Mädels außer Rand und Band

Da ging die Sause schon los: Die Deutschen (von links) Franziska Hildebrand, Franziska Preuß, Luise Kummer und Laura Dahlmeier waren schon kurz nach dem Zieleinlauf völlig aus dem Häuschen. Die deutsche Biathlon-Staffel siegte in Antholz ganz klar. Bild: dpa

Die deutschen Biathleten feiern wieder Erfolge. Vor allem Simon Schempp sorgte mit seinen beiden Siegen in Antholz für Jubel. Und die junge Frauen-Staffel holte sogar den zweiten Saison-Sieg.

Die deutschen Biathleten sind wieder da - nicht nur dank Seriensieger Simon Schempp. Mit der schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand lief Laura Dahlmeier nach einer tollen Aufholjagd am Sonntag zum zweiten deutschen Staffel-Sieg der Saison und krönte eine überragende Antholz-Woche. Bundestrainer Gerald Hönig schickte nach dem glücklichen Ausgang der Windlotterie ein Stoßgebet gen Himmel. "Wir haben uns bei schwierigen Bedingungen durchgesetzt. Ein Riesenkompliment an die Truppe."

Bei noch regulären Bedingungen hatte es auch die Männer-Staffel bei dem Weltcup-Klassiker als Zweite hinter Weltmeister Norwegen auf das Podest geschafft. Auch wenn es für das Silber-Quartett von Sotschi nicht zum ersten Weltcup-Sieg seit vier Jahren reichte, war Schlussläufer Schempp einen Tag nach seinem Verfolgungs-Sieg nicht traurig: "Es ist einfach der Wahnsinn, was gerade mit mir passiert."

Er prophezeite: "Jetzt kommen von außen hohe Erwartungen." Verrückt machen lassen will sich der Baden-Württemberger aber nicht: "Ich glaube, ich kann das ganz gut ausblenden." Auch Männer-Bundestrainer Mark Kirchner will von den in fünfeinhalb Wochen anstehenden Titelkämpfen in Kontiolahti noch nichts wissen. "Wir haben noch zwei Weltcup-Veranstaltungen, und dann erst kommt die WM. Im Moment freuen wir uns erst einmal, dass es so gut läuft." Startläufer Erik Lesser kündigte aber schon forsch an: "Wir wollen Staffel-Weltmeister werden."

Fourcades Verfolger

Ehe es vom 5. bis 15. März in Finnland um Medaillen geht, stehen die Weltcups in Nove Mesto und Oslo an. Für Schempp sind sie auch deshalb enorm wichtig, weil der 26-Jährige nach seinen drei Einzelsiegen im Massenstart von Ruhpolding sowie im Sprint und am Samstag in der Verfolgung von Antholz plötzlich zum großen Herausforderer von Weltcup-Gesamtsieger Martin Fourcade geworden ist. Der Uhinger hat nur noch 23 Punkte Rückstand auf den Franzosen, den Dominator der vergangenen drei Jahre. "Für mich persönlich ist ein Gesamtweltcup-Sieg wesentlich höher einzuschätzen als jede WM-Medaille. Man muss über vier Monate konstant durchkommen, um so etwas zu erreichen. Bei einer WM zählen nur eineinhalb Wochen", sagte Schempp. Der dreimalige Olympiasieger Michael Greis, 2007 der letzte deutsche Gesamtsieger, glaubt: "Simon ist ganz oben in der Weltspitze angekommen und kann alle inklusive Fourcade mächtig unter Druck setzen."

Ganz so weit sind die deutschen Frauen nach den Rücktritten von Kati Wilhelm, Magdalena Neuner und Andrea Henkel noch nicht, auch wenn es nach Hochfilzen schon den zweiten Staffelsieg gab. "Wir sind nicht die WM-Favoriten", sagte Hönig. Trotz der beiden Strafrunden von Franziska Hildebrand zeigten die Skijägerinnen vor allem am Schießstand eine ganz starke Leistung.

Hildebrand enttäuscht

Franziska Hildebrand, als Weltcup-Sechste die bestplatzierte deutsche Skijägerin, verpasste am Samstag den ersten Podestplatz ihrer Karriere nur denkbar knapp. "Das tut weh", sagte die 27-Jährige. Den Zielsprint hatte sie um gerade mal 0,3 Sekunden gegen die Finnin Kaisa Mäkäräinen verloren. Als Vierte beim Sieg von Darja Domratschewa zeigte sie, dass die jungen Skijägerinnen weiter die Gunst der Stunde nutzen. "Es fehlen vom letzten Jahr zehn, zwölf Topathletinnen, die den Neuaufbau erleichtern", analysierte Hönig.

Schneller als erwartet wurde der Anschluss hergestellt. Franziska Preuß hatte als Massenstart-Zweite in Ruhpolding den ersten Einzel-Podestplatz geschafft. In Antholz sorgte Laura Dahlmeier als Sprint-Dritte für Jubel und brachte am Sonntag den Staffel-Sieg trotz der widrigen Bedingungen abgezockt nach Hause.
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