Leere Ränge, desolater Kick

Julian Draxler (links, daneben Daniel Caligiuri) war die spielentscheidende Figur beim 1:0-Sieg des VfL Wolfsburg über ZSKA Moskau. Die Stimmung bei den Niedersachsen war angesichts der dürftigen Zuschauerkulisse aber eher mau. Bild: dpa

Borussia Mönchengladbach gibt auch in der Champions-League ein trauriges Bild ab. Ebenso wie die leeren Ränge in Wolfsburg. Beides sorgt für Ärger.

Sportlich könnte der Unterschied zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg derzeit kaum größer sein. Dennoch waren beide Bundesligisten am ersten Spieltag der Champions-League im Ärger vereint - wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen. Bei Bundesliga-Schlusslicht Gladbach spitzt sich die Krise nach dem 0:3 in Sevilla weiter dramatisch zu. Für Vizemeister Wolfsburg läuft es zwar sportlich gut, doch die Fan-Unterstützung des rheinischen Traditionsclubs hätte Werks- club-Manager Klaus Allofs nur allzu gerne.

Fans zwangsverpflichten

"Das ist enttäuschend, das hat die Mannschaft nicht verdient", schimpfte Allofs nach dem 1:0-Sieg am Dienstag gegen ZSKA Moskau und fügte ironisch hinzu: "Ich habe die Hymne vor dem Spiel gar nicht mitbekommen. Ich musste erstmal gucken, wo die ganzen Zuschauer sind." Gerade einmal 20 126 Zuschauer sahen das Champions-League-Comeback des VW-Clubs nach sechs Jahren Abstinenz. Das wollte Allofs so gar nicht verstehen. "Vielleicht müssen wir die Leute hier zwangsverpflichten", meinte der Manager mit beißender Ironie und versprach: "Wir werden das angehen."

Die, die nicht ins Stadion kamen, verpassten ein perfektes Heimdebüt von 35-Millionen-Euro-Neuzugang Julian Draxler, der keine Wehmut nach Kevin De Bruyne aufkommen ließ. Während der 86-Millionen-Euro-Mann bei Manchesters Citys 1:2 gegen Juventus Turin zunächst nur auf der Bank saß, zeigte Weltmeister Draxler all seine Klasse. "Heute hat er gezeigt, warum wir uns kurzfristig so intensiv um ihn bemüht haben. Heute hat er schon was zurückgegeben", lobte Trainer Dieter Hecking den Auftritt des Siegtorschützen.

Völlig verunsichert

Von dessen Abgeklärtheit am Dienstag hätten die bemitleidenswerten Gladbacher einiges gebrauchen können. Bis zum 0:0 zur Pause hielten die nach ihrem Horrorstart mit vier Bundesligapleiten völlig verunsicherten Borussen noch einigermaßen mit. Doch dann kam es knüppeldick: Gleich drei Elfmeter binnen 20 Minuten verursachten die Gäste selbst und offenbarten dabei ihren derzeit desolaten Zustand.

"Das ist jetzt keine einfache Zeit für uns", bekannte Keeper Yann Sommer, der allerdings auch auf den Unparteiischen schimpfte. "Der Schiedsrichter hat schlecht entschieden", meinte der Schweizer. "Was soll ich in dieser Situation machen?" In der Tat war der erste Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien direkt nach der Halbzeitpause doch sehr zweifelhaft. Sommer hatte den Spanier Jose Antonio Reyes lediglich leicht berührt. Die übrigen beiden Strafstöße waren allerdings berechtigt. "Wenn du drei Elfmeter gegen dich bekommst, kannst du in Sevilla nicht gewinnen", meinte Kapitän Tony Jantschke. Ihre Hoffnung auf Besserung setzen die Borussen nun auf das rheinische Derby beim 1. FC Köln. Seit zehn Jahren hat die Borussia beim alten Rivalen nicht mehr verloren.
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