Jetzt ermittelt das FBI gegen den Schweizer - Bestechung von Funktionären
Schon wieder Joseph Blatter

Fifa-Präsident Joseph Blatter (rechts) unterhält sich am 31. Mai 2009 mit dem ehemaligen FifaPräsidenten Joao Havelange bei einer Pressekonferenz in Nassau, Bahamas. Jetzt sind neue Vorfälle von damals ans Tageslicht gekommen. Bild: dpa
Der suspendierte Fifa-Präsident Joseph Blatter steht laut BBC erneut im Zentrum von Ermittlungen. Die US-Bundespolizei FBI untersuche die Rolle des 79 Jahre alten Schweizers in dem früheren gigantischen Bestechungsskandal um die inzwischen bankrotte Sportmarketing-Firma ISL. Rund 100 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) wurden in den 90er Jahren von der ISL an hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes gezahlt. Unter ihnen waren auch zwei Brasilianer: der langjährige Fifa-Präsident Joao Havelange und das ehemalige Exekutivmitglied Ricardo Teixeira. Als Gegenleistung wurden ISL lukrative TV- und Vermarktungsrechte zugeschanzt. Blatter war viele Jahre Fifa-Generalsekretär unter Havelange.

Blatter bestritt jede Kenntnis über die Bestechungen. "Das stimmt nicht", sagte der Schweizer in einem Interview des Südwestrundfunks (SWR) über den BBC-Bericht. Laut der Nachrichtenagentur AP haben die Schweizer Behörden bestätigt, dass sie aus den USA um die Aushändigung von Unterlagen aus dem ISL-Fall gebeten wurden.

Auch in dem laufenden Verfahren der US-Justiz gegen mehrere Dutzend Fußball-Funktionäre und führende Fifa-Offizielle aus Süd- und Mittelamerika will Blatter keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt haben. "Sicher hab' ich das nicht gewusst. Wenn ich gewusst hätte, was die machen, hätte ich ein Fragezeichen gemacht, hätte gesagt, hört mit dem auf. Ich bin sauer. Ich bin aber auch sauer, dass ich für alles verantwortlich sein soll. Das kann ich ja nicht", sagte er.

Neu beleuchtet wird nun die Rolle Blatters im ISL-Skandal. Der umstrittene Schweizer soll laut BBC von der Bestechung gewusst haben. Das gehe aus einem Brief hervor, der offenbar von Havelange stamme. Darin habe der Brasilianer von den erhaltenen ISL-Zahlungen berichtet. Blatter habe "vollständige Kenntnis von allen Aktivitäten" gehabt und sei "jederzeit" informiert gewesen, berichtete die BBC.

Das Schreiben sei Bestandteil von Ermittlungsakten, die das FBI von den Schweizer Behörden im Zuge seiner Untersuchungen erhalten habe. Bereits früher sei man dort Bestechungsvorwürfen in Bezug auf ISL nachgegangen. Damals habe der Bundesanwalt unter anderem "Havelanges Erklärungen im Zusammenhang mit Blatter" untersucht.

Bereits Ende April 2013 hatte die Fifa-Ethikkommission unter Richter Hans-Joachim Eckert einen Schlussstrich unter die ISL- Bestechungsaffäre gezogen - und Blatter entlastet. Der Fifa-Boss sah sich reingewaschen, Havelange hatte seinen Titel als Fifa-Ehrenpräsident zuvor abgegeben. Eckert hatte in seinem Abschlussbericht festgestellt, es gebe keine Hinweise dafür, "dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat". Auch gebe es "keinerlei Anhaltspunkte" dafür, dass der Fifa-Präsident für Schmiergeldzahlungen an Havelange und Teixeira verantwortlich gewesen sei. Allerdings sei Blatters Verhalten ungeschickt gewesen, hieß es.

Der Fifa-Boss ist derzeit - ebenso wie Uefa-Präsident Michel Platini - von der Fifa-Ethikkommission für 90 Tage gesperrt. Hintergrund ist eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken aus dem Jahr 2011.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.