Leichtathletik-EM
Medienrummel um Stepanowa

Die Russin Julia Stepanowa startete unter neutraler Flagge. Sie stieg allerdings beim 800-Meter-Vorlauf nach 600 Metern aus. Bild: dpa

Amsterdam. Käpt'n Betty Heidler gab den Kurs vor, ihre Mannschaftskollegen zogen mit und weckten die Medaillenlust im deutschen Team. Doch im Fokus stand am ersten Abend der 23. Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam eine mutige Russin auf Bahn zwei: Julia Stepanowa gab in ihrem 800-Meter-Vorlauf zwar nach rund 600 Metern auf, doch der Respekt der Zuschauer und der Beifall im Olympiastadion gehörten ihr am Ende ganz allein.

Als Whistleblowerin und Kronzeugin hatte Stepanowa mit ihren Enthüllungen den gigantischen Doping- und Korruptionsskandal in der russischen Leichtathletik ins Rollen gebracht. Bei der EM durfte die 30-Jährige deshalb unter neutraler Flagge starten, während die russische Mannschaft nach wie vor suspendiert ist. Den ersten von 44 Einzel- und Staffeltiteln dieser EM holte sich die erst 19 Jahre alte Türkin Yasemin Can über 10 000 Meter. Sie setzte sich in 31:12,86 Minuten vor der Portugiesin Dulce Félix (31:19,03) und der Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal (31:23,45) durch.

Das 100-köpfige deutsche Team ist einen Monat vor Olympia doppelt motiviert. Zwei heiße Goldkandidaten sollen am Donnerstag zuschlagen: Kugelstoßerin Christina Schwanitz will ihren Titel von 2014 in Zürch unbedingt verteidigen. Und "Speerspitze" Thomas Röhler muss mit seiner Favoritenrolle leben. Keiner hat in diesem Jahr auf der Welt weiter geworfen als der 24 Jahre alte Thüringer - seine 91,28 Meter waren eine klare Kampfansage.

Die geforderte Qualifikationsweite (81,50) hätte der WM-Vierte wohl auch im Trainingsanzug klar gemacht. Mit dem ersten Wurf war die Pflicht getan: 83,98 Meter. Auch Schwanitz wollte schnell wieder ins Mannschaftshotel: Die Quali schaffte sie locker mit dem ersten Stoß - 19,02 Meter. Schwarz-Rot-Gold konnte sich am ersten der fünf Wettkampftage gut in Szene setzen. In der ersten Qualifikation erfüllte Betty Heidler ihre Pflichtaufgabe: Mit 71,46 Metern im ersten Wurf übertraf die 32-Jährige von der LG Frankfurt/Main die geforderte Qualifikationsweite deutlich. Auf Anhieb hatten sich am Vormittag auch die Diskuswerferinnen Julia Fischer (66,20 Meter) und Nadine Müller (64,75 Meter) für das Finale am Freitagabend qualifiziert.

Shanice Craft - die EM-Dritte von 2014 - ist mit 64,59 Metern ebenfalls wieder dabei. Die Hürdensprinterinnen Cindy Roleder, Nadine Hildebrand und Pamela Dutkiewwicz erreichten dank guter Vorleistungen kampflos die Zwischenläufe am Donnerstag.

Erst im letzten seiner drei Versuche, mit 8,11 Metern, buchte Weitspringer Fabian Heinle seinen Platz im Finale. Der deutsche Meister Alyn Camara enttäuschte dagegen: Mit 7,66 Metern blieb er 39 Zentimeter unter seiner Saisonbestleistung.
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