Leichtathletik-Weltpräsident Diack kassiert für Vertuschung positiver Dopingproben
"System der Korruption"

Der langjährige IAAF-Präsident Lamine Diack soll für viel Geld positive Dopingproben verschwinden haben lassen. Bild dpa
Die Korruptionsaffäre um den früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack wächst zu einem Skandal mit immer größerer Dimension. In seiner Amtszeit soll er mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben. Dies erklärte die französische Staatsanwältin Eliane Houlette am Freitag der Nachrichtenagentur AP. "Es ist eine Form der Erpressung, wenn man zu jemanden sagt: 'Zahle oder du kannst nicht starten', sagte sie. "Ich weiß nicht, ob wir es ein Mafia-System nennen können, aber es ist ein System der Korruption."

Diack war am Sonntag festgenommen worden. Gegen den 82-Jährigen aus dem Senegal wurde von der französischen Justiz Anklage wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche erhoben. Er ist gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Auch sein Anwalt Habib Cisse wurde angeklagt. Zudem sind der einstige Leiter der Anti-Doping-Abteilung der IAAF, Gabriel Dolle, und Diacks Sohn Papa Massata ins Visier der Justiz gerückt.

Wegen des Skandals sagte die IAAF am Freitag die "World Athletics Gala" am 28. November in Monte Carlo ab. Auf der seit 1988 organisierten Gala sollten auch die "Weltleichtathleten des Jahres" gekürt werden. Diack ist formal noch Vorsitzender der IAAF-Tochter "Athletics Foundation", die die Gala ausrichtet.

"Alles, was wir wissen ist, dass es mehr als eine Million Euro sind und das Geld anscheinend über den russischen Leichtathletik-Verband transferiert wurden", erklärte Houlette zu den Machenschaften unter der Diack-Ägide. "Ich bin erschüttert. In dieser Dimension war es nicht zu erwarten", kommentierte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, die neue Entwicklung.

Auf die Spur kamen die Ermittler Diack, der 16 Jahre Präsident der IAAF war und das Amt im August an den Briten Sebastian Coe übergeben hat, durch Informationen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie hatten Belege zum Doping-Fall der türkischen Olympiasiegerin von 2012, Asli Cakir Alptekin, entdeckt. Wie Houlette berichtet, soll der 1500-Meter-Läuferin angeboten worden sein, eine positive Doping-Probe von ihr verschwinden zu lassen, wenn sie dafür zahle. "Es war eine Art von Erpressung", so Houlette, "aber sie verweigerte es." Daraufhin wurde die Türkin wegen wiederholten Dopings für acht Jahre bis 2021 gesperrt und ihr das Olympia-Gold aberkannt.
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