"Löwen" setzen auf Rekordcoach

Jetzt ist er ein "Löwe". Benno Möhlmann soll den Traditionsverein als neuer Trainer wieder in die Spur führen. Bild: dpa

1860 München hat nach einem völlig verpatzten Saisonstart Trainer Torsten Fröhling beurlaubt und setzt alle Hoffnung in Altmeister Benno Möhlmann. Dieser gibt sich erstmal zurückhaltend und fordert seinen neuen Arbeitgeber zu mehr Demut auf.

Mit einem energischen "Servus zusammen!" betrat Benno Möhlmann den voll besetzten Pressecontainer des TSV 1860 München und machte erstmal das Fenster weit auf. Ausgerechnet der erfahrenste Trainer der Zweitliga-Geschichte soll in den schwer kriselnden Fußball-Traditionsclub frischen Wind bringen. Der 61-Jährige ersetzt den nach bislang zehn Saisonpartien ohne Sieg beurlaubten Chefcoach Torsten Fröhling. Anders als viele seiner allzu forschen Vorgänger sah Möhlmann am Dienstag von kühnen Zielvorgaben ab. "Es ist wichtig, dass 1860 auch mal die 2. Liga akzeptiert", betonte der Altmeister.

Vorsichtige Töne

Solche vorsichtigen Töne hörte man an der Grünwalder Straße in den vergangenen Jahren der Zweitliga-Mittelmäßigkeit nur selten. Von Erfolg flankiert waren die Aufstiegsträume aber nie: Möhlmann ist immerhin der achte Cheftrainer des TSV in knapp drei Jahren. "Es scheut mich nicht zu einem Verein zu kommen, wo vielleicht nicht alles ganz normal ist", sagte der Ex-Profi und verwies damit auch auf die oft undurchsichtige Kompetenzsituation bei den "Löwen", die schon zu manch einer Trainer- oder Managerposse in München geführt hatte.

In der Länderspielpause will Möhlmann die Mannschaft kennenlernen - und verliert dafür keine Zeit: Am Nachmittag schickte er seine Truppe eine Viertelstunde vor dem geplanten Trainingsstart auf das Feld, begrüßte die Spieler per Handschlag und hielt eine kurze Rede. Details darüber, was er verbessern will, konnte er an seinem ersten Tag ebenso wenig nennen wie sein Trainerteam, dessen Zusammensetzung erst geklärt werde. Dass er sich "Disziplin, Ordnung und Bereitschaft zu laufen und zu kämpfen" erwarte, verriet er. An den Klassenverbleib glaube er auch. Das Team gehöre "von der Qualität der Einzelspieler und als Mannschaft nicht auf den Platz, wo es jetzt steht".

Nach dem erst in den letzten Minuten der Relegation vermiedenen Abstieg in die 3. Liga und dem verpatzten Saisonstart glaubten die Verantwortlichen des TSV also nicht mehr an Fröhling, sondern setzen alles auf die einmalige Erfahrung Möhlmanns. Mit 501 Zweitligaspielen ist er Trainer-Rekordhalter in Deutschland, seine insgesamt 1080 Partien als Spieler und Coach in den Ligen eins und zwei werden nur von Friedhelm Funkel (1156) und Otto Rehhagel (1088) getoppt. Funkel war in der Saison 2013/14 auch schon 1860-Trainer - und scheiterte.

"Diese Erfahrung brauchen wir, die tut uns gut", fand Geschäftsführer Markus Rejek, der von einer einstimmigen Entscheidung in den vielen Vereinsgremien pro Möhlmann berichtete. Dass dieser einen Vertrag bis Saisonende bekam, sei von beiden Seiten gewollt. "Wir werden erfolgreich sein, davon bin ich fest überzeugt", sagte Möhlmann.

Seinem Vorgänger war die Wende nicht mehr zugetraut worden. "Wir bedauern es sehr, dass wir uns nach einer ausführlichen Analyse und reiflicher Überlegung zu diesem Schritt gezwungen sahen", sagte Rejek.
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