Kießling weint hemmungslos

Gonzalo Castro und Emir Spahic versuchen Stefan Kießling (von links) zu trösten, der den letzten Elfmeter verschoss und damit das Champions-League-Aus von Bayer Leverkusen besiegelte. Bild: dpa

Bayer Leverkusen hat ein neues Kapitel des Achtelfinal-Traumas in der Champions-League geschrieben. Bis zum letzten Schuss war bei Atlético Madrid das Erreichen des ersten Viertelfinals nach 2002 möglich. Doch am Elfmeterpunkt versagten gleich drei Bayer-Schützen.

Das Bankett von Bayer Leverkusen nach dem denkwürdigen Elfmeter-Debakel bei Atlético Madrid wirkte wie eine Trauerfeier. "Wenn man drei Elfmeter verschießt, ist das bitter. Wir waren ganz nahe dran", klagte Sportdirektor Rudi Völler nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions-League am Dienstagabend. "Abhaken geht nicht heute Abend. Danach müssen wir aber den Kopf wieder hochnehmen. Es geht weiter! Im nächsten Jahr wollen wir es besser machen."

Untröstlich waren die Bayer-Profis, die wie ein Häuflein Elend nach dem Abpfiff vor ihren Spinden saßen. "Es herrschte Totenstille in der Kabine", berichtete Trainer Roger Schmidt. "Wenn man soviel investiert hat und am Ende mit leeren Händen dasteht, ist das extrem enttäuschend." Da gebe es "keine Worte der Welt", um in so einer Situation eine Mannschaft aufbauen zu können. "Wir haben alles gegeben, mehr war nicht möglich", befand er.

Besonders unter die Haut ging das Elfmeter-Desaster den Fehlschützen Hakan Calhanoglu, Ömer Toprak und besonders Stefan Kießling. Der Torjäger donnerte den letzten Elfer über das Tor und besiegelte den K.o. "Das ist bitter für jeden Spieler. Doch man muss auch erstmal den Mut haben, sich dem zu stellen. Einfacher ist, nicht zu schießen", verteidigte Kapitän Simon Rolfes den Unglücksraben. Kießling weinte nach dem Fauxpas hemmungslos und verließ wortlos das Estadio Vicente Calderón.

Auch die anderen Mitspieler vermieden es, das nicht zielsichere Trio an den Pranger zu stellen. "Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Wir werden da alle rauskommen", meinte Torwart Bernd Leno. Leichter gesagt als getan. "Das tut richtig weh, einen Elfmeter zu verschießen", bekannte Mittelfeldspieler Calhanoglu. "Ich bin besonders traurig, weil ich im ersten Spiel das Siegtor erzielt und nun den Elfmeter verschossen habe." Mario Suarez hatte in der 27. Minute für Spaniens Fußball-Meister die Hinspiel-Niederlage egalisiert. Nach der torlosen Verlängerung einer niveauarmen Partie nahm dann das Bayer-Drama seinen Lauf.

Endstation Achtelfinale hieß es für die Leverkusener schon 2005, 2012 und 2014. Nun will der Bundesligavierte in der kommenden Saison einen neuen Anlauf machen, um nach 2002 das Ziel Viertelfinaleinzug zu erreichen.
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