Leichtathletik
Die erste WM nach dem großen Beben

Portland. Spötter könnten sagen: Wozu soll diese WM überhaupt stattfinden? An diesem Freitag beginnen in Portland/USA die Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathleten, aber ihr Problem ist: Alle russischen Athleten sind nach dem gigantischen Doping-Skandal des vergangenen Jahres gesperrt. Und Stars wie Usain Bolt oder Mo Farah starten ohnehin kaum unter dem Dach. Es drohen also Weltmeisterschaften auf nur begrenztem Weltklasse-Niveau - die dafür mehr denn je vom Dauerthema Doping überlagert werden.

Schon die Freiluft-WM im vergangenen Sommer in Peking stand im Schatten diverser Enthüllungen. Schon damals klagte die deutsche Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz: "Die meisten Leute denken doch jetzt: Die sind eh alle gedopt!" Nur konnte sich selbst damals noch kaum jemand vorstellen, was erst Anfang dieses Jahres in allen Details ans Licht kam: Dass an der Spitze des Weltverbandes jahrelang eine kriminelle Clique um den früheren Präsidenten Lamine Diack herrschte, die Doping-Vergehen vertuschte, die eigenen Athleten erpresste und sich schamlos bereicherte.

Die Hallen-WM ist die erste internationale Meisterschaft seit diesen Enthüllungen. Sie findet in Zeiten statt, in denen die russischen Athleten kurz vor dem Olympia-Ausschluss stehen und in denen der kenianische Verband als nächste Leichtathletik-Großmacht auch nur noch bis zum 5. April Zeit hat, um maßgebliche Verbesserungen in seinen Anti-Doping-Bemühungen nachzuweisen. Andernfalls droht auch dem erfolgreichsten Team der Pekinger WM das Aus für Rio de Janeiro. Im Gegensatz zu den Russen sind die Kenianer im Oregon Convention Center von Portland aber noch mit elf Athleten am Start.

Unter den Sportlern gärt es, der Druck auf die Funktionäre geht auch von ihnen aus. In der vergangenen Woche forderte die amerikanische Läuferin Alysia Montano den Ausschluss der früheren Doping-Sünder Justin Gatlin und Tyson Gay aus dem US-Team. Die Deutschen sind mit einem kleinen Team nach Portland gereist. Namhafte Athleten wie Raphael Holzdeppe oder Silke Spiegelburg mussten verletzungsbedingt absagen, dafür sind Zukunftshoffnungen wie Weitspringerin Alexandra Wester, Dreispringer Max Heß oder Sprinterin Tatjana Pinto dabei.
Weitere Beiträge zu den Themen: Doping (29)Leichtathletik-WM (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.