Landkreis Schwandorf: Pferdeseuche im gesperrten Pferdehof sorgt bei Oberpfälzern für große Aufregung
"Keine Panik!"

Reiter müssen sich eigentlich kaum Sorgen machen: Die Ansteckungsgefahr mit dem tödlichen EIV-Virus ist gering. Archivbild: Hartl

Schwandorf/Amberg/Weiden/Tirschenreuth. (jrh) Pferdeseuche "Equine infektiöse Anämie (EIA)" in einem gesperrten Pferdehof im Landkreis Schwandorf ist die Aufregung unter Oberpfälzer Pferdefreunden groß. - Veterinärämter wiegeln ab: "Keine Panik!" Ein Balanceakt.

Die gute Nachricht zuerst: "Das Virus ist relativ wenig ansteckend", sagt Dr. Ralf Blome vom Veterinäramt Neustadt/Waldnaab. "Es erwischt bei weitem nicht jedes Tier." Hauptinfektionsquelle seien Bremsen, deshalb sei auch der Sperrbezirk so klein: Der Reiterhof im Raum Trausnitz sowie alle Pferde im Umkreis von einem Kilometer fallen in den nächsten drei Monaten unter die Quarantäne. Das entspricht in etwa der Reichweite einer gemeinen blutsaugenden Stechfliege.

Dumm nur, dass der betroffene Reiterhof beliebter Treffpunkt von Pferdefreunden aus der Oberpfalz und darüber hinaus war. Auch die Weidenerin Andrea Daubenmerkl hatte dort zwei Tiere stehen. "Mein Pferd ist ein Kontaktpferd, es stand auf der Nebenkoppel des eingeschläferten Ben." Die Folge: Jetzt muss der Bestand des Stalls im östlichen Landkreis Neustadt/Waldnaab, in dem Daubenmerkls Tiere derzeit untergebracht sind, untersucht werden. "Ich weiß auch von Tieren aus dem Landkreis Tirschenreuth", sagt sie.

Kontaktsperre für Betrieb

Das bestätigt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamtes: "Es gibt für diesen Betrieb zunächst eine Kontaktsperre." "Der Test wird am Montag durchgeführt, in Erlangen untersucht, und das Ergebnis liegt nach einem Tag vor." Wenn der negativ sein sollte, werde die Sperre aufgehoben. Sollte er positiv sein, wird ein zweiter Test angeordnet, der innerhalb einer Woche da sei.

Panik unnötig

Neustadts Amtstierarzt Blome betont, dass Panikmache völlig fehl am Platz sei: "Von den zwölf Tieren im Landkreis Schwandorf waren nur zwei infiziert, obwohl sie seit längerem in Stall standen." Eine Übertragung durch einen Kurzaufenthalt sei "sehr unwahrscheinlich". Eine Haltung, die auch die anderen Veterinärämter in der nördlichen Oberpfalz teilen. "Wir hatten vor ein paar Jahren schon mal einen Fall in Brand", kommentiert Dr. Josef König in Tirschenreuth, "die Lage war kontrollierbar. Und für das Landratsamt Amberg-Sulzbach verkündet Pressesprecherin Christine Hollederer: "Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Veranlassung, das Turnier in Kreuth abzusagen."

Ruf und Stall gefährdet

Ganz so gelassen sehen das Pferdebesitzer, Reiterhöfe und Zuchtbetriebe freilich nicht, schließlich stehen bei ihnen außer der Gefahr eines gebrochenen Herzens auch erhebliche Werte auf dem Spiel: "Wenn ich den Stall in der Hauptsaison drei Monate dicht machen muss, sind Ruf und Stall am Ende", sagt Katharina Schmitz, Inhaberin des "Katschmandu Westernriding" in Görnitz bei Theisseil (Kreis Neustadt/Waldnaab). Die Reittrainerin entschied sich, vorsorglich ihren Betrieb für Gastpferde zu schließen und ihre Tiere vom eignen Arzt untersuchen zu lassen. "Das kommt bei unseren Kunden gut an", beschreibt sie die Reaktionen, "und auch die Gäste zeigen Verständnis."

Ansteckungsgefahr relativ gering

Auch wenn die Ansteckungsgefahr relativ gering sei, appelliert sie an Veterinärämter das Problem nicht klein zu reden: "Die zwei eingeschläferten Pferde haben sich schon vor vier Jahren angesteckt", beschreibt sie die diffuse Lage, "wir und auch andere Höfe hatten immer wieder Pferde aus Oberbayern hier, wo die Lage schon vor vier Wochen eskalierte - und überhaupt sind die meisten Pferdebesitzer fast jedes Wochenende unterwegs." Hohe Mobilität, viele Kontaktmöglichkeiten, lange Inkubationszeit - ein Boomerang mit Langzeitwirkung? Immer mehr Pferdebesitzer scheinen auf Nummer sicher zu gehen: "Viele Turniere werden durchgezogen, weil die Veranstalter ohne Rückendeckung der Ämter sie gar nicht absagen können, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben", erklärt Schmitz. Sie kenne Italiener, die zur Europameisterschaft in Kreuth angereist und bereits wieder abgefahren seien: "Da geht's um Titel, um Geld, das lässt man nicht sausen, wenn man keine guten Gründe hat."

Herkunft wird geprüft

In Schwandorf prüft das Veterinärsamt die Herkunft der infizierten Tiere: "Wir sind dabei, die Stationen nachzuvollziehen", sagt Pressesprecher Hans Prechtl, "und werden auch die entsprechen Behörden informieren, welche Tiere aus anderen Landkreisen Kontakt zu den eingeschläferten Pferden hatten." Über Erkenntnisse, dass es sich dabei um rumänische Tiere handle, wie in Kreisen von Pferdefreunden vermutet wird, habe er nicht. "Die Besitzerin trifft das sehr hart", bedauert Prechtl, aber die Sicherheit geht vor."
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