Kampfansage an Ferrari

Grund zum Feiern hatten Sebastian Vettel und Ferrari allemal. Spontan entschied der Sepang-Sieger, seinen Heimflug zu verschieben. Verlierer Mercedes will in China zurückschlagen und denkt über eine neue Strategie nach.

Sebastian Vettel ließ es nach seinem hochemotionalen ersten Sieg mit Ferrari noch einmal richtig krachen. Mit der gesamten Mannschaft feierte Ferrari-Neuling Vettel diesen Triumph bis in die Puppen mit reichlich Alkohol. Aber auch im rund 10 000 Kilometer entfernten Italien ging es turbulent zu. Im Auditorium "Enzo Ferrari" am Firmensitz Maranello rasteten die Tifosi regelrecht aus. Und nicht nur dort, sondern in vielen Landesteilen feierten Formel-1-Fans diesen grandiosen Auftritt beim Großen Preis von Malaysia ausgelassen mit Hupkonzerten und Autokorsi. Bei den gereizten Silberpfeilen denkt man dagegen über einen Strategiewechsel nach.

"In Shanghai wird es anders", kündigte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schon mal an. Und Nico Rosberg schickte "eine Kampfansage" an die erstarkte Konkurrenz: "In China werden wir zurückschlagen." Im Notfall auch mit einem Strategiewechsel. Wolff sagte, dass bei Mercedes "vielleicht zu sehr der Fairplay-Gedanke" gelte. Beide Fahrer werden gleich behandelt. "Vielleicht müssen wir umdenken", sinnierte er, "und eventuell unpopuläre Entscheidungen treffen". Lewis Hamilton versicherte tags darauf, dass er "volles Vertrauen in die getätigten Entscheidungen" habe.

Für den vierfachen Weltmeister Vettel war es nicht nur der erste Sieg mit der Scuderia, es war auch sein erster seit dem Saisonfinale im November 2013, damals noch mit Red Bull. Mit nunmehr 40 Erfolgen fehlt dem Heppenheimer nur noch ein weiterer, um in dieser Bestenliste mit dem Drittplatzierten Ayrton Senna (41) gleichziehen zu können. Vettels Kindheitsidol Michael Schumacher liegt als Spitzenreiter mit sagenhaften 91 Siegen außer Reichweite. Ferrari musste noch länger auf diese Erlösung warten: Fernando Alonso hatte 22 Monate zuvor in Barcelona letztmals gewonnen.

Vettel gewinnt Sympathien

Vettel kommt mit seiner lausbubenhaften Art bei den Ferraristi gut an. In Sepang gewann "Seb" nicht nur durch seinen Sieg weitere Sympathien und Wertschätzung, sondern auch durch seinen emotionalen Auftritt danach mit Tränen, dem Griff zur Ferrari-Fahne und seinen italienischen Dankesworten. Der von den Ferraristi verehrte "Michele" Schumacher zeigte sich nur in Ausnahmesituationen so spontan und persönlich, einfach weil er ein eher verschlossener und kontrollierter Mensch ist. Aus Vettel prasselten das "Grazie, grazie" und weitere Schlagworte einfach nur so heraus.
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