mussten vor dem 3.-Liga-Abstieg als Schreckgespenst herhalten, nach dem Motto: Stell dir vor, es ist neue Arena und Schalding-Heining kommt. Nun, nach dem 5:3 gegen Aufsteiger Rain am Lech sind die Niederbayern schärfster Jahn-Verfolger (2./9 Punkte).