Langläuferinnen verblüffen selbst den Trainer

Selbst dem redegewandten Frank Ullrich verschlug es am Samstag kurzzeitig die Sprache. Ein Podestplatz in einem Distanzrennen bei den Damen - das hatte es in der zweieinhalbjährigen Amtszeit des Langlauf-Bundestrainers noch nicht gegeben. Umso mehr freute sich Ullrich über Rang zwei von Nicole Fessel beim 10-Kilometer-Freistil-Weltcup im schweizerischen Davos. Und er hatte noch mehr Grund zur Freude: Claudia Nystad wurde Fünfte, Denise Herrmann 15. Im Sprint überstanden fünf Damen die Qualifikation, von denen Herrmann auch ins Halbfinale einzog und schließlich Zehnte wurde. Beide Rennen gewann der norwegische Superstar Marit Björgen.

"Es hat alles gepasst. Aber dass es soweit nach vorn gehen kann, damit hat keiner gerechnet. Da lacht das Herz", sagte Ullrich. "Sie haben alle alles aus sich herausgeholt und sind dafür belohnt worden. Das ist hervorragend für das Selbstvertrauen", betonte er im Hinblick auf die zum Jahresbeginn startende Tour de Ski.

"Es war ein wundervoller Tag für mich", sagte Fessel. Erst zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn kam die Oberstdorferin auf ein Weltcup-Podest. "Das war einfach ein perfekter Tag. Ich hatte hervorragende Ski und unsere Strategie ging voll auf. Wir wollten von Anfang an Druck machen und bis zum Ende das Tempo hochhalten", erzählte die 31-Jährige.

Der Bundestrainer hat nun eine Sorge weniger. Mit Fessel, Nystad, Herrmann und der diesmal nicht zu den dominanten Läuferinnen zählenden Stefanie Böhler hat das olympische Bronze-Quartett von Sotschi bereits vor Weihnachten die Qualifikation für die Weltmeisterschaften im Februar in Falun geschafft.

Das hätte Ullrich auch gern bei den Herren, doch dort sieht es bislang traurig aus. Tim Tscharnke war im 15-Kilometer Freistilrennen beim Sieg des Norwegers Anders Glörssen als 37. bester Deutscher. Im Sprint schaffte lediglich Sebastian Eisenlauer den Sprung in die Finals und wurde 14. Wenigstens eine halbe WM-Norm steht für ihn nun zu Buche. "Dass es nach dem Rücktritt von Angerer, Teichmann und Filbrich schwer werden würde, war klar. Aber momentan läuft trotz einer guten Vorbereitung wenig zusammen.
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