Knieoperation statt EM

Enttäuschung bei Timo Boll. Deutschlands Nummer eins im Tischtennis muss wegen einer Knieoperation die EM-Teilnahme absagen. Bild: dpa

Timo Bolls komplette EM-Absage ist keine große Überraschung. Den Tischtennis-Profi plagen seit längerer Zeit Knieprobleme. Er will sich mit Blick auf Olympia operieren lassen. Die Folgen einer längeren Pause könnten aber schwerwiegend sein.

Für Deutschlands Tischtennis-Star Timo Boll hat Olympia in Rio Vorrang vor der Europameisterschaft in Jekaterinburg. Der Rekord-Europameister sagte wegen seiner Knieprobleme den Start bei den kontinentalen Titelkämpfen von Freitag bis 4. Oktober komplett ab. Wegen einer Verdickung einer Schleimhautfalte unterhalb der Kniescheibe wird sich der 34-Jährige am Donnerstag operieren lassen und danach eine Pause einlegen.

"Ich möchte die Chancen auf meine 5. Olympia-Teilnahme wahren. Wird dieses Problem nicht rechtzeitig behoben, kann der Knorpel in Mitleidenschaft gezogen werden", teilte Boll am Montag mit. Schon in den vergangenen Wochen hatte der Düsseldorfer zumeist unter Schmerzen gespielt. "Dies hat nichts mit einer etwaigen Überbelastung zu tun. Nun muss ich handeln, auch wenn ich dafür meine Teilnahme an der EM absagen muss und auch meinem Verein Borussia Düsseldorf einige Zeit nicht zur Verfügung stehen kann", erläuterte Boll seine Entscheidung.

Wie lange der Weltranglisten-Siebte ausfällt, lässt sich nach Angaben seines Vertrauensarztes Johannes Peil (Bad Nauheim) erst nach der Operation sagen. Wegen der Knieprobleme hatte der deutsche Meister in der Vorwoche bereits die EM-Teilnahme im Team und Doppel gestrichen, sich aber im Einzel ein Hintertürchen offen gehalten. Nach der Rückkehr von einem Sponsorentermin in China überraschte die komplette Absage den Trainerstab nicht mehr. Boll hatte im Sommer auch mehrere Wochen als Gast in Chinas Superliga gespielt.

"Es ist gut, dass Timo auf seinen Körper hört und nichts riskiert", sagte Sportdirektor Richard Prause. "Timos Fehlen ist natürlich eine Schwächung für uns, aber auch ohne ihn ist die Mannschaft stark genug", erklärte Bundestrainer Jörg Roßkopf. "Wir sind jetzt nicht mehr so ein klarer Favorit", meinte Einzel-Europameister Dimitrij Ovtcharov. Der Hamelner erinnerte an die EM 2013 in Schwechat, als Boll wegen einer Grippe gefehlt hatte: "Wir sind dennoch Europameister geworden. Daran sollten wir uns orientieren."

Chance für Steger

Bundestrainer Roßkopf will kurzfristig den Bremer Bastian Steger oder Steffen Mengel aus Bergneustadt für die EM nachnominieren.
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