Löw muss improvisieren

Viele Sorgen haben momentan Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und sein Assistenztrainer Thomas Schneider beim Zusammenstellen der Mannschaft. Improvisieren ist angesagt, wenn es heute gegen die Spanier geht. Bild: dpa

Spanien gegen Deutschland - was für ein Fußball-Knüller. Die Realität zum Abschluss des WM-Jahres ist jedoch eine andere. Bundestrainer Löw muss in Vigo mehr ausprobieren als ihm lieb ist. Khedira gibt sein Kapitänsdebüt, Rüdiger und Volland dürfen sich zeigen.

Ein Premium-Test zum Jahresende sieht anders aus, das weiß auch der leidgeprüfte Improvisator Joachim Löw. Das Gros der deutschen Fußball-Weltmeister wird am Dienstagabend (20.45 Uhr/ARD) gemütlich auf der Couch sitzen, wenn die wenigen verbliebenen Champions um Aushilfskapitän Sami Khedira sowie das Münchner Offensiv-Duo Thomas Müller und Mario Götze in Vigo zur letzten Kraftprobe des Jahres gegen Spanien antreten.

"Die Spieler haben schon Lust, gegen Spanien zu spielen", versicherte Löw. Er baute vor dem Prestigeduell mit dem amtierenden Europameister und Weltmeister von 2010 aber auch für ein Negativerlebnis vor. "Dieses Jahr wird in der Geschichte immer einen großen Stellenwert haben. Der ist nicht anzukratzen mit einem Testspiel", verkündete der Weltmeister-Coach unmissverständlich.

Nach einem verspäteten Start im nebligen München durfte sich die personell arg gebeutelte DFB-Reisegruppe bei der Ankunft in der Hafenstadt im Nordwesten Spaniens erst einmal über ein paar Sonnenstrahlen freuen. Beim Spiel soll's jedoch regnen. Und das würde passen zum tristen Bild, das Löws Mannschaft nach dem brasilianischen Sommermärchen im Herbst abgibt.

Dass die Probleme nach der WM, gerade mit viel zu vielen verletzten Spielern, "so krass" ausfallen würden, hatte auch Löw nicht erwartet. Aber er beruhigte auch die bei der WM so verwöhnten Fans in der Heimat: "Im nächsten Jahr werden wir zu alter Stärke zurückkehren." Die DFB-Akteure wollen die letzten 90 Länderspielminuten im WM-Jahr im betagten Estadio Balaídos engagiert bestreiten. "Es treffen zwei große Mannschaften aufeinander, egal in welcher Besetzung. Es ist ein Prestigeduell", sagte Toni Kroos. Seit 14 Jahren ist Deutschland sieglos gegen Spanien, auswärts liegt der letzte Erfolg 32 Jahre zurück. Aber diese Serien sind zweitrangig. "Wir haben den WM-Titel geholt, da gibt es nichts dran zu rütteln. Wenn man so einen Meilenstein erreicht, kann danach passieren was will", erklärte Torjäger Thomas Müller.

Eine krachende Niederlage gegen das jahrelange Vorbild Spanien möchte auch Löw vermeiden. Der Bundestrainer muss jedoch - wie ständig seit der WM - improvisieren. Drei Akteure aus der Startelf des WM-Endspiels kann er aufbieten: Kroos, Müller und Benedikt Höwedes, der gegen Spanien als Chef einer unerfahrenen Abwehr ran muss. Dazu kommt der in Rio beim 1:0 gegen Argentinien eingewechselte Siegtorschütze Götze.

Eine 4-3-3-Formation zeichnet sich ab, da Löw auf eine kompakte Defensive setzt und mit Konterattacken zum Erfolg kommen will. Im Tor könnte es eine Job-Teilung zwischen Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler geben. In der Abwehr darf sich der Stuttgarter Antonio Rüdiger auf höchstem Niveau bewähren, dazu der Hoffenheimer Kevin Volland im Angriff.

Khedira soll in seinem 53. Länderspiel das Team erstmals als Kapitän anführen, sofern eine leichte Knöchelblessur den Einsatz des Profis von Real Madrid zulässt. Auch Shkodran Mustafi (Wadenverhärtung) ist leicht angeschlagen. Aus den nach Rücktritten oder aus Verletzungsgründen fehlenden Stars wie Neuer, Lahm, Boateng, Hummels, Mertesacker, Kramer, Schweinsteiger, Schürrle, Reus, Draxler und Klose hätte Löw mühelos eine schlagkräftige Elf zusammenstellen können.
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