Leichtathletik
Harting und Wester ganz weit

Ein Riesensatz auf 6,95 Meter: Die bislang eher unbekannte Weitspringerin Alexandra Wester stellte beim Istaf in Berlin eine Hallen-Jahresbestmarke auf. Bild: dpa

Der Harting ist wieder da! Mit einem Sieg gleich beim Heimspiel-Comeback hatte der Berliner überhaupt nicht gerechnet. Olympia-Kurs nimmt auch die junge Weitspringerin Alexandra Wester. 6,95 Meter - weiter flog zuletzt Heike Drechsler vor 20 Jahren.

Berlin. Als der Diskus noch über die blaue Bahn hüpfte, sank Robert Harting auf die Knie, streckte beide Fäuste zur Hallendecke und ließ sich wenig später auf der Ehrenrunde von fast 13 000 Fans feiern. Im letzten Versuch hatte sich der Berliner beim Istaf Indoor fast sensationell noch den Sieg gesichert - ein grandioses Comeback nach fast anderthalbjähriger Leidenszeit. So avancierte Olympiasieger Harting zum Star eines unterhaltsamen Leichtathletik-Abends, der aus deutscher Sicht noch ein weiteres Highlight bot: Die bis dato unbekannte Weitspringerin Alexandra Wester landete bei unglaublichen 6,95 Metern.

Immer im Herzen


Nach Rio de Janeiro will im Sommer natürlich auch Robert Harting. Der Olympiasieger von 2012 triumphierte mit 64,81 Metern und war seinem jüngeren Bruder Christoph beim Heimspiel in der Mercedes-Benz-Arena damit 47 Zentimeter voraus. "Ein geileres Comeback gibt es eigentlich nicht", sagte der 31-Jährige nach seinem Sieg bewegt. "Es ist ein Tag, den ich nie vergessen werde. Das bleibt immer im Herzen", gestand der Lokalmatador und bedankte sich bei den Zuschauern. Der dreimalige Weltmeister hatte Anfang September 2014 seinen bis dato letzten Wettkampf bestritten und sich kurz darauf das Kreuzband gerissen.

Weitsprung-Shootingstar Wester kann sich Hoffnungen auf einen Olympia-Start machen. Die 21-Jährige vom ASV Köln steigerte sich auf 6,95 Meter und überbot die Jahresweltbestleistung gleich um elf Zentimeter. "Mein Ziel war es eigentlich, die WM-Norm von 6,75 Meter zu knacken", sagte sie. Besser als Wester waren in der Halle überhaupt erst zwei deutsche Weitspringerinnen: Rekordfrau Heike Drechsler (7,37 Meter/1988) und Helga Radtke (7,09/1985). Olympiasiegerin Drechsler war vor 20 Jahren letztmals bei einem Hallenmeeting weiter gesprungen (6,96 Meter). Wester, die vom früheren Weltklasse-Dreispringer Charles Friedek trainiert wird, bedankte sich bei dem Publikum, das "Hammer mitgemacht hat".

Brasilianer überrascht


Eine Überraschung gab es auch beim Stabhochsprung: Der Brasilianer Thiago Braz da Silva schlug den Top-Favoriten ein Schnippchen und sicherte sich den Sieg mit Südamerika-Rekord von 5,93 Metern. Gleich um 17 Zentimeter steigerte der 22-Jährige seine persönliche Bestleistung. Olympiasieger Renaud Lavillenie musste sich als Zweiter mit 5,85 Metern ebenso geschlagen geben wie Ex-Weltmeister Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken mit 5,77 auf Rang drei.

Die Niederländerin Dafne Schippers setzte das Sprint-Glanzlicht: Sowohl im Vorlauf (7,04 Sekunden) als auch im Finale (7,00) rannte die 200-Meter-Weltmeisterin von Peking Jahresweltbestzeit. "Sprint-Opa" Kim Collins (39) gewann zum dritten Mal in Serie in 6,53 Sekunden den Männersprint beim Hallen-Istaf.
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