Löw setzt auf Schweinsteiger

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und sein Kapitän Bastian Schweinsteiger werden nach dem WM-Sieg von Emotionen überwältigt. Doch sie haben noch nicht genug: Die beiden planen das nächste große Ding. Bild: dpa

Erst Weltmeister, dann Europameister - diesen Masterplan will Bundestrainer Joachim Löw im Zwischenjahr 2015 forcieren. Teammanager Oliver Bierhoff prophezeit in der EM-Qualifikation einen "heißen Herbst". Podolski, Gomez, neuer Vertrag - viele Fragen warten auf Antworten.

Die erschöpften Fußball-Weltmeister schnaufen zum Jahreswechsel durch. Der Bundestrainer tut das ebenfalls, aber nicht allzu lange. Denn auch ohne großes Turnier in diesem Sommer will Joachim Löw in den kommenden zwölf Monaten wichtige Weichen für seinen nächsten großen Auftrag mit dem Nationalteam stellen. Der Blick der Sportlichen Leitung um Löw geht darum schon 2015 konsequent nach vorn zur Europameisterschaft in Frankreich.

Nur kurzes Innehalten

Löw gönnt sich und seinen Champions lediglich ein kurzes Innehalten. "Jetzt sind wir auf dem Höhepunkt angekommen, sind Weltmeister und seit einem Jahr die Nummer eins der Weltrangliste. Ich habe das Gefühl: Diese gute Basis muss man erhalten, aber auch neue Lösungen finden. Unsere Mitbewerber entwickeln sich auch weiter", sagt der Bundestrainer zum Jahreswechsel im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Das Ziel heißt, 2016 einen Erfolg wie den WM-Sieg zu bestätigen", lautet die Vorgabe des Weltmeister-Trainers. Voraussetzung dafür sei eine Weiterentwicklung, teilweise sogar eine Erneuerung. "Von Titeln der Vergangenheit können wir uns heute und morgen nichts mehr kaufen", mahnt der 54-Jährige: "Jetzt geht der Blick nach vorn, wir müssen uns in einigen Bereichen neu erfinden. Das ist die Aufgabe."

Die Neuausrichtung in einem turnierlosen Jahr, in dem traditionell die Vereinsinteressen die Nationalmannschaftsbelange überragen, ist ein heikles Manöver für jeden Nationaltrainer. Nach 17 Länderspielen im WM-Jahr kann Löw die Nationalspieler 2015 gerade fünfmal für jeweils eine gute Woche versammeln. In lediglich zehn Partien kann er neues Personal testen und neue taktische Varianten erproben, erstmals Ende März beim Testspiel in Kaiserslautern gegen Australien sowie dem ersten kniffligen EM-Qualifikationsspiel auswärts gegen Georgien.

"Den detaillierten Plan haben wir noch nicht in der Schublade", sagt Löw zum Veränderungsprozess, den er nach den Rücktritten von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker hauptsächlich mit den verbliebenen Weltmeistern vollziehen möchte - und endlich auch mit Bastian Schweinsteiger als Anführer. Der 30-Jährige konnte das DFB-Team seit seiner Beförderung zum Kapitän aus Verletzungsgründen seit dem WM-Triumph noch nicht einmal in einem Länderspiel anführen. Das soll sich nach seinem geglückten Comeback am Ende der Hinrunde beim FC Bayern 2015 ändern.

"Ich setze großes Vertrauen in Basti als Mannschaftskapitän", sagt Löw. Wenn der 108-malige Nationalspieler körperlich fit sei, könne er nach wie vor "als großer Stratege im Mittelfeld" das Team führen und mitreißen. So wie im WM-Finale gegen Argentinien, als Schweinsteiger mit blutender Gesichtswunde zur Symbolfigur des Triumphes wurde.

Kraftakt in Brasilien

"Bastian ist nicht nur bei Bayern, sondern auch bei uns zu einem wahren Führungsspieler gereift. Gerade im WM-Finale hat man gespürt, dass er überall war und sich unbändig eingesetzt hat. Und gerade in den entscheidenden, wichtigen Phasen hat er sich immens aufgebäumt, seine ganze Kraft und Erfahrung reingeworfen", schwärmt Löw auch noch ein halbes Jahr nach dem 120-Minuten-Kraftakt in Brasilien.
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