Jonathan Tah ersetzt verletzten Antonio Rüdiger
Tah ist da

Hoffentlich kein schlechtes Omen: Bisher absolvierte Jonathan Tah ein Länderspiel für die A-Mannschaft. Bei der 2:3-Niederlage gegen England kam er zur Pause rein und musste mittendrin erleben, wie eine zerbröselnde deutsche Abwehr in den letzten 30 Minuten drei Treffer kassierte und einen 2:0-Vorsprung verspielte. (Foto: dpa)

Die Kaderlücke nach dem bitteren EM-Ausfall von Abwehrhüne Antonio Rüdiger schließt Joachim Löw rasch mit dem jungen Leverkusener Jonathan Tah. Für den Auftakt gegen die Ukraine plant der Bundestrainer dennoch mit Shkodran Mustafi oder Benedikt Höwedes.

Évian-les Bains. Kein Jammern, kein Wehklagen - Joachim Löw richtet nach dem nächsten Ausfall einer wichtigen EM-Kraft den Blick entschlossen nach vorne. Auch nach der schweren Knieverletzung von Abwehrspieler Antonio Rüdiger geht Fußball-Weltmeister Deutschland mit den höchsten Ambitionen in die Europameisterschaft und das erste Spiel gegen die Ukraine. "Wir werden jetzt nicht jammern, sondern das Beste aus unseren Möglichkeiten machen", verkündete der Bundestrainer am Mittwoch in Évian. Kämpferisch fügte der Weltmeistercoach hinzu: "Deswegen schrauben wir unsere Zielsetzung nicht nach unten."

Nach dem folgenschweren Trainingsunfall von Rüdiger, der sich in der ersten Übungseinheit auf französischem Boden einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen hatte, konnte Löw die entstandene Lücke im nun jüngsten 23-Mann-Kader bei dieser EM rasch stopfen. Er nominierte den 20 Jahre alte Leverkusener Jonathan Tah nach. "Ich wollte ganz bewusst eine Situation Eins zu Eins schaffen", begründete Löw den Personalaustausch Innenverteidiger für Innenverteidiger.

Basis bei Tah stimmt


"Es war uns ganz wichtig, dass Tah seit drei Wochen im individuellen Training war", berichtete Löw über den kurzen Entscheidungsprozess zugunsten des einmaligen Nationalspielers: "Insofern stimmt die Basis." Tah soll möglichst schnell ans Team herangeführt werden.

Nicht so einfach schließen lässt sich die Lücke, die Rüdiger in der geplanten EM-Startelf hinterlässt. Löw hatte das Abwehrtalent des AS Rom in der Vorbereitung konsequent für die zu Turnierbeginn vakante Position im Abwehrzentrum neben Jérôme Boateng aufgebaut. Rüdiger spielte jeweils 90 Minuten durch in den Tests gegen die Slowakei (1:3) und Ungarn (2:0). Er sollte Mats Hummels ersetzen, der nach einem Muskelfaserriss in der Wade erst im Turnierverlauf spielfit werden kann. "Toni war in einem sehr guten Formzustand", bedauerte Löw.

Abwehrumbau "light"


Nun muss Löw die Abwehr umbauen. Für den Platz an der Seite von Boateng nannte er zwei Möglichkeiten: Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes. "Ich habe Vertrauen in beide Spieler", versicherte Löw. "Es gilt, im Training die eine oder andere Variante zu testen", kündigte der Bundestrainer an.

"Musti ist zweikampfstark, gut am Mann. Er kann gut das Spiel eröffnen. Benni ist ebenfalls zweikampfstark und kopfballstark", urteilte Boateng, der keine Präferenz bei der Partnerwahl hat. "Für mich persönlich ist das kein Problem, egal, wer neben mir spielt." Höwedes, der bei der WM 2014 als linker Verteidiger aushalf, hatte sich schon im Trainingslager offen für alles geäußert. "Ich bin ein Typ, der Sachen annimmt, der sagt: Das mach' ich, ich häng' mich rein für die Mannschaft."

Die Tendenz geht zu einem Abwehrumbau "light". Höwedes soll rechts bleiben, Mustafi die neue Vakanz in der Mitte ausfüllen. Zumal Löw am Mittwoch explizit die Fortschritte von Hummels im Aufbautraining hervorhob: "Bei Mats sehe ich eine sehr gute Entwicklung." DFB-intern wächst die Hoffnung, dass der Weltmeister doch schon in der Gruppenphase eingreifen kann.
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