Lehrstunde für den VfL

Typisch für die gesamte Begegnung: Kevin De Bruyne (links) kommt gegen die Spieler von Neapel Christian Maggio (Mitte) und Jose Callejon (rechts) nicht durch. Bild: dpa

Es war ein bitterer Abend für den VfL Wolfsburg. Die Mannschaft von Dieter Hecking musste gegen den SSC Neapel eine 1:4-Klatsche einstecken. Das Erreichen des Halbfinales in der Europa-League ist damit vermutlich schon vor dem Rückspiel nächste Woche in Italien erledigt.

Champions-League-Test misslungen: Der hochgelobte VfL Wolfsburg steht nach einer Lehrstunde in Effizienz und Cleverness in Europa vor dem Aus. Mit 1:4 (0:2) wurde der Bundesligazweite am Donnerstag vom abgezockten SSC Neapel mit einem überragenden Gonzalo Higuaín im Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Europa-League gedemütigt. Damit droht den Niedersachsen wie zuletzt 2010 das frühzeitige Aus.

Vor 25 112 Zuschauern machten Top-Stürmer Higuaín und Napoli-Kapitän Marek Hamsik den Unterschied: Mit einem allerdings irregulären Handtor (15. Minute) und einem Traumpass vor Hamsiks Treffer zum 2:0 (23.) legte der Argentinier die VfL-Schwächen offen und bescherte zugleich seinem Trainer Rafael Benitez einen schönen 55. Geburtstag. Nach einem Blackout von Josuha Guilavogui erhöhte der Slowake Hamsik (64.). Manolo Gabbiadini (77.) machte das Debakel für den VfL perfekt und reduzierte die Wolfsburger Chancen aufs Weiterkommen im Rückspiel am kommenden Donnerstag auf ein Minimum. Daran änderte auch das Tor von Nicklas Bendtner (80.) kaum etwas.

Die Niedersachsen begannen schwungvoll und versuchten, über die Außenpositionen die Gäste unter Druck zu setzen. Dann der Schock für den VfL: Gleich mit der ersten Angriffsaktion gingen die Neapolitaner nach 15 Minuten in Führung. Nach Pass von Dries Mertens verwandelte Higuain unhaltbar für VfL-Schlussmann Diego Benaglio. Pech für die Wolfsburger: das Tor hätte wegen Abseits und Handspiels des Argentiniers nicht zählen dürfen.

Der Treffer zeigte bei den Gastgebern Wirkung. Der Anfangsschwung war dahin, Neapel übernahm das Kommando. Beinahe ohne Gegenwehr kamen die Süditaliener zu weiteren Chancen. Eine davon nutzte Hamsik (23.) nach tollem Zuspiel von Higuain.

Wolfsburg brauchte lange, um sich von dem Doppelschlag zu erholen. Neapel kontrollierte das Spiel. Erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gab der VfL ein Lebenszeichen von sich: Weltmeister Schürrle zwang mit einem 20-Meter-Schuss SSC-Keeper Mariano Andujar zu einer Klasse-Aktion. "Nach dem ersten Tor haben wir die Nerven verloren", sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs in der Pause im TV-Sender Sky. "Wir wollen Fußball spielen. Wir müssen aber mehr gegenhalten, Zweikämpfe gewinnen. Das war zu leicht für Neapel."

Allofs Hoffnung auf Besserung erfüllt sich nach dem Wechsel nicht. Wolfsburg bemühte sich, doch Neapel war stets gefährlicher. Selbst VfL-Star Kevin De Bruyne tauchte ab. Auch die Hereinnahmen von Bendtner (57.) für den schwachen Bas Dost und Perisic (64.) für Schürrle brachten nur wenig.

Higuain (48.) hatte schon früh nach Wiederanpfiff die Möglichkeit zum 3:0, scheiterte aber am stark reagierenden Benaglio. 16 Minuten später holte Hamsik nach einem Aussetzer von Guilavogui das Versäumte nach, der eingewechselte Gabbiadini machte mit seinem Tor den Klassenunterschied deutlich. Bendtners Ehrentreffer war da nur noch ein schwacher Trost.
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