Lewandowski macht den Müller

Immer den Ball im Visier: Robert Lewandowski trifft derzeit, wie er will. Bild: dpa

Es ist schon kurios: Während Robert Lewandowski für die Bayern - wie auch gegen Dinamo Zagreb am Dienstagabend - trifft und trifft, trifft Thomas Müller auf einmal nicht mehr. Für den gibt es dafür einen nicht ganz ernst gemeinten Grund.

München. Dieser Mann ist selbst seinen Teamkollegen manchmal ein Rätsel: "Keine Ahnung. Ich weiß nicht, wie er das macht?" Philipp Lahm sollte am Dienstagabend nach dem 5:0 (4:0) gegen Dinamo Zagreb das Tor-Phänomen Robert Lewandowski erklären. "Ich schieße ja nicht so oft Tore, hatte auch noch nie einen Torlauf." Philipp Lahm hat in mehr als zehn Jahren gerade einmal 14 Tore in der Bundesliga und Champions-League erzielt. So eine Quote schafft Lewandowski ja fast in einer Woche. Gegen die Kroaten tütete der Pole seine Treffer acht, neun und zehn binnen sieben Tagen ein.

Davon erzählen konnte er erst spät in der Nacht, denn bei der Dopingprobe nach dem Champions-League-Spiel lief es bei weitem nicht so gut wie vorher auf dem Platz. "Nein, ich zähle nicht, wie viele Tore ich geschossen habe", versuchte Lewandowski dann zu erklären. "Wichtig sind die drei Punkte für die Mannschaft." Naja, ein bisschen Flunkerei ist da schon dabei. Der 27-jährige Pole ist ein Torjäger mit totaler Leidenschaft. In seiner Gier zu treffen, übersieht er auch schon mal den Nebenmann, was ihm im Spiel gegen Zagreb einen bösen Blick von Thomas Müller einbrachte. Auch bei einem Freistoß versuchte sich der Pole, beim nächsten Versuch schickte ihn aber David Alaba gleich weg. So große Entfernungen sind dann doch nichts für den Polen. Abstauber, Kopfball, Lupfer - auf diese drei Arten traf er gegen die bedauernswerten Kroaten, die auch noch die Tore von Douglas Costa und Mario Götze schlucken mussten.

Riesengroßer Unterschied

"Der Qualitätsunterschied heute war riesengroß", suchte Dinamo-Coach Zoran Mamic gar nicht erst nach Ausreden. "Wir wurden knallhart bestraft." Bisher taten sich die Münchener im bisherigen Saisonverlauf in den ersten 45 Minuten immer schwer. Nach dem 4:0 zur Pause "haben wir unser Spiel ein bisschen runtergeschraubt, einen Gang rausgenommen", beschrieb Jérôme Boateng die zweite Hälfte. Sich nur nicht zu verletzen vor dem Bundesliga-Gipfel am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund war die Devise aller. Vielleicht hatte der Trainer diese Drosselung sogar verordnet, dennoch wäre ein zweistelliges Ergebnis möglich gewesen. "Die Mannschaft ist gut in Form", brachte es Pep Guardiola auf den Punkt. "Gratulation." Er konnte Xabi Alonso komplett und Thomas Müller gut eine Stunde für das Spitzenspiel schonen.

Auf der Bank konnte der noch Lewandowskis "Tor des Tages" nach einem Lupfer bestaunen. "Das kann man öfter anschauen", nickte Müller anerkennend. Neidisch auf den derzeit dauertreffenden Kollegen ist er nicht. "Robert hat mir ja meinen Lauf abgekauft", sagte er schmunzelnd. Bis vor gut zehn Tagen traf Müller, wie er wollte, seitdem hat er Ladehemmung. Nicht auszudenken, wenn beide gemeinsam durchladen.
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