Langers erste Sternstunde

Bernhard Langer beherrscht alle Tricks, wie er hier beim Spiel aus dem Bunker beweist. Der 57-Jährige gewann vor 30 Jahren als erster deutscher Spieler das Masters in Augusta. Auch bei seinem 32. Masters-Start fürchtet die Konkurrenz den gebürtigen Anhausener. Bild: dpa

1985 schrieb Bernhard Langer Geschichte: Der Anhausener gewann als erster Deutscher das traditionsreiche Masters. 30 Jahre später steht Langer immer noch im Augusta National Golf Club am Abschlag. Die Konkurrenz hat den 57-Jährigen erneut auf der Rechnung.

Es ist der 14. April 1985. Im noblen Augusta National Golf Club zwängt sich ein schlaksiger, blonder Schwabe in das enge, dunkelgrüne Sieger-Jacket. Bernhard Langer aus Anhausen, damals 27 Jahre alt, lächelt überglücklich als ihm der Vorjahres-Champion Ben Crenshaw das prestigeträchtige Kleidungsstück um die schmalen Schultern legt. Es ist der Tag, an dem Langer Geschichte schreibt: Als erster deutscher Golfer gewinnt er das traditionsreiche Masters im US-Bundesstaat Georgia - eines der vier bedeutendsten Turniere der Welt. Für den Golfsport im damals noch zweigeteilten Deutschland war Langers Triumph eine Initialzündung - erstmals wurde die als elitär verpönte Nischensportart von einer breiteren Masse wahrgenommen.

1993 wiederholte Langer seinen Sieg an der Magnolia Lane und bewies endgültig, dass er kein One-Hit-Wonder ist. "Es ist der Höhepunkt eines jeden Profis, Major-Turniere zu gewinnen und in die Hall of Fame aufgenommen zu werden", erklärte Langer. 2002 wurde er in die Ruhmeshalle des Golfsports aufgenommen.

30 Jahre ist Langers erster Triumph in Augusta nun her. 2015 ist Golf hierzulande immer noch kein Volkssport, aber Langer ist bei seinem 32. Masters-Start immer noch ein Spieler, den die Konkurrenz fürchten muss - auch im Alter von 57 Jahren. Wie alle Masters-Champions genießt er ein lebenslanges Startrecht bei dem an diesem Donnerstag beginnenden Turnier.

"Bernhard ist ohne Zweifel einer der größten Golfer aller Zeiten und eine herausragende Persönlichkeit. Es ist schon wirklich beeindruckend, dass ihm selbst 30 Jahre nach seinem ersten Sieg in Augusta noch immer eine Top-Platzierung beim Masters zuzutrauen ist." Das Lob kommt von Deutschlands derzeit bestem Golfer Martin Kaymer. Langer verbindet mit dem amtierenden US-Open-Sieger aus Mettmann eine enge Freundschaft.

Kaymer profitiert

Gerade vor den Tagen des Masters-Turniers sucht Kaymer immer wieder den Rat und die Nähe des Routiniers. Oft gehen die beiden Deutschen im Augusta National Golf Club gemeinsam auf die Proberunde. Von Langers Erfahrungen und Tipps will der 30-Jährige Kaymer profitieren. Der Altmeister weiß ganz genau, wo man die Bälle auf den schnellsten und anspruchsvollsten Grüns der Welt platzieren muss, um erfolgreich zu sein.

Im Vorjahr zeigte Langer beim Masters wieder seine ganze Klasse: Platz acht - trotz einer starken Erkältung. Und 2015? Kann der dominierende Spieler der US-Senior-Tour noch einmal bei den Jungen mithalten? Langer stapelt tief. Die Spielbahnen in Augusta seien ihm zu lang geworden. "Am Finaltag schlug Bubba Watson am zweiten Loch nach seinem Drive noch ein Eisen 7, während ich dort noch ein Holz 3 gebraucht habe. Ich schlage also sechs bis acht Schläger mehr in die Grüns als Bubba und andere Longhitter. Gerade auf diesem Golfplatz macht das einen großen Unterschied", sagte Langerz.

Auch wenn die Kraft nicht mehr so vorhanden ist wie vor 30 Jahren, in puncto Beweglichkeit und Fitness kann es der vierfache Vater noch locker mit den Jungspunden aufnehmen. In seiner US-Heimat Boca Raton in Florida quält sich der Sport-Freak täglich im Fitness-Studio. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gertenschlank und durchtrainiert tritt Langer bei den Turnieren an. Das "Green Jacket" würde ihm auch 2015 noch passen.
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