"Löwen" überraschen im Pokal

Darauf haben die "Löwen" lange warten müssen. Endlich darf die Mannschaft im Pokal wieder jubeln, denn in der ersten Rund haben sie überraschend gegen den Bundesligisten Hoffenheim gewonnen. Bild: dpa

Der dauerkriselnde TSV 1860 München darf zur Abwechslung mal wieder feiern. Nach dem 2:0 im Pokal gegen Hoffenheim erkennen die von vielen als Versager abgestempelten Löwen-Profis den Beweis als erbracht, dass sie doch zurecht Fußball-Profis sind.

Die Münchner Löwen wussten selber nicht, wie ihnen geschah. Es fehlt Geld, es fehlen Neuzugänge, es fehlt Perspektive, bis Samstag fehlten auch sportliche Erfolge - da tat der unverhoffte Pokalsieg gegen 1899 Hoffenheim natürlich doppelt gut. "Dass wir nicht ganz blind sind, ist uns ja auch allen klar", bemerkte Torwart Stefan Ortega nach dem verdienten 2:0 über den ambitionierten Fußball-Bundesligisten keck und meinte wortgewaltig: "Es hat ja schon irgendwie einen Grund, dass wir zumindest in der 2. Liga spielen und eine Berechtigung haben, den Beruf auszuüben."

Mit zwei Niederlagen ist der dauerkriselnde TSV 1860 München schon wieder in die neue Zweitliga-Saison gestartet - umso geringer waren da die Erwartungen vor dem Pokalspiel. Doch mit Kampfesmut und vollem Einsatz bezwang die Mannschaft von Torsten Fröhling den topbesetzten Gegner, bei dem Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi eingewechselt wurde und ein enttäuschendes Pflichtspiel-Comeback in Deutschland gab. "Das war wieder ein Wahnsinnsspiel", kommentierte Offensivkraft Marius Wolf und resümierte: "Gegen ein Team, das so viele super Fußballer in seinen Reihen hat, haben wir nur eine Chance zugelassen."

Anders als noch bei den 0:1-Pleiten in Heidenheim oder gegen Freiburg zeigten die Löwen über die volle Distanz eine ansprechende Leistung. "Wir haben über einen längeren Zeitraum die Qualität hochgehalten", lobte Trainer Torsten Fröhling, dessen Team natürlich auch von der geballten Esprit- und Ideenlosigkeit der Gäste profitierte. "Wenn wir so spielen, steigen wir dieses Jahr ab", urteilte der Hoffenheims Verteidiger Niklas Süle. 1899-Coach Markus Gisdol haderte: "Wir waren viel zu träge, das müssen wir dringend abstellen."

Sechzig brachte die Hoffenheimer reihenweise in Bredouille und hätte sogar noch höher gewinnen müssen, wenn man die Zahl der Torchancen zugrunde legt. So trafen zumindest Daylon Claasen (51. Minute) und Fejsal Mulic (90.+3) für die Löwen - und vermasselten damit auch das Kuranyis Comeback. Erst nach mehr als einer Stunde wurde der 33-Jährige eingewechselt - eine vorzeigenswerte Aktion aber hatte der einst so begehrte und treffsichere Stürmer bis zum Ende nicht mehr.

Ganz anders die Löwen, die jetzt mit neuem Selbstvertrauen ins Derby beim 1. FC Nürnberg in einer Woche starten können. "Wir können dort auch gewinnen", prognostizierte Torwart Ortega, der in der Liga wohl seinen Platz wieder für Vitus Eicher räumen muss. Fröhling fasste die Lage bekannt zugespitzt zusammen: "Wir dürfen nicht einen Millimeter nachlassen! Weil wir haben null Punkte in der Liga."
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