Koch ein heißer Kandidat

Wer beerbt Wolfgang Niersbach (großes Foto)? Als Kandidaten im Gespräch sind (obere Reihe von links) Helmut Sandrock, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball sowie (untere Reihe von links) DFB-Teammanager, Oliver Bierhoff, Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Heribert Bruchhagen, Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Bild: dpa

Nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident wird ein Kandidat für die dauerhafte Nachfolge gesucht. Unter den möglichen Anwärtern gibt es auch einige sehr prominente Namen. Doch einige potenzielle Kandidaten haben schon abgewunken.

Zunächst haben die bisherigen Vize-Präsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball das Amt übernommen. Rund um die anstehenden Länderspiele des Teams von Weltmeister-Trainer Joachim Löw sollen nun weitere Gespräche über die Zukunft geführt werden. Hier die Personen, die im Gespräch sind:

Rainer Koch

Jahrelang stand Rainer Koch nur in der Öffentlichkeit, wenn es um juristische Belange des deutschen Fußballs oder Angelegenheiten in Sachen Amateure ging. Als Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes ist der 56-Jährige mit dem markanten Schnauzer aber plötzlich auf allen TV-Kanälen zu sehen. Der Richter des Oberlandesgerichts München gilt als "Mann der Basis", der sich hartnäckig nach oben gearbeitet hat.

Einen Karriereknick erlitten hatte Koch 2011 nach einem Streit mit dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger im Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell und Michael Kempter. Da wurde der Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen plötzlich ins Ressort "Prävention, Integration sowie Freizeit- und Breitensport" abgeschoben, ehe ihn Zwanziger-Nachfolger Wolfgang Niersbach wieder in seine angestammte Position zurückholte.

Im Sommermärchen-Skandal gilt Koch als unbelastet, weil er erst 2007 ins DFB-Präsidium rückte. Der gebürtige Kieler kickte einst für den Kirchheimer SC und TSV Poing, war Schiedsrichter und Jugendtrainer, ist seit 2004 Präsident des Bayerischen und seit 2011 Vorsitzender des Süddeutschen Fußball-Verbandes.

Auf die Frage, ob er sich bei einem DFB-Bundestag als Präsidentschaftskandidat stellen würde, antwortete Koch bislang nur ausweichend: "Ich habe Interesse daran, dass wir den Sachverhalt lückenlos und vollständig aufklären." Immerhin nutzte Koch am Montag den Moment, als er nach Niersbachs Rücktritt in der Frankfurter DFB-Zentrale vor den Kameras stand. Er machte öffentlich, dass der "Kaiser" vier Tage vor Vergabe der WM 2006 eine vertragliche Vereinbarung mit dem früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben haben soll.

Auch im Gespräch

Reinhard Rauball: Der Ligapräsident und Chef von Borussia Dortmund genießt einen exzellenten Ruf und ist vom Führungsstil durch und durch präsidiabel. Doch der 68-Jährige winkt ab. Er will im August 2016 lieber erneut für das Amt des Liga-Präsidenten kandidieren.

Reinhard Grindell: Der CDU-Bundestagsabgeordnete gehört seit zwei Jahren als Schatzmeister zum DFB-Führungszirkel. Wie Niersbach arbeitete er früher als Journalist.

Helmut Sandrock: Der frühere Junioren-Nationalspieler und Vorstandschef des MSV Duisburg rückte als Nachfolger von Niersbach auf den Posten des DFB-Generalsekretärs. Den Job verrichtet er eher im Hintergrund als im Scheinwerferlicht. Eher unwahrscheinlich.

Heribert Bruchhagen: Der Außenseiterkandidat sagte am Dienstag gleich ab. Der frühere Manager des FC Schalke 04 und Hamburger SV ist seit fast zwölf Jahren Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Als Ex-Geschäftsführer der DFL ist er bestens vernetzt. Zum Saisonende hört er in Frankfurt auf und wäre zumindest als Übergangslösung frei. Aber: "Ich scheide doch nicht als Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt aus, um ein neues Amt anzutreten", sagte Bruchhagen.

Oliver Bierhoff: Der prominenteste Name. Seit über elf Jahren Teammanager der Nationalmannschaft und wichtigster Mitarbeiter von Weltmeister-Trainer Joachim Löw. Der Europameister von 1996 ist sehr gut vernetzt im Profibereich und bei Sponsoren. Und der 47-Jährige ist ein Medienprofi. Für die einflussreiche Amateurbasis ist er aber nur schwer vermittelbar. Zudem wiegelt er selbst (noch) ab.

Wolfgang Niersbach: Der Gedanke klingt im Lichte des Rücktritts absurd. Aber auszuschließen ist nichts. Sollte der Ex-Präsident bei allen Ermittlungen reingewaschen werden, ist ein Comeback nicht grundsätzlich auszuschließen. Mit seiner Demission hat er nicht an Kredit verspielt und von vielen Wegbegleitern sogar Respekt gewonnen. Bedingung wäre aber ein Freibrief durch die Staatsanwaltschaft.
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