Kugel-Gold und drei Mal Silber

Christian Blum auf dem Weg über die 60 Meter zur Silbermedaille bei den Europameisterschaften. Bild: dpa

Sechs Medaillen - die deutschen Leichtathleten haben bei der Hallen-EM in Prag überzeugt. Alle Träume gingen nicht auf, Kugelstoßer David Storl war die einzige Gold-Bank. Abgerechnet wird ohnehin erst bei der Freiluft-WM in Peking.

Die deutschen Leichtathleten haben in der Goldenen Stadt einige Glanzlichter gesetzt, doch nicht alle hatten Grund zum Strahlen. Sechs Medaillen für das 39-köpfige DLV-Team bei den Hallen-Europameisterschaften in der Prager O2-Arena sind zumindest ein Mutmacher für die Sommersaison. Das einzige Gold zum Auftakt durch Kugelstoß-Weltmeister David Storl krönte die deutsche Vorstellung. Silber erkämpften Sprinter Christian Blum, Weitspringerin Sosthene Moguenara und Siebenkämpfer Arthur Abele. Als Dritte über 60 Meter schafften am Schlusstag zudem Verena Sailer und Julian Reus den Sprung aufs Podest.

Damit wurde das Ergebnis der Hallen-EM 2013 in Göteborg um eine Medaille übertroffen. Für den Höhepunkt der dreitägigen Titelkämpfe sorgte Stabhochsprung-Weltrekordler Renaud Lavillenie: Der Franzose katapultierte sich am Samstag über 6,04 Meter und holte sich den vierten EM-Hallentitel in Serie ab. Seine Ein-Mann-Show krönte er mit dem zwölften Sechs-Meter-Wettkampf seiner Karriere.

Ganz so große Sprünge machten die Deutschen zwar nicht, am Sonntag gab's aber noch ein paar Mal Grund zum Jubel: Mit drei Medaillen innerhalb von 20 Minuten polierten die Sprinter die Bilanz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes mächtig auf. Der deutsche Hallenmeister Christian Blum stürmte hinter dem Briten Richard Kilty (6,51 Sekunden) auf den Silberrang vor seinem Wattenscheider Vereinskollegen Julian Reus. Zuvor war Ex-Europameisterin Sailer Dritte geworden. Sechs Jahre nach der Hallen-EM in Turin holte die 29 Jahre alte Mannheimerin erneut Bronze und jubelte: "Ich bin absolut glücklich."

Mehrkämpfer Abele hatte für die Initialzündung gesorgt und die erste Medaille eines deutschen Siebenkämpfers bei einer Hallen-EM gewonnen. Der 28-Jährige aus Ulm musste sich nach dem abschließenden 1000-Meter-Lauf mit 6279 Punkten nur dem Russen Ilja Schkurenjow (6353) geschlagen geben. "Ich bin jetzt einfach nur so erleichtert. Es waren zwei sensationelle Tage mit Auf und Abs natürlich", meinte Abele. "Alles hat wunderbar funktioniert."

Bei Homiyu Tesfaye klappte dagegen gar nichts. Der 21 Jahre alte Frankfurter zeigte im flotten 1500-Meter-Finale Nerven, nach einem taktischen Fehler hatte er gegen die robuste Konkurrenz keine Chance mehr. Zwölf Hundertstel fehlten dem gebürtigen Äthiopier zu Bronze.

Kapitän Storl hatte das DLV-Team am Freitag mit seinem ersten internationalen Hallentitel auf Kurs gebracht: 21,23 Meter - nach dem Gold-Coup musste der Sachse noch einmal zur Reha, die Folgen der Knie-Operation im vergangenen Jahr machen dem Leipziger immer noch zu schaffen. Moguenara war nach dem größten Erfolg ihrer Karriere "überglücklich". Als der Bann endlich gebrochen war, stürmte sie auf ihren Trainer Ulrich Knapp zu und umarmte ihn herzlich.

Grund zur Euphorie besteht nach dem erfolgreichen Abschluss der Hallensaison indes nicht: In Prag fehlten alle deutschen Medaillengewinner von Göteborg, außerdem der noch formschwache Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe. Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting und Speerwerferin Christina Obergföll arbeiten intensiv an ihrem Comeback.
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