Jetzt wartet der heiße Herbst

Deutscher Jubel nach einem der sieben Tore: Die Jungs von Bundestrainer Joachim Löw kamen erst in der zweiten Hälfte richtig auf Touren. Bild: dpa

Nach dem zweithöchsten Sieg der Ära Löw ist endlich Sommerpause für Schweinsteiger und Co. Auch der Bundestrainer macht Pause, muss aber schon einige Entscheidungen für den "heißen Herbst" vorbereiten. Die Generation 30 plus biegt auf die Zielgerade der DFB-Karriere ein.

Sieben Tore, drei Punkte, Gruppenplatz zwei - und endlich Urlaub. Als Joachim Löw am Sonntag im sommerlichen Stuttgart aus dem DFB-Sonderflieger LH 0343 stieg, war die Fußball-Welt für sein Weltmeisterteam nach einer Saison mit vielen Widrigkeiten wieder ein Stück sonniger. "Wir kennen unsere Probleme und werden sie nach der Pause angehen. Die Mannschaft wird in die Spur kommen, weil sie ein großes Potenzial hat. Das werden wir wieder abrufen", versprach Joachim Löw vor den ersehnten Entspannungstagen, die mit einem Spaßkick für die Stiftung von Sami Khedira mit viel Lust begannen.

"Ich bin froh, dass ein langes Jahr jetzt zu Ende ist. Es war kein einfaches Jahr", sagte Mario Götze. Der Münchner Dauerbrenner - als einziger von 32 eingesetzten Spielern der Nationalelf stand der Final-Torschütze von Rio bei allen zehn Saisonspielen auf dem Platz - kehrte mit einer Oberschenkelprellung von der letzten Dienstreise der Nach-WM-Spielzeit zurück. Zum Glück ist nichts kaputt, gab Götze selbst Entwarnung. Es hätte zu den Monaten der Leiden, Verletzungen und Formschwankungen gepasst, von denen vor allem die Helden von Brasilien gebeutelt wurden. "Es war schwierig. Wir hatten nicht die Souveränität wie in den Jahren zuvor", betonte Löw.

Die Fans zweifeln trotz der durchwachsenen Saison nicht am Ticket für Frankreich, wie ein Nebenthema beweist. In den sozialen Netzwerken beschäftigten sich die Anhänger mehr mit der Beauty-Einlage auf der Trainerbank als mit dem sportlichen Wert des Saisonabschlusses. Löw hatte mitten im Spiel einen gebrochenen Nagel per Feile repariert. "Das sollte nicht despektierlich sein. Aber der Nagel war eingerissen", sagte Löw.

Fünf Siegen standen 2014/15 zwei Remis gegenüber und drei Niederlagen, so viele wie nie zuvor in einer Saison ohne Turnier mit Löw. Auch beim 7:0 gegen die Amateure von Gibraltar schwankten die Spieler nochmals zwischen fehlender Entschlossenheit sowie fast peinlichem Torabschluss auf der einen Seite und Überlegenheit auf der anderen. "Was wir an Chancen ausgelassen haben, war schon ein bisschen an der Grenze zur Arroganz. Wir haben vier, fünf, sechs Chancen einfach vertändelt und den Torwart angeschossen. Ich habe gesagt: Ich will auf jeden Fall noch einige Tore sehen", berichtete der DFB-Chefcoach von seiner emotionalen Kabinenansprache in Faro. Der finale Saisonwunsch wurde dem Weltmeister-Coach vor 7467 Zuschauern im Estádio do Algarve noch erfüllt. Nach den Treffern von André Schürrle (28./65./71.), Max Kruse (47./80.), Ilkay Gündogan (51.) und Karim Bellarabi (57.) stand am Ende eines merkwürdig gestarteten Fußball-Abends gegen den krassen Außenseiter Gibraltar der zweithöchste Sieg der Löw-Ära.
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