Kein Kamikaze gegen Porto

Zumindest im Training hatten die Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger (rechts) und Rafinha am Montag ihren Spaß. Heute gegen den FC Porto muss es ernster zur Sache gehen, wenn die Münchener doch noch das Halbfinale der Champions-League erreichen wollen. Bild: dpa.

Ein "fußballerisches Weltwunder" braucht der FC Bayern gegen Porto nicht. Doch im 100. Pflichtspiel von Pep Guardiola mit den Münchnern droht ein schmerzhafter Champions-League-K.-o. Für das nächste Halbfinale müsste eine Europapokal-Premiere glücken.

Früher als ihm lieb ist, hat der FC Bayern ein großes Finale in Europa. Und bei der Aufholjagd gegen den FC Porto wollen die Münchner nicht wieder wie beim Fiasko 2014 gegen Real Madrid ins Verderben stürmen. "Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir überdreht ins Spiel gehen und zu viel wollen. Wir müssen klug spielen, dürfen nicht Kamikaze nach vorne rennen", gab Weltmeister Thomas Müller die Strategie nach dem 1:3 im Hinspiel vor.

Herausforderung reizvoll

"Wir stehen ein bisschen mit dem Rücken zur Wand, aber die Herausforderungen machen es reizvoll. Ein 2:0-Heimspielerfolg für den FC Bayern wäre kein fußballerisches Weltwunder", sagte Müller und freute sich schon auf den "Nervenkitzel" im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League.

Fast genau ein Jahr nach dem krachenden Halbfinal-Aus mit 0:4 gegen Real soll im 100. Münchner Pflichtspiel von Trainer Pep Guardiola die nächste bayerische Fußball-Depression unbedingt vermieden werden. "Ich weiß, es ist nicht genug, Deutscher Meister zu sein", erklärte der spanische Starcoach am Tag vor dem Rückspiel am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ZDF). In großen Vereinen mit dem Anspruchsdenken eines FC Bayern sei "nur das Triple genug", ergänzte Guardiola.

Entscheidend ist das Resultat auch über den Abend hinaus. "Jeder weiß, was das Spiel für eine Auswirkung auf die nächsten Wochen hat, auch für die grundsätzliche Stimmung", sagte Müller. Zumal es wenige Tage nach dem Zerwürfnis des Clubs mit Vereins-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ohnehin brodelt. Die immer wieder als "wichtigster" und "ehrlichster" Titel gepriesene Meisterschaft würde bei einem frühzeitigen Königsklassen-Scheitern an Glanz verlieren. Das nächste Alles-oder-Nichts-Spiel wartet mit dem Pokal-Halbfinale gegen Dortmund schon in einer Woche. Besonders großen Druck wollte Guardiola aber nicht verspüren. "Das ist Champions-League und einer der Gründe, warum du einen großen Verein trainierst. Diese Situation ist: wow!", erklärte der Spanier vor einem gefühlten Finale.

Tolle Heimbilanz

Nach den grotesken Fehlern beim 1:3 vor einer Woche müssen die Münchner zum fünften Mal in ihrer glorreichen Europapokalhistorie eine Auswärtsniederlage mit zwei Toren aufholen. Bislang scheiterten sie immer dabei. Mut macht die Heimbilanz der laufenden Saison: Alle vier Spiele in der Arena wurden gewonnen - bei 13:0 Toren. "Wir haben alle Chancen, wir spielen zu Hause. Wir haben keine gute Ausgangslage, aber auch keine unmögliche", betonte Kapitän Philipp Lahm.

Lahm meldete sich vor dem Showdown fit. Eine Aufstellung des über zwei Wochen pausierenden Bastian Schweinsteiger nach Trainingssparprogramm wäre ein Wagnis. Immerhin war der Weltmeister am Montag beim Abschlusstraining dabei. Holger Badstuber könnte Dante in der Deckungsreihe ersetzen. Mit Franck Ribéry rechnet Guardiola nicht. Arjen Robben, Javi Martínez, David Alaba und Medhi Benatia fehlen sowieso. "Jetzt fühlt man sich endlich mal wie in so einem Hollywoodfilm, wenn irgendwo alle wegsterben und man muss dann in die Schlacht ziehen", schilderte Müller drastisch.
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