Leichtathletik
Auch ohne Harting heiß auf Amsterdam

Riesige Plakate sollen die Passanten in Amsterdam für die Leichtathletik-EM begeistern. Von Mittwoch bis zum Sonntag kämpfen in der niederländischen Hauptstadt die Athleten um die Medaillen. Bild: dpa

Amsterdam. Diskus-Riese Robert Harting macht sich in "Heimarbeit" für Olympia fit, seine 101 Teamkollegen wollen von der Dienstreise zu den 23. Leichtathletik-Europameisterschaften nicht nur Tulpen aus Amsterdam mitbringen. Einen Monat vor den Sommerspielen möchten sich die deutschen Asse bei der Olympia-Generalprobe für Rio de Janeiro gut aus der Affäre ziehen. Fast jeder dritte DLV-Starter ist erst 23 Jahre alt - oder jünger.

Im Fokus der fünftägigen Titelkämpfe von Mittwoch bis Sonntag im Olympiastadion von 1928 steht aber nicht nur die Medaillenjagd in den 44 Entscheidungen. Mit Hochspannung wird der Auftritt der Russin Julia Stepanowa erwartet: Die Kronzeugin bei den Dopingenthüllungen in der russischen Leichtathletik verlässt erstmals ihr amerikanisches Exil - sie darf in Amsterdam mit einer Sondergenehmigung unter neutraler Flagge antreten. In der 800-Meter-Startliste erscheint ihr Name unter "EA" - für den Kontinentalverband European Athletics.

Olympiasieger Harting hat nach seinem Kreuzbandriss und einem Jahr der Leiden noch Trainingsrückstand. Den will der Berliner zu Hause aufholen. Als deutscher Meister ist der 31-Jährige für Rio ohnehin gesetzt, und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) signalisierte Verständnis für den EM-Verzicht seines Medaillengaranten der vergangenen Jahre. Groß rauskommen könnte im Land der Grachten nun der "kleine" Bruder - Christoph Harting. In Kassel verlor er erst im letzten Versuch den schon sicher geglaubten Titel an Robert, auch in Amsterdam muss er wohl nur einen Konkurrenten fürchten: Piotr Malachowski. Weiter als der Weltmeister aus Polen (68,15 Meter) hat in dieser Saison noch kein Konkurrent geworfen. Doch Harting II. ist derzeit auch in dieser Rangliste die Nummer 2 (68,06 Meter).

Jahresweltbestleistung


"Speerspitze" des Teams ist Thomas Röhler. Mit glänzenden 91,28 Metern führt der Jenaer als einziger deutscher EM-Starter die Jahresweltbestenliste an. Auch die Speerwerferinnen sind für Podestplätze gut, vor zwei Jahren holte Linda Stahl in Zürich Bronze. Auch diesmal gehört die Leverkusenerin zum Team, das durch Weltmeisterin Katharina Molitor (Leverkusen) und die deutsche Titelträgerin Christin Hussong (Zweibrücken) komplettiert wird.

Der DLV schickt das größte Team seit fast 20 Jahren in die niederländische Hauptstadt - und eine sehr junge Mannschaft dazu. Mehr als 30 Prozent sind 23 Jahre alt oder jünger. Sogar zwei Teenager schafften den Sprung nach Amsterdam: Dreispringer Max Heß (Chemnitz) und Sprinthoffnung Gina Lückenkemper (Dortmund) sind erst 19.

Der DLV wird für seine gute Nachwuchsarbeit belohnt, Wunderdinge sollte man von den "jungen Wilden" aber nicht erwarten. "Es ist de facto so, dass nicht alle Athleten in Amsterdam in der Vorbereitung auf Rio ihre absolute Höchstleistung realisieren können", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen der Deutschen Presse-Agentur.

Vor diesem Hintergrund müsse man die Leistungen adäquat einordnen. "Das ist dann kein daneben Tappen, sondern einer zielgerichteten Vorbereitung auf die Olympischen Spiele geschuldet." Amsterdam sei eine hervorragende Plattform für junge Athleten, Wettkampferfahrung zu sammeln und internationale Wettkampfkompetenz zu erlangen.
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