Leichtathletik
Der kleine Riese wird 70

Es war der goldene Tag des Klaus Wolfermann. Mit voller Wucht schnellte der Speer am 3. September 1972 im Münchner Olympiastadion auf die Siegesweite von 90,48 Metern. Nun wird Wolfermann 70.

Düsseldorf. Klaus Wolfermann hofft inständig, dass endlich mal wieder einem deutschen Speerwerfer der große Wurf bei Olympischen Spielen gelingt. "Es ist höchste Zeit", sagte der Olympiasieger von 1972, der am Donnerstag 70 Jahre alt wird. Seit der nur 1,76 Meter große "kleine Riese mit dem goldenen Arm", wie er einst genannt wurde, in München den sensationellen Triumph feierte, gab es keinen deutschen Speerwurf-Gewinner bei Sommerspielen mehr.

Medaillengewinne von deutschen Speerwerfern bei Olympischen Spielen sind eine Rarität. Vor Wolfermann gab es in Gerhard Stöck 1936 nur einen Olympiasieger und in Wolfgang Krüger 1960 einen Olympia-Zweiten - nach ihm holte lediglich der frühere DDR-Werfer Wolfgang Hanisch 1980 noch Bronze. Deshalb ist der Wolfermann'sche Gold-Coup vor fast 44 Jahren ein ganz besonderes Kapitel in der Sportgeschichte. Und für den in Altdorf bei Nürnberg geborenen Franken war der Sensationswurf vom 3. September 1972 der Wendepunkt des Lebens. Sein Speer flog auf 90,48 Meter, zwei Zentimeter weiter als der seines sowjetischen Rivalen Janis Lusis.

Wie sich sein Leben verändern sollte, konnte er schon am Tag nach dem großen Sieg erleben, wo er die Schwimm-Wettbewerbe nun von der VIP-Tribüne aus verfolgen durfte. "Rechts neben mir saß der spätere König Juan Carlos von Spanien und links der US-Schauspieler Kirk Douglas. Da wusste ich, dass etwas anders geworden war", erzählte Wolfermann, der in seiner Karriere aber auch bittere Augenblicke hatte.

Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko schied er in der Qualifikation aus, für die Sommerspiele 1976 in Montreal musste er verletzt passen. "Es war eine meiner traurigste Stunden überhaupt, am Fernsehen den Speerwurf-Wettbewerb anzusehen", erzählte Wolfermann, der am 5. Mai 1973 mit 94,08 Metern auch einen Weltrekord geworfen hatte.

Auch im siebten Lebensjahrzehnt ist Wolfermann topfit, nicht nur mit Handicap 12 auf dem Golfplatz. "Jeden Tag trainiere ich grundsätzlich eine Stunde an Fitnessgeräten", sagte er. "Mittendrin packt mich der alte Ehrgeiz, doch am anderen Tag kommen die Fehlermeldungen vom Körper."
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